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Brack Obama freut sich über neu geschaffene Jobs.
Brack Obama freut sich über neu geschaffene Jobs.(Foto: AP)

US-Entwicklung positiv oder negativ?: Arbeitslosenzahl gibt Rätsel auf

Es ist eine Entwicklung, die in anderen Zeiten keiner Rede wert wäre: Die Arbeitslosigkeit in den USA steigt um 0,1 Prozentpunkte. Doch im Wahlkampf streiten sich die Kontrahenten um die Deutung dieser Zahl: Mitt Romney nennt die Entwicklung "traurig", Barack Obama wehrt sich.

Positive Mehr Jobs in den USA spielen Präsident Barack Obama vier Tage vor dem Wahltag in die Hände. Die US-Unternehmen außerhalb der Landwirtschaft schufen im vergangenen Monat 171.000 neue Stellen, wie das US-Arbeitsministerium mitteilte. Das waren deutlich mehr als von Volkswirten in Vorfeld erwartet worden war. Sie hatten mit 125.000 zusätzlichen Jobs gerechnet. Die meisten Arbeitsplätze entstanden im Dienstleistungsbereich, dem Handel und im Gesundheitssektor. Während die Firmen ihr Personal erhöhten, fielen im öffentlichen Dienst weitere Posten dem Sparzwang zum Opfer.

Mitt Romney beklagt die gestiegene Arbeitslosigkeit.
Mitt Romney beklagt die gestiegene Arbeitslosigkeit.(Foto: REUTERS)

Ein Wermutstropfen für Obama ist hingegen der leichte Anstieg der Arbeitslosenquote von 7,8 auf 7,9 Prozent im September. Diese eigentlich widersprüchliche Entwicklung ergibt sich daraus, dass sich zuvor frustrierte Amerikaner auf dem Arbeitsmarkt zurückmelden, die zuvor aus der Statistik gefallen waren. Außerdem strömen mehr junge Leute in die Berufswelt als Ältere in den Ruhestand gehen. Die recht hohe Arbeitslosigkeit und die langsamen Erholung der US-Wirtschaft sind die Top-Themen im US-Wahlkampf.

Der republikanische Präsidentschaftskandidat Mitt Romney nannte die neuen Zahlen eine "traurige Ermahnung" daran, dass sich die US-Wirtschaft "quasi am toten Punkt" befinde. Vier Jahre nach Obamas Amtsantritt hätten "23 Millionen Amerikaner Schwierigkeiten, Arbeit zu finden".

Obama wehrte sich und verwies auf den tiefen Abschwung, aus dem sich die USA nach und nach zurückkämpften. Obama bezeichnete die neue Entwicklung als positiv: "Unternehmen haben im Oktober mehr Menschen eingestellt als in den vergangenen acht Monaten", sagte er bei einem Wahlkampf-Auftritt im Bundesstaat Ohio. Er gestand aber ein, seine Ziele noch nicht erreicht zu haben. "Solange ein einziger Amerikaner einen Job will, aber keinen findet, haben wir mehr Arbeit zu erledigen."

Beide Kandidaten sind nach den Verwüstungen des Wirbelsturms "Sandy" wieder voll in den Wahlkampf eingestiegen, um die letzten Unentschlossenen zu überzeugen und die eigenen Wähler zu mobilisieren. Die Kandidaten wollen vor allem noch im umkämpften Bundesstaat Ohio im Mittleren Westen um Stimmen werben. Dem Swing State wird große Bedeutung beigemessen: Noch nie zog ein Republikaner ohne Sieg in Ohio ins Weiße Haus ein. Der letzte Demokrat, dem dies gelang, war der im Jahr 1961 gewählte John F. Kennedy.

Obama bekommt Unterstützung aus New York und New Jersey

Obama lobte in einer Rede in Green Bay im Bundesstaat Wisconsin das Zusammenrücken der Bevölkerung während des Sturms in New York und New Jersey. Romney war am Donnerstag im Bundesstaat Virginia auf Wahlkampftour und kritisierte Obamas Wirtschaftspolitik.

"Sandy" war in der Nacht zum Dienstag über die US-Ostküste gezogen und tötete mehr als 90 Menschen. Obama beaufsichtigte das Krisenmanagement von Washington aus und besuchte am Mittwoch den schwer getroffenen Bundesstaat New Jersey, dessen republikanischer Gouverneur Chris Christie ihn überschwänglich lobte. Auch der parteilose Bürgermeister New Yorks, Bloomberg unterstützt Obama , weil dieser die bessere Klimapolitik vertrete.

Der Ausgang der Wahl am kommenden Dienstag steht auf Messers Schneide. In landesweiten Umfragen liegen Obama und Romney nahezu gleichauf. Der US-Präsident wird aber nicht nach dem nationalen Stimmenanteil, sondern von einem Gremium aus Wahlmännern gekürt, das die Ergebnisse aus den Bundesstaaten widerspiegelt.

Quelle: n-tv.de