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Romney wirft Gegner faule Tricks in Michigan vor: Bei Anruf Santorum

von Sebastian Schöbel

Trotz sinkender Umfragewerte will Santorum Michigan nicht aufgeben. Nun greift er zu einer besonders umstrittenen Methode: Er ruft Demokraten auf, in der offenen Vorwahl der Republikaner für ihn zu stimmen. Romney schreit Foul - und bittet um Spenden.

Am Telefon werben auch die Kandidaten selbst um Unterstützung, wie hier Santorum bei seiner Senatswahl 2006.
Am Telefon werben auch die Kandidaten selbst um Unterstützung, wie hier Santorum bei seiner Senatswahl 2006.(Foto: REUTERS)

Um die Vorwahl in Michigan zu gewinnen, setzt Rick Santorum auch auf Obama-Wähler. Wie seine Kampagne inzwischen bestätigte, sind in den letzten Tagen hunderte Anrufe an registrierte Demokraten ergangen. Darin erinnert Santorum an die Möglichkeit, dass auch sie in der offenen Vorwahl der Republikaner in Michigan abstimmen können - und bittet darum, dass sie ihr Kreuz hinter seinem Namen machen.

"Demokraten können in der republikanischen Primary am Dienstag abstimmen", so der automatisierte Anruf. Die Motivation liefert der Anruf gleich mit. Romney habe die Rettung seiner in Not geratenen "Milliardärsfreunde an der Wall Street" unterstützt, war jedoch gegen die Rettung der Autoindustrie in Michigan. "Das war ein Schlag ins Gesicht der Arbeiter von Michigan, damit lassen wir ihn nicht davonkommen", sagt die Anruferstimme. Zum Schluss heißt es: "Dieser Anruf wird unterstützt von hart arbeitenden, demokratischen Männern und Frauen. Und bezahlt von Rick Santorum."

Romney nennt Anrufe "erbärmlich"

Dass auch Santorum die Pleite der Autokonzerne GM und Chrysler befürwortete, erwähnt der Anruf nicht.

Die neuesten Umfragen

Vorwahlen in Michigan

Rick Santorum: 36

Mitt Romney: 37

Ron Paul: 9

Newt Gingrich: 9

Unentschieden: 9

Quelle: Mitchell/Rosetta Stone

 

Romneys Kampagne schlägt umgehend zurück. "Erbärmlich" sei es, dass sich Santorum "das Trikot des anderen Teams überstreift", heißt es in einer Email an Unterstützer. Zusammen mit den "liberalen Verbündeten Obamas" wolle Santorum das Wahlergebnis in Michigan verfälschen.

Beweise für Santorums Zusammenarbeit mit Obamas Wahlkampfteam liefert Romney nicht, dafür aber den Link zu einer speziellen Spendenseite. Auf "Operation: Stop Mitt" bittet er um finanzielle Unterstützung zwischen 10 und 2.500 US-Dollar, um diese "verzweifelten Angriffe" zurückzuschlagen.

Das Santorum-Lager verteidigt die umstrittene Maßnahme. Man wollen jene Demokraten für sich gewinnen, die in den 1980er Jahren für den Republikaner Ronald Reagan gestimmt haben, erklärt ein Sprecher der Kampagne.

Legals Wahlkampf-Manöver

Die Taktik verstößt gegen kein geltendes Recht. Die Regeln für die Vorwahlen werden von den Parteien in den einzelnen Bundesstaaten festgelegt. In der Vergangenheit war es immer wieder üblich, dass Wähler der einen Partei in den offenen Vorwahlen der anderen Partei abstimmen.

Michigan gilt als wichtiger Test für Romney. Eine Niederlage hier wäre ein herber, vielleicht sogar entscheidender Rückschlag. Denn Michigan ist seine Heimat, eine Wahlniederlage wäre für viele Republikaner ein triftiges Argument gegen seine Nominierung.

Ausgerechnet Santorum aber könnte ihm mit seiner Anruf-Aktion nun eine gute Begründung geliefert haben, falls er tatsächlich verliert: Nicht er habe versagt, sondern Santorum betrogen.

Quelle: n-tv.de