Politik
Ob Blasmusik oder Country: Die Präsidentschaftskandidaten bekommen jetzt für ihre Kampagnen musikalische Unterstützung.
Ob Blasmusik oder Country: Die Präsidentschaftskandidaten bekommen jetzt für ihre Kampagnen musikalische Unterstützung.(Foto: AP)

Santorum-Girls und Gingrich-Rapper: Chor der Herausforderer

von Sebastian Schöbel

Ein Mann, eine Botschaft, ein Lied: Die republikanischen Präsidentschaftskandidaten bekommen musikalische Unterstützung von ihren Fans. Die Songs spiegeln das Image ihrer Kampagnen wider – manchmal etwas zu deutlich.

Es ist eine der schwierigsten Entscheidungen für amerikanische Präsidentschaftsanwärter: Zu welchem Song sollen sie Wahlkampf machen? Schließlich müssen Liedauswahl und politische Botschaft zusammenpassen: Wandel oder Tradition, Wut oder Wohlfühlatmosphäre? Barack Obama ließ 2008 U2s „City of blinding lights“ auflegen, sein Gegner John McCain bekam von Country-Musiker John Rich das Lied „Raisin’ McCain“ auf den Leib geschrieben. Auch 2012 beschallen die Kampagnen wieder ihre Anhänger – dabei ist es oft viel aussagekräftiger, wenn die Wähler zurückmusizieren.

Das Country-Duo Haley und Camille Harris überraschte Rick Santorum am „Super Tuesday“ mit der Kreation „Game On“. „Er hat den Plan für Steuersenkungen hebt die Moral, legt die Kraft in unsere Hände“, dichten die adretten Schwestern, inzwischen bekannt als „Santorum-Girls“. Die Anmutung erinnert stark an christliche Ferienlager und Disneys familienfreundliches „High School Musical“, passt aber ausgezeichnet zum Image des erz-konservativen Arbeitersohnes Santorum. „Seiner Frau treu und Vater von sieben Kindern“, singen Haley und Camille, „er wird auch unserem Land treu sein.“

Gejohle für Gingrich

Der dreimal verheiratete Newt Gingrich könnte sich mit solchen musikalischen Federn nicht schmücken - und seine Fans versuchen es auch gar nicht erst. Stattdessen lassen sie sich vom massigen Ego des stämmigen Mannes aus Georgia inspirieren: Klotzen statt kleckern, Beats statt Balalaika. „Hoot for Newt“, heißt die Hip-Hop-Hymne von drei jugendlichen Gingrich-Unterstützern aus Florida, frei übersetzt „Johlt für Newt“.

Newt Gingrich setzt auf Rapmusik. Jugendliche aus Florida haben für ihn die Hymne "Hoot for Newt" getextet.
Newt Gingrich setzt auf Rapmusik. Jugendliche aus Florida haben für ihn die Hymne "Hoot for Newt" getextet.(Foto: picture alliance / dpa)

Weitere Übersetzungen verbieten sich eigentlich, schon weil das Original eine eher bemitleidenswert schlechte Imitation echter Rapmusik darstellt. Die Textzeile „Hoo! Hoo! Alle stimmen für Newt!“ passt allerdings zum selbstbewussten Auftreten des Kandidaten. Und zu seinen bisherigen Wahlergebnissen: „Newt Gingrich erobert die Straße. Seid ihr bereit? Ich glaube nicht!“

Paul macht auf Revolution

Dann doch lieber mit Profis arbeiten, dachte sich wohl Ron Paul - ausgerechnet der erfolgloseste Republikaner im bisherigen Wahlkampf. Bereits 2007 nahm Pop-Sängerin Aimee Allen den „Ron Paul Revolution Theme Song“ auf, bis heute eine beliebte Ode an dem selbsternannten Freiheitskämpfer und Verfassungsverteidiger. „Beginnt eine Revolution, zerschlagt illegale Institutionen“, fordert Allen ihre Hörer auf. Gegen Steuern, gegen die Regierung, gegen Krieg, so die Botschaft. Der Song geht ins Ohr, doch das geplante Album hatte auch viel mit den Ambitionen von Allens Vorbild gemeinsam: Am Ende wurde nichts draus.

Auch Mitt Romney wird auf YouTube besungen, allerdings vor allem von seinen Gegnern (die Inhalte geben wir hier aus Jugendschutzgründen nicht wieder). Was die Fans des Mormonen aus Massachusetts vorlegen passt zur gebremsten Begeisterung, die Romney auslöst: Statt Rock-Balladen oder Rap-Hymnen gibt es laue Familien-Kammermusik. So singt die kleine Zara mit Inbrunst aber leider unverständlich über ihren politischen Favoriten, den sie frühestens 2026 wählen könnte. Und eine andere Familie bietet gleich den ganzen Nachwuchs plus Klavier auf, braucht dann allerdings für die erste Strophe ähnlich lange wie Romney für den Gewinn der republikanischen Nominierung.

Schmacht-Schnulze für Obama

Einsamer Spitzenreiter in der Kategorie „irritierende Fan-Musik“ ist jedoch Barack Obama. Die Liebeschwüre von Amber Lee Ettinger, alias „Obama Girl“, sorgten 2008 eher für Spott als Applaus. Die Kritiker des jungen Senators ais Illinois sahen die politische Anmache eher als Beweis für die Naivität seiner Anhänger: Hoffnung und Zuneigung statt Substanz und Erfahrung.

Im Hause Obama sorgte „Obama-Girl“ ebenfalls für Verstimmung. Laut „New York Times“ konnte vor allem Obamas Tochter Sasha nichts mit den Songs anfangen. „Daddy, du hast doch Mami“, soll die damals 6-Jährige erstaunt festgestellt haben. Auch ihr Vater war nicht besonders amüsiert. "Manchmal wünscht man sich, die Leute würden mehr darüber nachdenken, welche Wirkung ihre Aktionen auf die Kinder und die Familie haben."

Quelle: n-tv.de