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Sechste TV-Debatte der Republikaner: Trump und Cruz streiten sich über Herkunft

Bei der sechsten TV-Debatte der Republikaner treten sieben Kandidaten auf, die sich darin überbieten, die USA als Land am Abgrund zu porträtieren. Trump und Cruz geraten über ihre jeweilige Herkunft in die Haare.

Sieben Kandidaten auf einem Podium, doch die Augen richten sich vor allem auf zwei: Bei der sechsten TV-Debatte der Republikaner in North Charleston (South Carolina) haben sich Donald Trump und Ted Cruz wieder einmal in den Vordergrund gespielt. Trump versuchte, den Senator aus Texas an seinem wunden Punkt zu packen: seiner Herkunft. Cruz' Vater ist Kubaner, seine Mutter US-Amerikanerin. Geboren wurde er in Kanada. Manche bezweifeln daher, ob er als "im Ausland geborener Bürger" überhaupt Präsident werden darf.

Cruz erklärte, dass die US-Gesetze in dieser Sache klar seien: "Das im Ausland geborene Kind eines US-Bürgers ist von Geburt an US-Staatsbürger." Trump entgegnete, dass mehrere Verfassungsrechtler anderer Ansicht seien. Sollte Cruz die Nominierung der Republikaner gewinnen, würden die Demokraten umgehend eine Klage anstrengen. "Über deinem Kopf schwebt ein großes Fragezeichen", sagte er. "Das kannst du der Partei nicht zumuten."

Cruz versuchte dies zu kontern, indem er Trump vorwarf, für "New Yorker Werte" zu stehen. "Ich glaube, die meisten wissen genau, was die Werte New Yorks sind", sagte er. "Es geht nur um Geld und Medien." Das sei sehr beleidigend, befand Trump, und erntete Applaus, als er darauf verwies, wie die Stadt die Anschläge vom 11. September 2001 verarbeitet hätte. Beide scherzten aber auch zwischenzeitlich miteinander, etwa als sie meinten, sie könnten sich ja gegenseitig als Vizepräsident nominieren.

Trump und Cruz liegen in Umfragen vorn. Gut zwei Wochen vor der ersten Vorwahl im Bundesstaat Iowa hat Trump einer neuen Umfrage zufolge seinen Vorsprung vor der parteiinternen Konkurrenz ausgebaut. Einer landesweiten Erhebung des "Wall Street Journal" und des Fernsehsenders NBC zufolge führt der Milliardär das Bewerberfeld mit 33 Prozent Zustimmung an - 13 Prozentpunkte vor dem zweitplatzierten Cruz. Laut "Washington Post" lag es bislang im gemeinsamen Interesse der beiden, sich nicht gegenseitig zu attackieren. Damit sei es nun vorbei, heißt es in einem Bericht der Zeitung. 

Heftige Kritik an Obama

Die anderen Teilnehmer, US-Senator Marco Rubio, John Kasich (Gouverneur von Ohio), Jeb Bush, Chris Christie (Gouverneur von New Jersey) und der Neurochirurg Ben Carson  versuchten sich erwartungsgemäß darin zu überbieten, Amtsinhaber Barack Obama zu kritisieren. Zum Beispiel für seinen Umgang mit der Mini-Krise mit dem Iran, der zehn US-Marinesoldaten festgenommen hat, weil sie mit Patrouillenbooten in iranische Gewässer geraten waren. "Wenn ich als Präsident gewählt werde, wird kein Soldat und keine Soldatin von keiner Nation (...) auf die Knie gezwungen", sagte der Senator Ted Cruz. Diese Länder würden "die ganze Macht und den ganzen Zorn" der USA spüren.

Der Gouverneur von New Jersey, Chris Christie, warf Obama bei der Debatte in North Charleston vor, das Militär so geschwächt zu haben, dass "sich unbedeutende Diktatoren wie die Mullahs im Iran unsere Marineschiffe greifen".

Die Marinesoldaten - neun Männer und eine Frau - wurden allerdings bereits am Mittwoch nach einer Entschuldigung wieder freigelassen. Der Senator Marco Rubio warnte derweil mit Blick auf das Atomabkommen mit Teheran, dass die demokratische Präsidentschaftsbewerberin Hillary Clinton für die gleiche Außenpolitik wie Obama stehe, bei der "Deals mit unseren Feinden wie dem Iran" gemacht würden.

Einwanderungsreform oder nicht?

Weitere Themen waren Einwanderung und das umstrittene Recht auf Waffenbesitz. Trump bekräftigte, dass er dazu stehe, Muslimen die Einreise in die USA zu verbieten. Der Ex-Senator von Florida, Jeb Bush, forderte ihn auf, das zu überdenken. Trump entgegnete: "Ich will Sicherheit für dieses Land, okay?". Bush warf ihm vor, damit muslimische Verbündete im Ausland vor den Kopf zu stoßen.

Nach Einschätzung der "New York Times" war es die düsterste Debatte des bisherigen Wahlkampfes. Die Republikaner hätten ein trostloses Bild der USA gezeichnet, das sich im wirtschaftlichen Niedergang befinde - trotz rasant sinkender Arbeitslosigkeit.

Die Vorwahlen in allen 50 Bundesstaaten ziehen sich bis in den Frühsommer hin, ihre Kandidaten küren Republikaner und Demokraten dann offiziell bei den Nominierungsparteitagen im Juli. Die US-Präsidentschaftswahl wird am 8. November abgehalten. Obama darf nach zwei Amtszeiten nicht mehr antreten. Bei seinen Demokraten gilt Clinton als große Favoritin.

Quelle: n-tv.de

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