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Ankara: 200 Dschihadisten getötet: Türkei greift IS-Stellungen an

Nach dem Anschlag in der türkischen Metropole Istanbul geht die Türkei zum Gegenangriff über. 48 Stunden lang beschießt das Militär Stellungen der Terrormiliz IS im Irak und Syrien.

Nach dem tödlichen Anschlag in Istanbul hat die türkische Armee nach offiziellen Angaben hunderte Stellungen der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) angegriffen. Mit Panzern und Artilleriegeschützen seien nach dem "feigen Attentat von Istanbul", bei dem zehn Deutsche getötet worden waren, "fast 500" IS-Stellungen im Irak und in Syrien unter Feuer genommen worden, sagte Regierungschef Ahmed Davutoglu in Ankara. Dabei seien etwa 200 IS-Kämpfer getötet worden. Die Artillerie-Angriffe seien in den letzten 48 Stunden in den Grenzregionen erfolgt.

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Nach Angaben der türkischen Behörden hatte sich am Dienstag ein 28-jähriger Syrer im Herzen von Istanbuls Altstadt vor einer deutschen Reisegruppe in die Luft gesprengt und zehn Bundesbürger mit in den Tod gerissen. Sieben weitere Deutsche wurden verletzt. Der Attentäter war nach türkischen Angaben Anhänger des IS. Für die deutschen Sicherheitsbehörden steht eine Verantwortung der IS-Miliz bislang noch nicht eindeutig fest.

Anschlag im Südosten

Unterdessen ist das Land erneut von einem schweren Anschlag erschüttert worden. Im Südosten des Landes wurden nach amtlichen Angaben sechs Menschen bei der Detonation einer Autobombe vor einer Polizeiwache getötet. 39 weitere wurden verletzt.

Für den Angriff in der Nacht zum Donnerstag in Cinar nahe Diyarbakir machten die Behörden die verbotene Kurdische Arbeiterpartei PKK verantwortlich. Die Wucht der Explosion brachte die Fassade der Polizeiwache zum Einsturz und ließ in weitem Umkreis Fensterscheiben bersten. Die umliegenden Straßen seien mit Trümmern übersäht, berichtete ein Reuters-Reporter. Bei dem Angriff sind den Angaben zufolge 1,5 Tonnen Sprengstoff eingesetzt worden. Die Autobombe sei am Eingang der Unterkunft hinter der Polizeistation detoniert.

Davutoglu verurteilte den Anschlag und erklärte, seine Regierung werde weiter "jede Art von Terror" bekämpfen. Zu dem Angriff bekannte sich zunächst niemand. Davutoglu zufolge war unter den Toten ein fünf Monate altes Baby. Aus Sicherheitskreisen verlautete, auch ein einjähriges und ein fünfjähriges Kind seien umgekommen. Unter den Toten und Verletzten seien zudem Angehörige von Polizisten aus einer benachbarten Unterkunft für Familien der Beamten.

In einer Erklärung der Behörden hieß es, zeitgleich mit dem Anschlag habe eine Gruppe von PKK-Kämpfern einen nahe gelegenen Sicherheitskomplex beschossen. Berichte über Verletzte bei dem anschließenden Feuergefecht gebe es nicht.

Im Bezirk Nusaybin der südosttürkischen Provinz Mardin kam es zu einem weiteren Anschlag. Ein 42-jähriger Mann sei am Donnerstag durch einen von der PKK gelegten Sprengsatz getötet worden, berichtete DHA. Die Bombe habe einer Polizeipatrouille gegolten. Die Polizisten seien unverletzt.

Damit kämpfen die türkischen Sicherheitskräfte an zwei Fronten: Seit Ende des Waffenstillstandes zwischen der Regierung in Ankara und der verbotenen PKK im Juli werden der Kurdenorganisation mehrere Anschläge in türkischen Städten zugeschrieben. In dem seit 1984 anhaltenden Konflikt sind mehr als 40.000 Menschen getötet worden.

Quelle: n-tv.de

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