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Überflieger: Eine kalifornische Werbefirma ließ am Donnerstag Trump und Clinton in die Luft gehen.
Überflieger: Eine kalifornische Werbefirma ließ am Donnerstag Trump und Clinton in die Luft gehen.(Foto: REUTERS)
Freitag, 16. September 2016

Wahlsieg führt über Ohio: Trump legt in Umfragen deutlich zu

Von Hubertus Volmer

Die Wahrscheinlichkeit, dass der Republikaner Donald Trump die Wahl im November gewinnt, ist deutlich gestiegen. Vor allem aus Ohio kommen schlechte Nachrichten für Hillary Clinton.

Die Präsidentschaftswahl in den USA ist in 53 Tagen, für belastbare Vorhersagen ist es also noch immer zu früh. Und weiterhin gilt, dass ein Wahlsieg der Demokratin Hillary Clinton wahrscheinlicher ist als einer ihres republikanischen Mitbewerbers Donald Trump. Aber: Trump hat derzeit einen Lauf.

Der Webseite RealClearPolitics zufolge, die eine Vielzahl von Umfragen auswertet und daraus einen Durchschnittswert ermittelt, holt Trump geradezu rasant auf. Demnach hat sich Clintons Vorsprung auf 1,5 Prozentpunkte verringert – vor zehn Tagen war es noch mehr als doppelt so viel. Einzelne Erhebungen sehen den Milliardär bereits vor der früheren Außenministerin.

So könnte Trump siegen

Ein denkbares Szenario ist laut Fivethirtyeight, dass Trump landesweit weniger Stimmen bekommt und die Wahl trotzdem gewinnt – denn Präsident wird ja bekanntlich nicht, wer die meisten Wähler überzeugt, sondern wer die Mehrheit im "electoral college", dem Gremium der Wahlmänner und -frauen, gewinnt. In der Geschichte der USA ist das erst vier Mal passiert, zuletzt im Jahr 2000, als George W. Bush Präsident wurde.

Mit einer ausgeklügelten Berechnungsmethode zeichnen die Experten des Statistik-Blogs Fivethirthyeight einen ganz ähnlichen Trend nach. Sie ermitteln die Wahrscheinlichkeit, mit der entweder Clinton oder Trump im Januar ins Weiße Haus einzieht. Derzeit hat Clinton eine Gewinnchance von 60,3 Prozent, Trump liegt bei 39,7 Prozent. Aber auch hier läuft der Trend eindeutig gegen Clinton.

"Clintons Unterstützung bricht langsam ein", zitiert die Nachrichtenseite Politico einen namentlich nicht genannten Republikaner aus New Hampshire. Politico ermittelt regelmäßig in anonymen Umfragen unter republikanischen "Insidern" aus besonders umkämpften Staaten, wie die Stimmung in der Partei ist. Zum ersten Mal sagt eine Mehrheit der Befragten, dass sie an einen Wahlsieg in ihrem Bundesstaat glaubt.

Wenn Trump Ohio gewinnt, ist er so gut wie im Weißen Haus

Die möglicherweise kippende Stimmung kann auf zwei Gründe zurückgeführt werden. Erstens auf Clintons Bemerkung, die Hälfte der Trump-Anhänger sei "rassistisch, sexistisch, schwulenfeindlich, ausländerfeindlich und islamfeindlich" (später zog sie diese Bemerkung als "grob verallgemeinernd" zurück). Zweitens darauf, dass Clinton eine Lungenentzündung verheimlichte. Die negativen Folgen für ihren Wahlkampf dürften weniger darin liegen, dass die US-Bürger jetzt denken, sie sei zu krank, um Präsidentin zu werden. Vielmehr hat Clinton mit ihrer Heimlichtuerei das Vorurteil bestätigt, sie arbeite am liebsten intransparent und nach eigenen Regeln.

Eine schlechte Nachricht für Clinton war, dass die Umfragen für den Bundesstaat Ohio vor wenigen Tagen zu Trumps Gunsten gekippt sind. Ohio hat im 538-köpfigen Wahlmänner-Gremium zwar nur 18 Stimmen, gilt jedoch als wichtig: Es ist einer von ungefähr einem Dutzend "Swing States", die am Ende über den Ausgang der Wahl entscheiden, weil in den anderen Bundesstaaten bei Präsidentschaftswahlen ohnehin immer dieselbe Partei gewinnt.

Zudem hat noch kein Republikaner seit Abraham Lincoln die Präsidentschaft gewonnen, ohne in Ohio gesiegt zu haben. Gleichzeitig ist Ohio der Bundesstaat, der sich am häufigsten für den landesweiten Wahlsieger entschieden hat: In den 38 Präsidentschaftswahlen seit 1860 stimmte Ohio 34 Mal für den späteren Präsidenten. Entsprechend viel Aufmerksamkeit erhielt eine am Mittwoch veröffentlichte Bloomberg-Umfrage, die Trump in Ohio 48 und Clinton 43 Prozent gibt.

Trumps Umfrage-Erfolg in Ohio wirkt noch spektakulärer, wenn man bedenkt, dass er dort im Gegensatz zu Clinton keinen großen Wahlkampfstab hat. Anfang September unterhielt Trump in Ohio 16 Wahlkampfbüros, Clinton 54. Trump überlässt einen Großteil seines lokalen Wahlkampfes der Republikanischen Partei. Aber der Gouverneur von Ohio, John Kasich, der bei den Vorwahlen ebenfalls angetreten war, ist ein moderater Republikaner, der Trump bis heute seine Unterstützung verweigert.

Clinton kann sich mit zwei Dingen trösten. Zum einen liegt sie in den meisten Umfragen ja noch immer vor Trump. Zum anderen kann sie auf ihr besseres Wahlkampfteam in Ohio hoffen, das dafür sorgen wird, dass möglichst viele Anhänger der Demokraten auch tatsächlich zur Wahl gehen. Diese Mobilisierung potenzieller Wähler in Swing States kann wahlentscheidend sein. "Die Umfragen werden ganz bestimmt enger", sagte ein Republikaner aus Ohio in der Politico-Umfrage, "aber die harte Arbeit vor Ort wird Clinton wohl den Sieg bringen".

Quelle: n-tv.de

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