Politik
Durch diesen Fluss versuchte der 47 Jahre alte Mann, in den Norden des Landes zu gelangen.
Durch diesen Fluss versuchte der 47 Jahre alte Mann, in den Norden des Landes zu gelangen.(Foto: REUTERS)

Sonderwirtschaftszone in Korea produziert wieder: Todesschüsse trüben Kaesong-Eröffnung

Fast ein halbes Jahr war die wichtigste Verbindung zwischen den beiden verfeindeten Koreas geschlossen, nun laufen die Fabriken in Kaesong wieder. Grund zum Feiern gibt es dennoch nicht: Gleich zwei mysteriöse Zwischenfälle könnten zu neuen Verstimmungen in der Krisenregion führen.

Überschattet von einem tödlichen Zwischenfall an der innerkoreanischen Grenze ist die von Nord-und Südkorea gemeinsam betriebene Sonderwirtschaftszone Kaesong wieder in Betrieb genommen worden. Fünf Monate nach der Schließung des Industriekomplexes überquerten hunderte südkoreanische Manager, Autos und Lastwagen die Grenze. Kaesong liegt etwa zehn Kilometer hinter der Grenze auf nordkoreanischem Gebiet und ist eine wichtige Devisenquelle für Pjöngjang.

Südkoreanische Soldaten erschossen am Morgen einen Mann, der durch einen Grenzfluss in den Norden gelangen wollte. Der Mann sei trotz mehrfacher Warnungen in den Fluss Imjin gesprungen und losgeschwommen, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Seoul. Daraufhin hätten die Soldaten das Feuer eröffnet, die Leiche des Mannes sei später aus dem Wasser gezogen worden. Ein Pass wies den Mann als 47-jährigen Südkoreaner, der im Juni aus Japan abgeschoben worden war.

Es ist sehr selten, dass an der innerkoreanischen Grenze geschossen wird - mindestens ebenso selten ist es, dass sich jemand vom Süden in den Norden absetzen will. Aus Pjöngjang wurde der Vorfall zunächst nicht kommentiert.

Tochter von nordkoreanischem Funktionär geflüchtet

Ein südkoreanischer Aktivist teilte unterdessen mit, die Tochter eines ranghohen nordkoreanischen Sicherheitsfunktionärs habe sich in den Süden abgesetzt. Der Vater der 19-jährigen Han sei im Ministerium für öffentliche Sicherheit für Polizeieinsätze in der Hauptstadt Pjöngjang zuständig, sagte der Fluchthelfer der Nachrichtenagentur AFP.

Bilderserie

Han habe in Peking ein College besucht und sei mit seiner Hilfe über ein Drittland nach Südkorea gelangt, fügte der Aktivist hinzu, der nicht namentlich genannt werden wollte. Flüchtlingen aus Nordkorea droht bei der Rückkehr in i hre Heimat schwere Strafen. Auch ihren Angehörigen drohen Repressalien.

Kaesong wurde im April auf dem Höhepunkt politischer Streitigkeiten zwischen dem von China unterstützten Nordkorea und dem mit den USA verbündeten Südkorea geschlossen. Nordkorea zog unter Verweis auf ein gemeinsames Militärmanöver Südkoreas und der USA seine 53.000 Arbeiter aus dem 2004 gegründeten Industriegebiet ab.

"Ich hoffe, dass wir wieder gut zusammenarbeiten können, genauso wie vorher", sagte ein 50-jähriger südkoreanischer Manager, der anonym bleiben wollte. "Ich bin ein bisschen beunruhigt, weil man nie wissen kann, ob der Norden seine Meinung in Zukunft wieder ändert."

Wichtiger Schritt zur Wiederannäherung beider Länder

Nach zahlreichen Verhandlungsrunden hatten Nord- und Südkorea bereits Mitte August ein Grundsatzabkommen zu der Sonderwirtschaftszone geschlossen. Sie verpflichteten sich darin, schnellstmöglich für die Rückkehr zum normalen Betrieb zu sorgen und Kaesong nicht noch einmal zum Opfer politischer Spannungen werden zu lassen.

Die südkoreanische Seite konnte bei den Verhandlungen einige Bedingungen durchsetzen. So soll der Industriepark für ausländische Investoren geöffnet werden. Davon erhofft sich Seoul, dass der Norden nicht erneut zu derart drastischen Maßnahmen wie einer Schließung greifen wird. Bislang sind in Kaesong 123 südkoreanische Firmen vertreten.

Mit Kaesong ist beiden Ländern ein weiterer Schritt zur Wiederannäherung gelungen. Bereits Ende August hatten sie sich auch auf eine Wiederaufnahme der seit Jahren ausgesetzten Familienzusammenführungen geeinigt. Die erste ist nun für den 25. bis 30 September im Feriengebiet Kumgang im Norden geplant. Etwa 72. 000 Südkoreaner stehen auf einer offiziellen Warteliste und hoffen, ihre Familienmitglieder im Norden besuchen zu dürfen. Die Hälfte von ihnen ist bereits mehr als 80 Jahre alt.

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen