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Sean Spicer, der Sprecher des Weißen Hauses, sieht nach der Aussage des FBI-Chefs keine neue Lage.
Sean Spicer, der Sprecher des Weißen Hauses, sieht nach der Aussage des FBI-Chefs keine neue Lage.(Foto: REUTERS)

Trotz Aussage des FBI-Chefs: Trump bleibt bei Abhörvorwürfen

FBI-Boss Comey widerspricht Donald Trump öffentlich in einer Anhörung, das Weiße Haus nimmt die Abhörvorwürfe des US-Präsidenten gegen Amtsvorgänger Obama trotzdem nicht zurück. Es handele sich schließlich nur um eine erste Anhörung.

"Ich habe keine Informationen, die die Tweets des Präsidenten unterstützen", sagte FBI-Chef James Comey - und versetzte US-Präsident Donald Trump mit seiner Aussage einen empfindlichen Schlag. Es dauerte allerdings nicht lange, bis die erwartbare Reaktion aus dem Weißen Haus kam. Trumps Sprecher Sean Spicer verkündete, die Aussage von Comey, er habe keine Erkenntnisse, dass Trump durch Amtsvorgänger Barack Obama abgehört wurde, habe nichts an der Lage geändert.

Der FBI-Direktor hatte bei der öffentlichen Kongressanhörung gesagt, seine Behörde habe die Abhörvorwürfe "sorgfältig" geprüft. Doch weder das FBI noch andere Behörden verfügten über Informationen, welche Trumps Twitter-Botschaften von Anfang März stützten.

Trump beschuldigt Obama, dieser habe ihn während des Wahlkampfs im New Yorker Trump Tower abhören lassen. Der Präsident präsentierte dafür jedoch keinerlei Belege. Auch nach der Aussage Comeys hielt er an dem schwerwiegenden Vorwurf fest. Es gebe zu diesem Thema "viele Informationen, die noch diskutiert werden müssen", sagte Präsidentensprecher Spicer. Es handle sich nur um eine erste Anhörung, und es sei noch ein weiter Weg zu gehen.

FBI untersucht Vorwürfe gegen Trump-Team

Wie Comey weiter sagte, untersucht das FBI mögliche Absprachen zwischen dem Trump-Team und der russischen Regierung während des Wahlkampfs. Damit gewinnt die Russland-Affäre eine neue Dimension: Erstmals wurde nun offiziell bestätigt, dass sich die FBI-Untersuchungen zu den mutmaßlichen russischen Hackerangriffen im Wahlkampf auch auf eine eventuelle Verwicklung des Trump-Teams fokussieren.

Comey sagte vor dem Geheimdienstausschuss des Repräsentantenhauses, die Untersuchung zu den Cyberattacken habe Ende Juli begonnen. Sie schließe "die Natur irgendwelcher Verbindungen" zwischen dem Trump-Team und der russischen Regierung ein. Dabei gehe es um die Frage, ob es eine "Koordination" zwischen Trump-Mitarbeitern und Moskau gegeben habe. Untersucht werde auch, ob Straftaten begangen wurden.

Der FBI-Direktor sowie der ebenfalls befragte Chef des Geheimdienstes NSA, Mike Rogers, wollten sich jedoch nicht dazu äußern, ob Belege für Absprachen aufgetaucht sind und welche Trump-Mitarbeiter im Fokus stehen. Comey sagte, der Ausgang der Untersuchung sei "offen". Da diese andauere und als vertraulich eingestuft sei, dürfe er darüber nicht mehr sagen.

Clinton beschädigen, Trump helfen

Hacker hatten während des Wahlkampfs die Parteizentrale der Demokraten sowie das Clinton-Team angegriffen. Dadurch waren für die Demokratin unangenehme Interna ans Licht gekommen.

Comey sagte während seiner Befragung, der russische Staatschef Wladimir Putin habe danach getrachtet, Trumps Rivalin Hillary Clinton zu schaden und den Republikaner zu begünstigen. Putin habe Clinton so sehr "gehasst", dass er eine "klare Präferenz" für ihren Kontrahenten gehabt habe. Die Russen "wollten unsere Demokratie beschädigen, sie (Clinton) beschädigen, ihm (Trump) helfen", sagte der FBI-Chef.

Trump selbst hatte bereits kurz vor der Anhörung solche Absprachen erneut wütend dementiert. Es handele sich um eine "Falschnachricht", welche die Demokraten als "Ausrede" für ihren "schrecklichen Wahlkampf" in die Welt gesetzt hätten, schrieb er bei Twitter.

Die Russland-Affäre hatte die Trump-Regierung bereits kurz nach Amtsantritt in schwere Turbulenzen gestürzt. So musste der Nationale Sicherheitsberater Michael Flynn zurücktreten, weil herausgekommen war, dass er über seine Telefonate mit dem russischen Botschafter die Unwahrheit gesagt hatte.

Eine neue Umfrage deutet darauf hin, dass die Zustimmung für den Präsidenten in der US-Bevölkerung aktuell weiter sinkt.

Quelle: n-tv.de

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