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Die verwüstete Innenstadt von Baga nach dem Angriff der Boko Haram.
Die verwüstete Innenstadt von Baga nach dem Angriff der Boko Haram.(Foto: AP)

Nach Blutbad in Baga: Tschad sendet Truppen gegen Boko Haram

Nach dem verheerenden Angriff der Terrormiliz Boko Haram auf die Stadt Baga beteiligt sich nach Kamerun nun auch der Tschad am Kampf gegen die Islamisten. Auch noch weitere Nationen erwägen, sich zu beteiligen

Nach dem Blutbad der Boko-Haram-Extremisten im nigerianischen Baga hat der Nachbarstaat Tschad Truppen in Richtung der Stadt in Bewegung gesetzt. Dutzende Panzer bewegten sich am Freitag aus der Hauptstadt N'Djamena in Richtung Grenze. Der tschadische Präsident Idriss Déby kündigte an, Baga aus der Hand der Islamisten zurückerobern zu wollen.

Auch die Länder Westafrikas erwägen den Aufbau einer multinationalen Eingreiftruppe. Die in der Ecowas-Gruppe zusammengeschlossenen Staaten benötigten dazu aber ein Mandat der Afrikanischen Union, sagte Ghanas Präsident John Mahama. "Nigeria geht militärisch vor, und Kamerun kämpft gegen Boko Haram. Ich denke aber, dass wir immer mehr an den Punkt gelangen, an dem über eine multinationale Streitkraft nachgedacht werden muss", sagte Mahama.

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Baga liegt auf nigerianischer Seite des Tschad-Sees. Kämpfer von Boko Haram hatten sie am 3. Januar überrannt, zahllose Menschen getötet und hunderte Mädchen und Frauen als Geiseln genommen. "Sie hielten zunächst mehr als 500 Frauen und hunderte Kinder in einem Internat gefangen", sagte die etwa 40-jährige Kaltuma Wari, die schließlich freigelassen worden war. Etwa hundert Frauen hätten schließlich gehen dürfen. "Ihr Augenmerk galt den jungen Mädchen. Sie wurden überwacht und sogar auf die Toilette begleitet", sagte Wari am Telefon aus Maiduguri, wo sie Zuflucht fand.

Während der Kämpfe hatte sie sich mit ihren drei jüngsten von neun Kindern in ihrem Haus versteckt. Nach Stunden wagte sie sich raus und traf auf eine Gruppe Bewaffneter. "Sie sagten mir, ich solle meine Zeit nicht mit der Suche nach Überlebenden verschwenden, sie hätten alle getötet." Viele Häuser seien niedergebrannt worden, viele Tote würden in den Straßen verwesen. Außer den Extremisten und ihren Gefangenen gebe es niemanden mehr in Baga.

13.000 Tote in dem Konflikt

Laut der Menschenrechtsorganisation Amnesty International war der Angriff auf die Stadt der bislang "größte und zerstörerischste", den Boko Haram seit der Gründung der extremistischen Miliz vor sechs Jahren verübte. US-Außenminister John Kerry und Frankreichs Staatspräsident François Hollande warfen der Organisation deswegen "Verbrechen gegen die Menschlichkeit" vor.

Das tschadische Parlament beschloss am Freitag einstimmig, zum Kampf gegen Boko Haram Soldaten nach Kamerun und Nigeria zu entsenden. Der Tschad verfügt über schlagkräftige Streitkräfte. Präsident Déby sagte, die Befreiung von Baga sei lebensnotwendig, um den Handel und die Sicherheit für die Menschen wieder herzustellen. Baga und die Umgebung seien "das ökonomische Epizentrum".

Ein AFP-Reporter beobachtete, wie die Panzer mit tschadischer Flagge zunächst den Fluss Schari überquerten, um zunächst die Grenze zu Kamerun zu passieren und dann Richtung Nigeria weiterzufahren. Im Norden Nigerias kämpft Boko Haram seit 2009 für die Errichtung eines islamischen Gottesstaats. Die Region hat Grenzen zum Tschad, zu Kamerun und zu Niger. Im Zuge des Konflikts wurden bereits mehr als 13.000 Menschen getötet und 1,5 Millionen weitere vertrieben. Zuletzt hatte die Miliz ihre Angriffe auch auf den äußersten Norden Kameruns ausgeweitet.

Der Tschad blieb bislang verschont. Seine Hauptstadt N'Djamena ist allerdings nur durch einen schmalen Landstreifen, der zu Kamerun gehört, vom Norden Nigerias getrennt.

Quelle: n-tv.de

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