Politik
Verliert Trumps Basis das Vertrauen in den Präsidenten? Davor warnt das Rechtsaußen-Portal Breitbart.
Verliert Trumps Basis das Vertrauen in den Präsidenten? Davor warnt das Rechtsaußen-Portal Breitbart.(Foto: REUTERS)
Montag, 18. September 2017

Nach Deal mit den Demokraten: Trump-Wähler verbrennen Trump-Käppis

Von Volker Petersen

Vergangene Woche macht US-Präsident Trump den Demokraten überraschende Zugeständnisse bei der Grenzsicherung. Die Basis ist entsetzt - dass nun selbst Trump-treue Medien Kritik üben, dürfte diesem eine Warnung sein.

Vergangene Woche wirkte US-Präsident Trump richtig glücklich. Aufgeregt wählte er die Nummer eines seiner ärgsten Widersacher - die von Chuck Schumer, dem Vorsitzenden der Demokraten im Senat. "Sehen Sie gerade Fox News?", habe der ihn gefragt, erzählte Schumer der "New York Times". "Ich sagte: 'Nicht wirklich.' 'Sie loben Sie!' Damit meinte er mich. Er sagte, 'Und Ihre Sender' - ich denke, er meinte CNN und MSNBC - 'loben mich. Das ist großartig!"

Diese Freude war Trump vergönnt, weil er erstmals sein Versprechen, ein genialer "Dealmaker" zu sein, einlösen konnte. Allerdings hatte das seinen Preis. Trump machte den Demokraten Zugeständnisse bei der Grenzsicherung und stellte in Aussicht, Kinder von illegalen Einwanderern vielleicht doch nicht abzuschieben. Pikant: Trump verzichtete - vorerst, wie er versicherte - auf eine Finanzierung für den Mauerbau an der Grenze zu Mexiko, seinem Prestigeprojekt Nummer eins. Die Demokraten hatten dies zur Bedingung für die Soforthilfe für die Hurrikan-Opfer in Texas gemacht. Trump lenkte ein und genoss den ungewohnten Beifall seiner Gegner und der liberalen Presse. Doch auf der rechten Seite krachte es. Viele Republikaner waren entsetzt – und offenbar runzelten auch an Trumps Basis viele die Stirn.

Das zeigt sich in einem Artikel, den das rechtslastige Internetportal Breitbart News gebracht hat. Darin wird berichtet, dass mehrere Trump-Fans ihre roten "Make-America-Great-Again"-Kappen verbrannten, sich dabei filmten und die Videos ins Netz stellten. Breitbart sieht darin den Frust über Trumps Zugeständnisse an die Demokraten gegen lediglich "symbolische Verbesserungen bei der Grenzsicherung". Und das, obwohl die Versprechen, die Einwanderung zu stoppen und eine Mauer an der Grenze zu Mexiko zu bauen, die Wahl entschieden habe. Breitbart zeigt mehrere Videos von Nutzern, die ihre roten Mützen verbrennen – es ist aber schwer einzuschätzen, wie groß der Frust bei den Wählern tatsächlich ist.

Warnt Bannon den Präsidenten?

Interessanter ist, dass Breitbart das Thema aufgegriffen hat. Es könnte sich dabei um eine Warnung an den Präsidenten handeln. Bei Breitbart hat seit einigen Wochen wieder Steve Bannon das Sagen, Trumps ehemaliger Wahlkampfguru und späterer "Chef-Stratege", der das Weiße Haus mittlerweile verlassen hat. Angeblich einvernehmlich, wie auch Bannon selbst in der vielbeachteten Interviewsendung "60 Minutes" im Sender CBS beteuerte. Dass die Geschichte mit den Mützenverbrennungen nicht über Bannons Schreibtisch ging, ist kaum vorstellbar. Insofern scheint hier der alte, nationalistische Hardliner Bannon seinen ehemaligen Chef an seine Wahlkampfversprechen erinnern zu wollen.

So gesehen passt ein Tweet des US-Präsidenten ins Bild, mit dem er mal wieder das Empörungsfeuer entzündet hat. Trump retweetete eine Videomontage, die ihn beim Golfabschlag zeigt. Durch den Schnitt wirkt es so, als ob der Ball Hillary Clinton am Rücken trifft und seine Rivalin aus dem Wahlkampf zu Fall bringt. So etwas geht vielen zu weit, so etwas provoziert auch manch einen Republikaner. Doch dafür lässt so etwas Trumps weit nach rechts abgedriftete Anhänger kichern, feixen und jubeln. Versucht hier also der Präsident die Basis zu beschwichtigen? Nach dem Motto: "Seht her, ich bin noch ganz der Alte?" So sieht es zumindest eine Expertin von der George Washington University. "Letzte Woche traf er sich mit Demokraten und viele seiner Wähler von der Basis waren wie vor den Kopf gestoßen", sagte Professorin Nikki Usher der "Washington Post". Der Tweet zeige der Basis, dass sie Trump noch wichtig sei.

Ist damit die Annäherung an die Demokraten also schon wieder Geschichte? Nicht unbedingt. Das könnte wiederum an Chuck Schumer liegen. Viele Zeitungen griffen Trumps  guten Draht zu dem Demokraten-Führer auf, der wie Trump aus New York stammt. Beide sprechen "New York", wie die prominente Demokratin Nancy Pelosi es formulierte. Soll heißen: Beide sind gnadenlos direkt, lassen die Floskeln beiseite und kommen gleich zum Punkt. Trump gefällt das - doch die New-York-Connection ist nur ein Grund für die überparteiliche Zusammenarbeit. Der andere sind die Republikaner selbst – deren rechter Flügel um Tea Party und Freedom Caucus verweigerte bislang jeglichen Kompromiss und ließ Trump etwa bei Abstimmungen um die Abschaffung der Krankenversicherung ins offene Messer laufen. Da liegt es für Trump gar nicht so fern, mal einen Schritt auf die Demokraten zuzumachen.

Trump, dem Dealmaker, dürfte zwar klar sein, dass Kompromisse zu gelungenen Deals dazugehören. Trump, dem Showsüchtigen, dürfte ebenso der Beifall liberaler Medien gefallen haben. Es ist nun also die Frage, wie sehr die Warnschüsse von rechts den Präsidenten beeindrucken. Lassen ihn die Bilder von brennenden Trump-Käppis kalt? Die Botschaft von der Basis ist jedenfalls klar: Die Liebe zu Trump ist nicht bedingungslos – er muss liefern, sonst erkaltet die Leidenschaft für den Milliardär.

Quelle: n-tv.de

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