Politik

Presserat: Journalistische Ethik verletzt: "Titanic" handelt sich Rüge ein

Das Magazin "Titanic" zeigt im Juli Papst Benedikt XVI. von vorn und hinten - einmal mit gelbem, einmal mit braunem Fleck auf der Soutane. Die Überschrift: "Halleluja im Vatikan - Die undichte Stelle ist gefunden!" Die katholische Kirche interveniert, erlässt eine einstweilige Verfügung und zieht wieder zurück. Jetzt meldet sich der Deutsche Presserat zu Wort.

Bei einem Protest gegen die einstweilige Verfügung der Kirche gegen das Magazin.
Bei einem Protest gegen die einstweilige Verfügung der Kirche gegen das Magazin.(Foto: dpa)

Der Deutsche Presserat hat dem Satiremagazin "Titanic" für das umstrittene Papst-Titelbild eine öffentliche Rüge erteilt. "Die Darstellung von Papst Benedikt XVI. als inkontinent und mit Fäkalien beschmiert ist entwürdigend und ehrverletzend", erklärte der Presserat in Berlin. 180 Leser hatten das im Juli erschienene Cover kritisiert.

Das Selbstkontroll-Organ sah die Ziffer 9 des Pressekodex verletzt. Diese lautet: "Es widerspricht journalistischer Ethik, mit unangemessenen Darstellungen in Wort und Bild Menschen in ihrer Ehre zu verletzen." Zwar habe Satire die Freiheit, Kritik an gesellschaftlichen Vorgängen mit den ihr eigenen Stilmitteln wie Übertreibung und Ironie darzustellen. Die Grenze der Meinungsfreiheit sei bei diesem Fall aber überschritten.

"Titanic" wehrt die Rüge ab

Die "Titanic" zeigt sich von der Rüge des Presserates unbeeindruckt. "Wir bekommen täglich mehrere Rügen von ähnlich wichtigen Institutionen wie dem Presserat", sagte "Titanic"-Redakteur Tim Wolff. Die "Titanic" habe solche Rügen bisher auch noch nie gedruckt. "Vermutlich werden wir es nicht tun", sagte Wolff.

Der Presserat kritisierte, die Person Joseph Ratzinger werde durch die befleckte Soutane der Lächerlichkeit preisgegeben. Die öffentliche Rüge ist die schärfste Sanktion der Medienwächter.

Diese Darstellung entspreche nicht den Tatsachen, entgegnete die "Titanic". "Der Presserat kann offenbar Papst Benedikt nicht an seiner Dienstkleidung erkennen", sagte Chefredakteur Leo Fischer laut Erklärung. Das fragliche Cover stelle unverkennbar Papst Benedikt in Arbeitskleidung und "mit typischer Handbewegung seines Berufsstands" dar. Zudem habe Ratzinger ausdrücklich nicht als Privatperson, sondern in seiner Funktion als Papst die Klage eingereicht, betonte Wolff.

Die "Titanic" war mit einem umstrittenen Titelbild nach den Missbrauchsfällen in der Kirche 2010 schon einmal Thema beim Presserat. Damals wurden die Beschwerden abgewiesen.

Quelle: n-tv.de

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