Politik
Ein französischer Soldat vor dem Flughafen von Timbuktu.
Ein französischer Soldat vor dem Flughafen von Timbuktu.(Foto: dpa)

Geberkonferenz sammelt Geld für Mali: Timbuktu feiert die Befreiung

Die malisch-französischen Truppen rücken weiter vor. In der von Islamisten befreiten Stadt Timbuktu reagieren die Menschen mit großer Erleichterung. "Wir sind dabei, die Schlacht zu gewinnen", sagt Frankreichs Präsident Hollande. Derweil sagen mehrere Länder und der IWF finanzielle Hilfe für Mali zu.

Nach der Eroberung der Wüstenstadt Timbuktu durch französische und malische Truppen hat die Bevölkerung das Ende der islamistischen Herrschaft gefeiert. "Ich bin wieder frei", jubelte ein Bewohner nach Angaben des Senders RFI. "Ich darf wieder reden, ich kann wieder machen, was ich will." Auf den Straßen seien "Horden von Kindern" unterwegs, während Frauen wieder unverschleiert spazieren gingen. "Nach einem Jahr der Unterdrückung herrscht in Timbuktu wieder ein starkes Gefühl der Freiheit." In der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba beginnt eine Geberkonferenz, bei der Geld für den Einsatz in Mali gesammelt werden soll.

Auch Soldaten des Tschad kämpfen bereits in Mali, hier in der Stadt Gao.
Auch Soldaten des Tschad kämpfen bereits in Mali, hier in der Stadt Gao.(Foto: dpa)

Frankreichs Präsident François Hollande nannte den Militäreinsatz einen vollen Erfolg. "Wir sind dabei, die Schlacht zu gewinnen", sagte er in Paris. Der Präsident lobte die Effektivität der französischen Armee, der es gelungen sei, die Offensive der islamistischen Rebellen innerhalb von wenigen Tagen zu stoppen. Er bekräftigte die Absicht, die französischen Truppen so schnell wie möglich wieder aus dem westafrikanischen Land abzuziehen. "Frankreich wurde nicht gerufen, um in Mali zu bleiben", sagte Hollande. Es sei Aufgabe der Afrikaner, dass Mali seine territoriale Integrität wiedergewinne, vor allem auch im von islamistischen Rebellen kontrollierten Norden.

Der Nachrichtensender Al-Dschasira berichtete, die französischen Einheiten hätten sich bei ihrem Siegeszug beim Einmarsch in Timbuktu aber auch schon in Städten wie Gao stets hinter die malischen Einheiten eingereiht. Dadurch sollte bei der Bevölkerung der Eindruck entstehen, dass die Regierungsarmee die Orte zurückerobert hätten. Ein Reporter des Senders berichtete, dass die Rebellen vielfach "schlicht verschwunden" seien, sich möglicherweise in Nachbarländer abgesetzt hätten, um zu einem späteren Zeitpunkt zurückzukehren.

Berlin schickt dritte Transall-Maschine

Kurz vor dem Einmarsch fiel in Timbuktu allerdings eine Bibliothek mit wertvollen historischen Manuskripten der Zerstörungswut von Islamisten zum Opfer. Über das Ausmaß der Zerstörung lagen zunächst keine Erkenntnisse vor, ebenso wie über den Zustand der von Islamisten zerstörten Mausoleen islamischer Gelehrter. Die Grabstätten gehören zum Weltkulturerbe der Unesco.

Die Bundeswehr entsendet eine weitere Transall-Maschine nach Mali.
Die Bundeswehr entsendet eine weitere Transall-Maschine nach Mali.(Foto: dapd)

Deutschland will unterdessen die logistische Hilfe für den Kampf gegen die  islamistischen Rebellen in Mali ausweiten. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums bestätigte einen Bericht der "Mitteldeutschen Zeitung", wonach die Entsendung eines dritten Transall-Transportflugzeugs nach Mali geplant ist. Die Bundeswehr transportiert seit einer Woche afrikanische Soldaten nach Bamako.

Die US-Außenamtssprecherin Victoria Nuland rief dazu auf, parallel zu einer militärischen, auch eine politische Lösung des Konflikts zu suchen. Dazu sei vor allem die Wahl einer neuen Regierung in Bamako notwendig, sagte Nuland.

Geberkonferenz will Hilfsgelder sammeln

Im Rahmen des Gipfeltreffens der Afrikanischen Union in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba wurde nun mit Spannung die Geberkonferenz für Mali erwartet. Dabei wollen die afrikanischen Länder und rund 60 Partner die Mittel für den geplanten afrikanisch geführten Militäreinsatz in dem Krisenland aufbringen. Der Präsident der Elfenbeinküste und Vorsitzende der westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft Ecowas, Alassane Ouatarram, sagte, dass zur Finanzierung des Militäreinsatzes mindestens 950 Millionen Dollar (706 Millionen Euro) nötig seien. Mindestens 10.000 Soldaten würden benötigt, fügte er an. Bisher hat die Ecowas die Entsendung von 5700 Soldaten zugesagt.

Die Europäische Union werde sich mit 50 Millionen Euro an der Mission beteiligen, sagte EU-Entwicklungskommissar Andris Piebalgs. Die Afrikanische Union selbst will 50 Millionen Dollar (37 Millionen Euro) beisteuern. Der Internationale Währungsfonds (IWF) gewährte dem Land einen Kredit von 18,4 Millionen Dollar (13,6 Millionen Euro). Der Kredit solle dem Land erlauben, sich von der Rezession zu erholen und die wirtschaftliche Stabilität wiederherzustellen, teilte der IWF mit. Japan kündigte an, Mali und andere Staaten der Sahel-Zone mit zusätzlich 120 Millionen Dollar (89 Millionen Euro) zu unterstützen.

Großbritannien stellt Frankreich weitere Unterstützung für die Militäroffensive in Aussicht. Ein Sprecher von Premier David Cameron machte deutlich, die Hilfe beschränke sich auf Logistik, Transport, Geheimdienstinformationen und Überwachung. Ein Kampfeinsatz sei weiter nicht beabsichtigt. Die Zeitung "The Guardian" dagegen zitierte eine Person aus dem Umfeld des Premierministers mit den Worten, Großbritannien sei bereit, eine beträchtliche Anzahl von Soldaten nach Mali zu entsenden.

Die USA planen zudem eine Drohnenbasis in Nordwestafrika, um Gruppen des Terrornetzwerkes Al-Kaida sowie islamische Extremisten in der Region besser überwachen zu können. Zunächst sollten von dem Drohnenstützpunkt aber nur unbewaffnete Überwachungsmissionen starten, berichtete die "New York Times". Zu den möglichen Standorten zählten Regierungsmitarbeiter das im Osten an Mali grenzende Niger sowie das südlich von Mali gelegene Burkina Faso. Die Drohnen könnten so schnell wie möglich die von Frankreich geführte Mission in Mali unterstützen, hieß es.

Quelle: n-tv.de

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