Politik
Clint Eastwood wirbt für Chrysler - und für Barack Obama.
Clint Eastwood wirbt für Chrysler - und für Barack Obama.

Wahlkampfhilfe beim Super Bowl: Chrysler bedankt sich bei Obama

von Jan Gänger

Die größte Überraschung beim Super Bowl ist nicht das Ergebnis, sondern ein Werbespot: Clint Eastwoood und Chrysler übermitteln einem Millionenpublikum eine emotionale Botschaft, die ganz im Sinne von Präsident Obama ist. Die Republikaner hingegen dürften sich über die Werbung ärgern.

Der Super Bowl ist nicht bloß das Endspiel im American Football. Es handelt sich um das größte Fernsehereignis des Jahres in den USA, das halbe Land sitzt vor dem Fernseher. Millionen Zuschauer sahen in der Halbzeitpause des Finales am Sonntag einen ungewöhnlichen, emotionalen Werbespot, der angesichts des Wahlkampfs für jede Menge Gesprächsstoff sorgt: Der zutiefst amerikanische Spot kann als Dank an Barack Obama verstanden werden, dessen Regierung den Konzern durch Milliardenhilfen vor dem Untergang bewahrt hatte.

Im November finden in den USA Präsidentenwahlen statt, Obama bewirbt sich um eine zweite Amtszeit. "Wir sind noch nicht fertig", betont der Präsident immer wieder. "Es ist Halbzeit in Amerika", stellt Hollywood-Legende Clint Eastwood in dem Spot fest.

"Menschen sind arbeitslos und leiden. Und sie fragen sich, wie ihnen ein Comeback gelingen kann", sagt Eastwood. Die Antwort könne Detroit geben. "Die Menschen dort kennen sich in diesen Dingen ein wenig aus", so der 81-Jährige mit tiefer, rauher Stimme. "Sie haben beinahe alles verloren. Aber wir haben alle an einem Strang gezogen, und nun kämpft Motor City wieder."

Durch Milliardenhilfe gerettet

Die US-Rezession hatte die Autokonzerne Chrysler und General Motors in die Pleite getrieben. Die ganze Region litt darunter, die Arbeitslosenquote erreichte im Juli 2009 den Stand von 16,7 Prozent. Nur dank milliardenschwerer Staatshilfen der Obama-Administration überlebten die Konzerne. Nach einer Umstrukturierung erholten sie sich und verdienen mittlerweile wieder viel Geld. Die Arbeitslosenquote in der gebeutelten Region ging deutlich zurück, sie liegt derzeit bei 9,7 Prozent.

Angesichts des Wahlkampfs in den USA stößt der Spot auf große Resonanz - zumal Wirtschaftswachstum und Arbeitslosigkeit die Kernthemen sind, mit denen die Republikaner Präsident Obama kritisieren. Vor allem mit Steuergeldern finanzierte Konjunkturprogramme sind den Konservativen ein Dorn im Auge. Chrysler erinnerte nun ein Millionenpublikum daran, dass es ohne die Staatshilfe womöglich nicht mehr existieren würde.

In dem Spot wird das politische Klima in Washington deutlich kritisiert. Eastwood, ein Symbol der ur-amerikanischen Filmindustrie, spricht von einem "Nebel aus Spaltung, Misstönen und Zwietracht." Amerika müsse einen Weg finden, um aus harten Zeiten herauszufinden. "Detroit zeigt uns, wie es gemacht werden kann", sagt Eastwood.  "Ein Schlag kann dieses Land nicht K.o. gehen lassen. Wir kommen zurück. Und wenn wir das tun, wird die Welt das Röhren unserer Motoren hören."

Eastwood war zuletzt im Film "Gran Torino" zu sehen. Er spielte einen ehemaligen Ford-Arbeiter, der den Niedergang Detroits erlebt. "Es ist Halbzeit in Amerika", wiederholt Eastwood am Ende des Spots. "Und unsere zweite Halbzeit wird bald beginnen." Der November wird zeigen, ob er richtig liegt.

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Quelle: n-tv.de