Politik
Freitag, 25. Juli 2003

Neue Kämpfe in Liberia: US-Kriegsschiffe vor Küste

US-Präsident George W. Bush hat am Freitag die Entsendung von Kriegsschiffen vor die Küste des westafrikanischen Bürgerkriegslandes Liberia angeordnet. Mit der Aktion solle die für die kommende Woche geplante Stationierung von Friedenstruppen der westafrikanischen Staatengemeinschaft (ECOWAS) unterstützt werden, hieß es in einer Erklärung des Weißen Hauses. Bei den seit Tagen blutigsten Gefechten um die liberianische Hauptstadt Monrovia wurden am Freitag mindestens 26 Menschen getötet und mehr als 200 verletzt.

Zunächst keine US-Bodentruppen

Beobachter wiesen darauf hin, dass die Entscheidung des Präsidenten nicht bedeute, dass die USA auch Bodentruppen in das vom Bürgerkrieg erschütterte Land schicken würden.

In seiner Erklärung betonte das Weiße Haus erneut, die US-Rolle bei der Befriedung Liberias werde hinsichtlich der Dauer und des Umfanges "begrenzt" sein. Außerdem wurde die Forderung bekräftigt, dass Präsident Charles Taylor das Land verlassen müsse.

Neue Kämpfe

Nach vier Tagen relativer Entspannung sind die Kämpfe um die liberianische Hauptstadt Monrovia wieder voll entbrannt und haben mindestens elf Menschen das Leben gekostet. In der Umgebung der amerikanischen Botschaft in Monrovia explodierten innerhalb von zehn Minuten bis zu 20 Granaten. In dem Gebiet halten sich tausende Flüchtlinge auf.

Beim Einschlag einer Granate auf dem Hof einer Schule, wohin sich ebenfalls zahlreiche Menschen geflüchtet hatten, gab es mindestens acht Tote. Eine Granate schlug in einen Hof ein und tötete zwei kleine Jungen. Regierung und Rebellen machten sich gegenseitig für die Angriffe verantwortlich.

Nach Angaben von Augenzeugen wurde unter anderem die Station des katholischen Rundfunksenders Radio Veritas von zwei Granaten getroffen und beschädigt. Die Angriffe waren die schwersten seit Montag. Anschließend versammelten sich aufgebrachte Menschen in den Straßen und forderten die USA zu einer raschen Intervention auf.

Warnung vor Katastrophe

Der UN-Sondergesandte für Liberia warnte unterdessen vor einer völligen Katastrophe in dem westafrikanischen Land. Schon jetzt sei Liberia in den Wirren des Bürgerkriegs weitgehend zerstört, sagte Jacques Paul Klein am Donnerstag in New York. Hoffnung gebe es nur bei einer schnellen Stationierung internationaler Truppen.

"Wenn nichts getan wird, haben wir eine Katastrophe." Klein, ein US-Militärberater und ehemaliger Leiter der UN-Mission in Bosnien-Herzegowina, begrüßte die angekündigte Entsendung von Friedenstruppen aus Nigeria. Zugleich äußerte er aber Zweifel, ob die Soldaten wie versprochen schon in einer Woche eintreffen könnten. Die USA forderte er zu einer engagierteren Rolle in Liberia auf.

Geld statt Soldaten

Die USA haben unterdessen so gut wie entschieden, keine Soldaten nach Liberia zu schicken. Das sagte der amerikanische UN-Botschafter John Negroponte. Stattdessen soll das Land finanzielle Hilfe erhalten. Die Stationierung einer Interventionstruppe will Washington mit zehn Mio. Dollar unterstützen.

Liberias Präsident Charles Taylor hatte angesichts der geplanten Entsendung nigerianischer Friedenstruppen seine Rücktrittsabsichten bekräftigt. Taylor werde Liberia an dem Tag verlassen, an dem das erste nigerianische Bataillon eintreffe, sagte ein enger Mitarbeiter des Präsidenten. Die Nigerianer werden in einer Woche erwartet. Zwei Bataillone mit je 650 nigerianischen Soldaten stehen in Nigeria und Sierra Leone bereit. Sie sind als Vorhut einer größeren Friedenstruppe mit 3.250 Mann gedacht.

Quelle: n-tv.de

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