Politik
Der türkische Präsident fürchtet, dass die Unabhängigkeitsbestrebungen auf die Kurden in der Türkei übergreifen könnten.
Der türkische Präsident fürchtet, dass die Unabhängigkeitsbestrebungen auf die Kurden in der Türkei übergreifen könnten.(Foto: dpa)
Donnerstag, 05. Oktober 2017

Erdogan droht den Kurden: Türkei schließt Grenze zum Nordirak

Nach ihrem umstrittenen Unabhängigkeitsreferendum finden sich die Kurden im Irak zunehmend isoliert wieder. Rigoros will die Türkei sie von der Außenwelt abgrenzen. Der irakische Regierungschef äußert dagegen Verständnis für die Autonomiebemühungen.

Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hat die Schließung der irakischen Grenzen angekündigt. Dies werde bald geschehen, ebenso wie eine Sperrung des Luftraums, sagte Erdogan bei einem Auftritt in Ankara. Zuvor hatte er als Reaktion auf das Unabhängigkeitsreferendum der Kurden im Nordirak bereits mit einem Ende ihres Ölexports über sein Land und mit einer Militärintervention gedroht.

Der Luftverkehr in die kurdischen Autonomiegebiete ist bereits jetzt eingeschränkt. Zahlreiche Fluggesellschaften, darunter Turkish Airlines, hatten nach dem Referendum ihre Flüge in die Region eingestellt. Sie reagierten damit auf eine Anweisung der irakischen Luftfahrtbehörde. Die Türkei nahm zudem drei nordirakische Fernsehsender aus dem Angebot des Satellitenanbieters Türksat.

Bei der Volksbefragung am 25. September hatten fast 93 Prozent der Wähler für eine Abspaltung des Kurdengebietes vom Irak gestimmt. Die Abstimmung war allerdings nicht bindend, die türkische Führung hatte sie mehrfach als nicht legitim bezeichnet. Sie fürchtet Auswirkungen auf die Autonomiebestrebungen der Kurden in ihrem Land, ebenso wie der Iran.

Macron will vermitteln

Der irakische Regierungschef Haider al-Abadi äußerte dagegen bei einem Besuch in Paris Verständnis für die Kurden. "Wie respektieren die Bestrebungen aller Bürger, einschließlich der Kurden, (...) aber wir müssen zusammenarbeiten. Wir sind ein Land." An der Souveränität des irakischen Staates dürfe jedoch nicht gerüttelt werden.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron bot bei dem Treffen an, dass sein Land in dem Konflikt zwischen der irakischen Regierung und den Kurden eine Vermittlerrolle übernehmen könne. Frankreich sei bereit, zu einer von den Vereinten Nationen auf den Weg gebrachten Vermittlung "aktiv beizutragen", wenn die irakischen Behörden dies wünschten, sagte Macron. "Es ist in den kommenden Wochen und Monaten entscheidend, dass ein Dialog beginnt, der die Einheit, Integrität und Souveränität des Irak innerhalb des Rahmens der Verfassung und unter Anerkennung der kurdischen Rechte anerkennt."

Quelle: n-tv.de

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