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Ein malischer Soldat auf dem Vormarsch.
Ein malischer Soldat auf dem Vormarsch.(Foto: REUTERS)

Islamisten hinterlassen Flammen: Timbuktu ist befreit

Die Oasenstadt Timbuktu in Mali ist wieder in der Hand der Regierung. Malische und französische Truppen nehmen die Stadt ein. Frankreich kündigt einen weiteren Vormarsch an. Unterdessen setzen die Islamisten einen der bedeutendsten Kulturschätze der historischen Stadt in Brand.

Mali wird nach Einschätzung des französischen Außenministers Laurent Fabius dank des von Frankreich geführten Militäreinsatzes gegen islamistische Rebellen Schritt für Schritt befreit. "Gemeinsam mit den Maliern gewinnen wir eine Reihe von Städten zurück", sagte Fabius. Der Außenminister warnte aber davor, dass bewaffnete Kämpfer der islamistischen Allianz im Norden Malis sich nun verstecken und später zurückkehren könnten. "Die Terrorgruppen verfolgen die Strategie des Rückzugs", sagte Fabius. "Einige von ihnen könnten in den Norden zurückkehren, vor allem in Mali." Ob sich Frankreich dann an einem erneuten Militäreinsatz in dem westafrikanischen Land beteiligen würde, ließ er offen.

Mali - Land am Niger 2
(Foto: stepmap.de)

Die von Frankreich angeführte und seit zwei Wochen dauernde Offensive gegen die Rebellen macht rasch Fortschritte. Nach der wichtigen Stadt Gao haben die Truppen Malis und Frankreichs auch den historische Wüstenort Timbuktu eingenommen. Seit der Nacht zum Montag befindet sich die Stadt unter der Kontrolle der alliierten Streitkräfte.

Der schnelle Vormarsch der Verbände ist auch dem Zurückweichen der Islamisten zu verdanken. "Wir sind in Gao auf keinen Widerstand gestoßen; die bewaffneten Gruppen hatten die Stadt bereits verlassen", sagte der malische Oberst Didier Dakouo.

Die französisch-malischen Truppen durchkämmen nun Timbuktu. Über Kämpfe wurde bisher nichts bekannt. Es gehe jetzt darum, sicherzustellen, dass keine feindlichen Islamisten mehr in der Stadt seien, sagte ein Offizier der malischen Armee. In Gao kehrte bereits Normalität ein; Geschäfte und Behörden sind geöffnet.

Timbuktu, auch "Perle der Wüste" genannt, liegt rund 700 Kilometer nordöstlich der malischen Hauptstadt Bamako. Neben drei großen Moscheen gibt es in der historischen Wüstenstadt mit 55.000 Einwohnern jahrhundertealte Friedhöfe und Mausoleen. Seit 1988 zählen sie zum Weltkulturerbe der Unesco; 2012 hatten die Islamisten jedoch mehrere geschützte Heiligengräber in der Altstadt zerstört.

Vor ihrer Flucht zündeten die Islamisten noch eine Bibliothek mit unschätzbaren alten Handschriften an. Die Aufständischen hätten das neu gebaute Ahmed-Baba-Institut vier Tage zuvor in Brand gesetzt, berichtete der Bürgermeister der Stadt, Halle Usmane. Wie viel von dem Gebäude, das mehr als 20.000 Manuskripte beherbergte, zerstört ist, konnte Usmane noch nicht sagen. Einige der Handschriften stammen aus dem 13. Jahrhundert.

EU gibt Geld

Die Europäische Union will sich mit 50 Millionen Euro am Militäreinsatz in Mali (Afisma) beteiligen. Offiziell will sich die EU-Kommission bei der internationalen Geberkonferenz in Äthiopien zu dieser Summe verpflichten. Das sagte EU-Entwicklungskommissar Andris Piebalgs. Mit dem Geld würden jedoch keine Waffen gekauft, sondern andere Ausgaben wie die Kosten für Transport und medizinische Hilfe bezahlt.

Welche Summe insgesamt für die Finanzierung der Afisma gebraucht wird, ist unklar. "Die bisher genannte Summe von 400 Millionen Dollar (297 Millionen Euro) scheint aber realistisch", sagte Piebalgs.

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Quelle: n-tv.de

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