Mittwoch, 07. Oktober 2009
Wahlbetrug in Afghanistan: UN haben neue Hinweise
Mehr als sechs Wochen nach der Präsidentenwahl in Afghanistan tauchen neue Unterlagen auf, die auf einen Wahlbetrug hindeuten.In einigen Provinzen des Landes sei die Wahlbeteiligung nach dem offiziellen Ergebnis um bis zu 100.000 Stimmen höher ausgefallen als es Wähler gegeben habe, schrieb die "Washington Post". Dies gehe aus vertraulichen Unterlagen der Vereinten Nationen (UN) hervor, die dem Blatt vorlägen. In der südlichen Provinz Helmand etwa seien 134.804 Stimmen gezählt worden. Die UN schätzten die Zahl der abgegebenen Stimmen aber auf lediglich 38.000 oder sogar nur auf 5000.
Das UN-Papier, eine Tabelle, zeige in den südlichen und östlichen Provinzen Afghanistans große Diskrepanzen zwischen Wahlbeteiligung und -ergebnis. Dort gewann Präsident Hamid Karsai mit großem Vorsprung. Diplomaten in Kabul hätten in der Vergangenheit auf solche Ungereimtheiten hingewiesen. Die Unterlagen seien bislang aber nicht an die Öffentlichkeit gelangt.
Stichpunktartige Neuauszählung
Dem Blatt zufolge gibt es auch gegenüber Karsais schärfstem Rivalen Abdullah Abdullah Betrugsvorwürfe. Diese hätten aber ein geringeres Ausmaß. Ein UN-Sprecher warnte gegenüber der Zeitung, den Unterlagen eine zu große Bedeutung zu geben. "Bei den Informationen handelt es sich um Rohmaterial und so sollte es auch behandelt werden", sagte er.
Vorläufigen Ergebnissen zufolge gewann Karsai die Wahl mit 54,6 Prozent. Die Wahlkommission hat nach Belegen für Wahlbetrug eine Neuauszählung von 12 Prozent der Stimmen angeordnet, die vor wenigen Tagen begonnen hat.
AFP
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