Politik
Dienstag, 20. September 2016

Schlecht in Mathe: Trump Jr. vergleicht Flüchtlinge mit Skittles

Der Sohn von US-Präsidentschaftskandidat Trump warnt vor dem Konsum vergifteter Süßigkeiten. Was er eigentlich meint: Die USA sollten keine syrischen Flüchtlinge ins Land lassen. Die Analogie ist nicht nur menschlich, sondern auch mathematisch fragwürdig.

Das Argument ist nicht neu, doch Donald Trump Jr. – der Sohn des gleichnamigen Präsidentschaftskandidaten – hat ein hübsches Bild gefunden, mit dem er die Anhänger seines Vaters auf Twitter erfreuen konnte: "Wenn ich Schälchen mit Skittles hätte und ich Ihnen sagen würde, dass drei davon Sie töten würden, würden Sie eine Handvoll nehmen?"

Natürlich geht es Trump Junior nicht um Süßigkeiten. Er warnt vor Flüchtlingen aus Syrien. "Das ist unser Problem mit syrischen Flüchtlingen", steht über dem Foto eines Schälchens mit Skittles. Und damit wirklich alle verstehen, was er sagen will, schrieb der Präsidentschaftskandidatensohn noch dazu: "Das Bild sagt alles. Lasst uns die politisch korrekte Agenda beenden, die Amerika nicht an erste Stelle stellt."

Obwohl man mit einigem Recht argumentieren kann, dass der syrische Bürgerkrieg eine unmittelbare Folge des von den USA geführten Irak-Krieges ist (zumindest aber eine Folge von Fehlern, die die USA im Irak gemacht haben), ist in den USA die Auffassung verbreitet, dass das Land keine Flüchtlinge aus Syrien aufnehmen sollte.

Donald Trump Senior hat diese Forderung in den Mittelpunkt seines Wahlkampfes gestellt und sogar noch ausgeweitet – er forderte zunächst einen befristeten Einreisestopp für Muslime, später ein Einreiseverbot für alle Menschen aus potenziell gefährlichen Regionen. "Und wir werden Schluss damit machen, dass Zehntausende Menschen aus Syrien kommen", sagte er Ende August unter dem Jubel seiner Anhänger. "Das wird böse enden, Leute, das wird sehr, sehr böse enden." (Zum Vergleich: Selbst die AfD sagt, aus Gründen der Humanität sei es "eine Pflicht, Kriegsflüchtlingen bei uns oder an anderen sicheren Aufenthaltsorten mit Unterkünften und dem notwendigen Lebensunterhalt beizustehen".)

Drei giftige Skittles in anderthalb Schwimmbecken

Der Journalist Philip Bump von der "Washington Post" hat die Analogie von Trump Junior durchgerechnet. Nach Zahlen eines von den radikallibertären Koch-Brüdern finanzierten Think Tanks liegt das jährliche Risiko für einen US-Bürger, in einem Terroranschlag von einem Flüchtling getötet zu werden, bei 1 zu 3,64 Milliarden. Umgerechnet in Skittles, so Bump, wären das drei giftige Skittles in ungefähr anderthalb olympischen Schwimmbecken.

Bump hat seine Kalkulation noch ein bisschen ausgeführt. Er schätzt, dass die Skittles in dem Pool 68,7 Millionen Handvoll wären. "Angenommen, ich brauche eine Minute, um eine Handvoll zu nehmen und zu essen, dann würde ich im Schnitt alle 130 Jahre auf einen vergifteten Skittle stoßen. Ich würde außerdem in jeder Minute den Inhalt einer Packung Skittles zu mir nehmen, also ungefähr 330.000 Kalorien am Tag."

Die Analogie sei aus einem weiteren Grund fehlerhaft: So wie auch die Firma Wrigley's die Skittles kontrolliere, die ihre Fabriken verlassen, so überprüften die US-Behörden die Flüchtlinge, die ins Land kämen – mal ganz abgesehen davon, dass es nicht in Ordnung sei, Flüchtlinge mit Süßigkeiten zu vergleichen.

Hintergrund des Skittle-Tweets ist der Bombenanschlag in New York, der von einem US-Amerikaner afghanischer Herkunft verübt wurde. Trump Senior sagte im Sender Fox News, er rechne mit weiteren Anschlägen. Seiner demokratischen Konkurrentin Hillary Clinton warf er vor, "Hunderttausende" syrische Flüchtlinge ins Land lassen zu wollen.

Wie so oft bei Trump stimmt diese Behauptung nicht. Unter dem Druck der Europäer hat die US-Regierung sich bereit erklärt, in diesem Jahr 10.000 syrische Flüchtlinge aufzunehmen. Diese Zahl wurde Ende August erreicht. Insgesamt haben die USA seit Beginn des Bürgerkriegs in Syrien 12.000 syrische Flüchtlinge ins Land gelassen. Clinton hat vorgeschlagen, weitere 65.000 Flüchtlinge aus Syrien aufzunehmen.

Quelle: n-tv.de

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