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US-Geheimdienstchef James Clapper: Sein Büro hat derzeit eine heikle Mission.
US-Geheimdienstchef James Clapper: Sein Büro hat derzeit eine heikle Mission.(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Brisante Spionage-Papiere: US-Geheimdienste schlagen bei Kollegen Alarm

In der Dokumentensammlung von Edward Snowden befinden sich offenbar Zehntausende Papiere, in denen es um Spionage-Aktionen gegen Länder wie Iran, Russland und China geht. Aus den Dokumenten geht hervor, welche Staaten den USA bei solchen Operationen geholfen haben. Und nicht immer ist die gesamte Regierung der betroffenen Staaten im Bilde.

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Vertreter der US-Regierung sind damit beschäftigt, ausländische Geheimdienste zu warnen, dass der frühere NSA-Mitarbeiter Edward Snowden über Dokumente verfügt, die Details über ihre geheime Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten beinhalten. Das berichtet die "Washington Post". Die Zeitung beruft sich auf Informationen von Angehörigen der Regierung und des Kongresses.

Demnach findet sich in den Papieren, die Snowden bei der National Security Agency mitgehen ließ, "sensibles Material" über Spionageprogramme gegen Staaten wie Iran, Russland und China. Einige der 30.000 Dokumente dieser Art würden sich auf Operationen beziehen, an denen Staaten beteiligt gewesen seien, die offiziell nicht mit den USA verbündet sind.

Es sei "heikel", den betroffenen Regierungen mitzuteilen, dass ihre Zusammenarbeit mit den USA auffliegen könnte, schreibt die "Washington Post". Der Zeitung wurde gesagt, dass es Fälle gebe, bei denen ein Teil der Regierung von der Zusammenarbeit wisse, ein anderer - beispielsweise das Außenministerium - jedoch nicht. Würden diese Dokumente veröffentlicht, könnten sie Operationen gefährden.

"Wenn die Russen davon wüssten ..."

"Die Angelegenheit gibt durchaus Anlass zur Sorge, genauso wie die Tatsache, dass das Erfassen von Informationen über europäische Verbündete in den Nachrichten gelandet ist, wenn nicht noch stärker", zitiert die "Washington Post" einen Kongressmitarbeiter. "Denn das bedeutet nicht nur, dass wir das Erfassen verlieren könnten, sondern auch, dass Beziehungen beschädigt werden."

Die Aufgabe, die ausländischen Geheimdienste zu warnen, hat dem Bericht zufolge das Büro von US-Geheimdienstdirektor James R. Clapper übernommen. Der "Director of National Intelligence" ist Leiter aller Geheimdienste der USA. Eine offizielle Stellungnahme der Behörde gab es nicht.

Die "Washington Post" schreibt, dass es in einem Fall um eine Operation gegen Russland gehe, die von einem Nato-Land aus durchgeführt worden sei. Dabei seien wertvolle Informationen für die US-Luftwaffe und Navy gesammelt worden. "Wenn die Russen davon wüssten, wäre es nicht schwer für sie, angemessene Maßnahmen zu ergreifen, das zu stoppen", sagte ein anonymer Informant der Zeitung.

Die "Washington Post" schreibt weiter, Snowden habe denen gegenüber, denen er Dokumente überlassen habe, stets betont, dass er niemandem Schaden zufügen wolle. Das Blatt deutet an, dass dieses sensible Material bislang nicht an Journalisten weitergegeben wurde. Auch ein Journalist der "Washington Post", Barton Gellman, hat Dokumente von Snowden erhalten.

Snowden selbst sagte, er habe keine Dokumente mit nach Russland genommen. "Es gibt eine nullprozentige Chance, dass die Russen oder Chinesen irgendwelche Dokumente erhalten haben", sagte er der "New York Times" in einem kürzlich veröffentlichten Interview. Anders als der Enthüllungsplattform Wikileaks geht es Snowden dieser Darstellung zufolge nicht um Transparenz um jeden Preis. "Es ist bezeichnend, dass er nichts an Wikileaks weitergegeben hat", sagte der frühere NSA-Whistleblower Thomas Drake nach einem Besuch bei Snowden in Moskau.

Quelle: n-tv.de

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