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Ein türkischer F-16-Kampfjet.
Ein türkischer F-16-Kampfjet.(Foto: REUTERS)

Moskau: Flugzeug in Syriens Luftraum: Türkei entdeckt Jet-Piloten

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Die Piloten des abgeschossenen türkischen Kampfjets sind gefunden. Sie werden nun vom Boden des Mittelmeers geborgen, teilt die türkische Armee mit. Sie betont, dass der Abschuss in internationalem Luftraum erfolgte. Dem widerspricht Moskau: Die Jets hätten mehrfach den Luftraum Syriens verletzt. Assad greift derweil den türkischen Premier Erdogan scharf an.

Die Leichen der beiden durch Syrien Syrer schossen Kampfjet ab sind entdeckt worden. Die Toten seien am Boden des Mittelmeeres lokalisiert worden, derzeit liefen die Bergungsarbeiten, teilte die türkische Armee mit. Der Abschuss des Jets durch Syrien vor knapp zwei Wochen hatte die Spannungen zwischen Ankara und Damaskus weiter verschärft.

Assad macht dem türkischen Premier Erdogan schwere Vorwürfe.
Assad macht dem türkischen Premier Erdogan schwere Vorwürfe.(Foto: dpa)

Die Militärführung bekräftigte zudem die türkische Version des Vorgangs, wonach der Abschuss im internationalen Luftraum erfolgte, machte aber keine genauen Angaben zum Fundort der Leichen.

Syriens Staatschef Baschar al-Assad Assad bedauert Abschuss . Die Maschine sei in einem "Luftkorridor" unterwegs gewesen, "der in der Vergangenheit drei Mal von der israelischen Luftwaffe genutzt" worden sei, sagte Assad der türkischen Zeitung "Cumhüriyet". Die Maschine sei sehr tief geflogen, und die syrische Armee habe den Jet für eine israelische Maschine gehalten. Er bedauere diesen Vorfall "zu 100 Prozent".

Syrischen Luftraum verletzt?

Nach russischen Angaben drang das türkische Kampfflugzeug jedoch zweimal in den syrischen Luftraum ein, bevor es abgeschossen wurde. "Die Aktionen des türkischen Flugzeugs waren eindeutig eine Provokation", zitierte die Agentur Interfax russische Verteidigungskreise. Die Piloten der F4-Phantom hätten die Kampfbereitschaft der syrischen Luftabwehr testen und die Stärke des Küstenschutzes ausspionieren wollen. Außenminister Sergej Lawrow hatte vor kurzem angekündigt, Russland verfüge über "objektive" Daten des Fluges. Russland lässt Assad nicht fallen

Kämpfer der Freien Syrischen Armee posieren in Idlib vor einem zerstörten Panzer der Regierungstruppen.
Kämpfer der Freien Syrischen Armee posieren in Idlib vor einem zerstörten Panzer der Regierungstruppen.(Foto: REUTERS)

Assad erhob zudem schwere Vorwürfe gegen den türkischen Regierungschef Tayyip Erdogan. Mit der Einmischung in den Konflikt in seinem Land sei die Türkei zum Beteiligten an dem Blutvergießen geworden, sagte Assad "Cumhuriyet". "Die Türkei hat den Terroristen alle Arten logistischer Unterstützung gewährt, um unser Volk zu töten." Erdogans Haltung sei heuchlerisch, so Assad. Zwar dränge der türkische Regierungschef Syrien zu politischen Reformen, zugleich ignoriere er aber die Gewalt und die demokratischen Defizite in den arabischen Golfstaaten.

Erdogans Politik sei religiös motiviert, sagte Assad weiter. Die Türkei ist ein mehrheitlich sunnitisches Land, ebenso wie die Rebellen in Syrien. Dagegen gehört Assad und die Führung des Landes der den Schiiten verwandten alawitischen Minderheit an. Bis vor kurzem unterhielt die Türkei enge Beziehungen zu seinem südlichen Nachbarn. Erdogan bezeichnete Assad einmal sogar als "meinen Bruder". Da Syrien nach Ausbruch des Aufstandes gegen Assad im Frühjahr 2011 türkische Forderungen nach Zurückhaltung bei der Niederschlagung der Proteste ignorierte, kam es zum Bruch.

