Politik

"Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte": Trump hat ein Problem mit Frauen

Von Hubertus Volmer

Der republikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump nennt Frauen schon mal "fettes Schwein" oder schreibt ihnen, sie hätten ein "Gesicht wie ein Hund". Bislang haben solche Sprüche ihm nicht geschadet. Das könnte sich ändern.

Es ist schon ein paar Monate her, da glaubten Medien und Mitbewerber noch, Donald Trump werde im Vorwahlkampf der Republikanischen Partei in den USA an sich selbst scheitern - an seiner Selbstverliebtheit und an seinen Sprüchen. "Donald, du wirst die Präsidentschaft nicht durch Beleidigungen erreichen", sagte Jeb Bush in einer TV-Debatte im Dezember. Doch genau das scheint Trumps Plan zu sein - und bisher ging er auf.

Es könnte allerdings sein, dass Trump mit seinen Beleidigungen eine wichtige Wählergruppe zunehmend abstößt: Frauen. In einem schmutzigen Kleinkrieg mit seinem wichtigsten Konkurrenten Ted Cruz twitterte der Milliardär ein Bild, das die Frauen der beiden Präsidentschaftsbewerber zeigt - Melania Trump mit laszivem Schlafzimmerblick, Heidi Cruz als grässliche Furie. Dazu der Satz: "Ein Bild sagt mehr als tausend Worte." Es war zwar nur ein Retweet, aber Trump machte sich das Bild zu eigen, indem er nicht einfach auf "Retweeten" klickte, sondern den Tweet zitierte.

Auslöser für den Streit mit Cruz war ein anderes Foto, das vor der Vorwahl in Utah auf Facebook gepostet worden war. Dieses Bild zeigt Melania Trump, wie sie sich nackt und in Handschellen auf einem Pelz räkelt. Darauf heißt es: "Gestatten: Melania Trump, Ihre nächste First Lady. Oder Sie könnten am Dienstag Ted Cruz unterstützen."

"Lass Heidi in Ruhe"

Das Foto entstand vor 15 Jahren und erschien damals in der Zeitschrift "GQ". Trump wirft Cruz vor, für die Verwendung des Bildes im Wahlkampf verantwortlich zu sein, was dieser bestreitet. Tatsächlich handelt es sich um Anti-Trump-Werbung, die auf einen Super-Pac zurückgeht, der keine Kontakte zu Cruz unterhält. Super-Pacs sind Organisationen, die Kandidaten unterstützen oder auch verhindern wollen. Sie sind verantwortlich für den schmutzigen Teil von Wahlkämpfen in den USA.

Trump hat den Streit also nicht angefangen, eskaliert ihn aber nach Kräften. Cruz dagegen nutzte die Gelegenheit, sich als Kandidat der Mäßigung zu präsentieren. Ehepartner und Kinder sollten im Wahlkampf tabu sein, sagte Cruz am Rande eines Auftritts in Wisconsin. "Es ist nicht in Ordnung, dass ein großer, lauter Rüpel aus New York meine Frau angreift. Es ist nicht in Ordnung, dass er Leute beleidigt und böse Tweets verschickt." An Trump gewandt sagte Cruz: "Donald, du bist ein jammernder Feigling. Lass verdammt noch mal Heidi in Ruhe."

In einem Tweet hatte Trump angedeutet, er habe Informationen über Heidi Cruz, die er preisgeben könne. "Sei vorsichtig, Lügen-Ted, oder ich erzähle mal ein bisschen was über deine Frau."

"She got schlonged"

Trump hat schon viele frauenfeindliche Bemerkungen gemacht, nicht nur in diesem Wahlkampf. "Er hat seit 30 Jahren ein Muster dieser Art von Sexismus und von Angriffen gegen Frauen, wenn es nicht nach seinen Vorstellungen läuft", sagte die republikanische CNN-Kommentatorin Tara Setmayer. "Wir werden es schwer haben, so etwas zu rechtfertigen, wenn er, was Gott verhüten möge, unser Präsidentschaftskandidat wird."

Ohnehin unterstellen die Demokraten den Republikanern, einen "war on women" zu führen, einen Krieg gegen Frauen. Trump-Zitate, mit denen man diese Behauptung belegen könnte, gibt es zuhauf. Die Schauspielerin Rosie O'Donnell nannte er einmal ein "fettes Schwein". Einer Journalistin der "New York Times" schrieb er, sie habe ein "Gesicht wie ein Hund". Über die republikanische Präsidentschaftsbewerberin Carly Fiorina sagte er: "Schauen Sie sich das Gesicht an! Würde das irgendjemand wählen?" Über Hillary Clintons Niederlage gegen Barack Obama in den Vorwahlen von 2008 sagte Trump, "she got schlonged" – das Substantiv "schlong" kommt aus dem Jiddischen und könnte mit "Schniedel" übersetzt werden. Der Fox-News-Moderatorin Megyn Kelly warf er indirekt vor, sie habe ihm nur deshalb so kritische Fragen gestellt, weil sie ihre Tage gehabt habe. Das war im vergangenen Sommer – seither hat er Kelly mehrfach via Twitter beleidigt. Erst vor wenigen Tagen nannte er sie "verrückt". Diese und viele andere Zitate sammeln die Demokraten schon jetzt für den eigentlichen Wahlkampf, der ja noch gar nicht begonnen hat. Das wahrscheinlichste Szenario für die Wahl im November ist Clinton gegen Trump – Frau gegen Frauenfeind.

Doch schon jetzt hat Trump ein Problem mit Frauen: In den Vorwahlen der Republikaner haben 41 Prozent der männlichen Wähler für Trump gestimmt, aber nur 34 Prozent der Wählerinnen. "Ich mache mir Sorgen, wenn junge Frauen glauben, der Bannerträger der Republikanischen Partei halte Megyn Kelly für eine Tussi", sagte der republikanische Senator Lindsey Graham dem Sender MSNBC.

Im Januar sagte Trump, er könne mitten auf der Fifth Avenue in New York stehen und jemanden erschießen, "und ich würde keine Wähler verlieren". Bislang sah es tatsächlich danach aus. Aber Trump sagt auch ständig, er liege in allen Umfragen vor Hillary Clinton. Das ist, wie vieles, das Trump von sich gibt, frei erfunden. Seit Beginn der Vorwahlen wurden 29 Erhebungen durchgeführt, in denen Trump gegen Clinton abgefragt wurde. In einer einzigen lag Trump vorn.

Auf der anderen Seite: Trump hat schon für viele Überraschungen gesorgt - warum nicht auch im November?

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Quelle: n-tv.de

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