Politik
Hier ganz analog mit Pappkarte: Christopher Lauer
Hier ganz analog mit Pappkarte: Christopher Lauer(Foto: picture alliance / dpa)

Kein "Pferd" mehr bei Lauer: Twitter-Nerd tritt ab

Wie viele seiner Parteifreunde war auch Christopher Lauer lange kaum von seinem Handy zu trennen. Dutzende Tweets setzte der Piratenpolitiker manchmal an einem Tag ab. Nun verabschiedet er sich von dem Medium. Minutenschnell auf Anfragen reagieren will er trotzdem.

Ganze 91 Mal twitterte Christopher Lauer innerhalb der vergangenen Monate ohne weiteren Kommentar das Wort "Pferd". Tweets wie "Ich kaufe Twitter ja nur wegen Pferd" nicht eingerechnet. Selbst für einen Politiker der Piratenpartei nutzt er das Medium sehr intensiv: 60.000 Tweets hat er seit Juli 2009 verfasst, viele davon haben keinen von außen erkennbaren Sinn. Nun soll damit Schluss sein. "Als Kommunikationsmedium ist Twitter für mich gestorben", schreibt der Berliner Fraktionsvorsitzende in einem Gastbeitrag für die "Frankfurter Allgemeine Zeitung". Seinen Account "@Schmidtlepp" werde er nicht löschen, aber nur noch zum Verbreiten von Links nutzen.

Twitter koste ihn Nerven und jeden Tag mindestens eine Stunde Zeit. Durch Twitter "zerfasere" seine Kommunikation, über das Medium werde eine "permanente Nabelschau" betrieben. "Möchten wir eine Diskussions- und Aufmerksamkeitskultur des Rauschens, das nur durch besonders laute und plakative Themen unterbrochen wird?", fragt Lauer.

Im aktuellen "Spiegel" antwortet Lauer auf die Frage, wie er mit dem Druck in der Politik umgehe: "Ich habe mein Kommunikationsverhalten geändert und klinke mich öfter aus dem ständigen Informationsfluss aus. Ich lese zum Beispiel kaum noch Twitter." Auf E-Mails antworte er weiterhin in der Regel innerhalb von drei Minuten.

Für viele Piraten ist Twitter ein Instrument der Transparenz, weil dort Fragen öffentlich gestellt werden können und die Antworten ebenso öffentlich sind. Das Medium kann eine - zumindest gefühlte - Nähe zwischen gewählten Politikern und Parteibasis herstellen. Lauer begründet seine Aktivität auch mit Medienkontakten: "Insbesondere twittere ich, weil auch viele Journalisten es tun."

Der Politiker bemängelt nun aber zum einen, dass die Twitter-Kommunikation nur von sehr interessierten Kreisen wahrgenommen werde, zum anderen würde nur ein Bruchteil seiner Follower die geposteten Links auch anklicken.

Quelle: n-tv.de

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