Moskau verneint Asylangebot

Russland schloss unterdessen Verhandlungen mit den USA über die Zukunft Assads weiterhin aus. "Wir diskutieren mit den USA nicht über die Zukunft Assads", erklärte der stellvertretende russische Außenminister Sergej Riabkow laut der Nachrichtenagentur Interfax. "Wir haben unsere Position bereits mehrfach verdeutlicht: Darüber, wer in Syrien an der Macht ist, muss das syrische Volk entscheiden", fügte er hinzu. "Von außen vorgeschlagene - oder vielmehr auferlegte - Pläne können nur verletzend sein."

Die syrische Opposition zeigte sich bei ihrem Treffen äußerst zerstritten.
Die syrische Opposition zeigte sich bei ihrem Treffen äußerst zerstritten.(Foto: AP)

Zuvor hatte die russische Zeitung "Kommersant" berichtet, dass der Westen Moskau offenbar davon überzeugen wolle, Assad politisches Asyl zu gewähren. In Moskau selbst gebe es derzeit keinen eigenen Plan für eine Aufnahme Assads, schrieb das Blatt unter Berufung auf russische Diplomatenkreise. Ein russischer Diplomat sprach von "aktiven Bestrebungen" des Westens, allen voran der USA. Ein westlicher Diplomat wollte die Informationen der Zeitung weder bestätigen noch dementieren. Nach Ansicht von Experten könnte Russland damit eine konstruktive Rolle bei der Lösung des blutigen Konflikts spielen und seinen Einfluss in dem arabischen Land aufrechterhalten. Russland unterstützt die Forderung nach einer Übergangsregierung in Syrien, lehnt aber einen Rücktritt des Staatschefs als Voraussetzung ab.

Nach Angaben der Opposition wechselte derweil ein weiterer General die Seiten. Der Kommandeur einer Pionierdivision habe sich in die Türkei abgesetzt, teilte die Freie Syrische Armee (FSA) mit. Damit haben bisher 16 hohe Offiziere Assad die Gefolgschaft aufgekündigt. Die Türkei gewährt etwa 250 Offizieren aus Syrien Asyl, die zur FSA übergelaufen sind.

Opposition tief zerstritten

Die zersplitterte syrische Opposition schaffte es unterdessen nicht, ihre Differenzen zu überwinden. Eine Konferenz unter Schirmherrschaft der Arabischen Liga endete ohne ein für alle Teilnehmer akzeptables Ergebnis. Angaben von Delegierten einigten sich die mehr als 200 Oppositionellen lediglich auf den Sturz des Regimes von Assad als gemeinsames Ziel.

Als sich die Vertreter des Nationalen Rates der Kurden von der Konferenz zurückzogen, Treffen endet in wüster Prügelei . Vor den Kameras der arabischen TV-Sender schrien sich die Delegierten an. Um die Rechte der kurdischen Minderheit und die Frage, ob Syrien künftig eine dezentrale Verwaltung haben soll, hatten zuvor Oppositionelle bis tief in die Nacht gestritten. Auch die Form einer möglichen ausländischen Militärintervention und die Frage, ob Syrien künftig ein säkularer Staat sein solle, blieben umstritten.

Die Muslimbruderschaft teilte mit, sie habe Vorbehalte gegen mehrere Punkte des Nationalen Pakts, der an die Konferenzteilnehmer zu Beginn der zweitägigen Veranstaltung als Entwurf verteilt worden war. Vielleicht wäre es besser, für eine Übergangszeit zur syrischen Verfassung von 1950 zurückzukehren. Mehrere Konferenzen der Opposition in den vergangenen Monaten waren mit ähnlich mageren Ergebnissen zu Ende gegangen.

Quelle: n-tv.de

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