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"Don't miss anything" steht sicherlich nicht für "Lassen Sie keinen Fettnapf aus".
"Don't miss anything" steht sicherlich nicht für "Lassen Sie keinen Fettnapf aus".(Foto: Reuters)

Obama-Kür startet holprig: Demokrat schockt mit Nazi-Vergleich

Von Johannes Graf

Eigentlich will sich US-Präsident Obama in Charlotte mit viel Pomp zum Kandidaten krönen lassen und dem politischen Gegner einheizen. Doch es gibt Störfeuer ausgerechnet aus den eigenen Reihen. Der kalifornische Parteichef Burton attackiert in einem Interview den republikanischen Wahlkampf - und schießt dabei übers Ziel hinaus.

John Burton hat seiner Partei einen Bärendienst erwiesen.
John Burton hat seiner Partei einen Bärendienst erwiesen.(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Der Parteitag der Demokraten in Charlotte hat noch nicht einmal begonnen, da hat er schon seinen ersten Skandal. Für Aufregung sorgt dieses Mal der Chef der Partei in Kalifornien, John Burton. Er bedient sich eines Nazivergleichs, um den politischen Gegner abzuwerten - ein Fauxpas, der auch in den USA nicht ohne Folgen bleibt.

Seinen Anfang nimmt der Eklat mit einem Interview, das Burton im Vorfeld des Parteitags dem Radiosender KCBS gibt. Darin bemüht er sich, die Wahlkampftaktik der Republikaner schlechtzumachen und vergreift sich dabei im Ton. Er sagt: "Sie lügen und es ist ihnen egal, wenn die Leute glauben, dass sie lügen." Und weiter: "Sie lügen, Joseph Goebbels, es ist die große Lüge." Letztere Aussage bezieht sich laut "San Francisco Chronicle" auf den Vizekandidaten der Republikaner, Paul Ryan.

Romney: "Würdelose Worte"

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Republikaner mit Propagandaminister zu vergleichen, ist zum einen weit hergeholt, zum anderen ruft es ebenso heftige Reaktionen hervor, wie es sie auch hierzulande geben würde. Selbst in einem hitzigen Wahlkampf überschreitet Burton damit eine Grenze. Prompt meldet sich etwa der Verband jüdischer Republikaner und verurteilt die Bemerkung. Die Republican Jewish Coalition beklagt, Burton habe aus politischem Kalkül "die Überlebenden des Holocausts und deren Familien" beleidigt.

Und auch der republikanische Herausforderer Mitt Romney nimmt die Vorlage des Demokraten Burton dankend an. Sein Wahlkampfteam lässt verlauten, derart "würdelose Worte" hätten "keinen Platz in unserem politischen System. Das Republican National Committee nennt Burtons Aussagen "unverschämt und beleidigend für alle Amerikaner".

Obama distanziert sich

Der politische Schaden ist immens. Burton macht sich daraufhin denn auch eilig daran, seine Aussagen wieder einzufangen. Ob er es damit wirklich besser macht, bleibt fraglich. Er erklärt, er habe die Republikaner nicht mit Nazis verglichen. Dieses Wort sei nicht gefallen. "Falls sich Mitt Romney, Paul Ryan oder die Republikaner beleidigt fühlen, weil ich ihre Wahlkampftaktik als große Lüge beschrieben habe, dann entschuldige ich mich demütig bei Ihnen oder allen, die durch die Äußerung verletzt worden sein könnten", teilt er mit.

US-Präsident Barack Obama kommt die ganze Geschichte reichlich ungelegen. In einem viertägigen Parteitagsmarathon will er sich in Charlotte im Bundesstaat North Carolina erneut zum Kandidaten für die Präsidentschaftswahl im Herbst küren lassen. Dabei will er neue Aufbruchsstimmung verbreiten und ernsthaft in den Kampf um Stimmen eintreten. Debatten über Nazi-Vergleiche aus den eigenen Reihen kann er da nicht gebrauchen.

Seine Reaktion ist daher ebenso kühl wie deutlich. Ein Sprecher betont, die Äußerung des Demokraten aus Kalifornien stehe "nicht für die Haltung" des Wahlkampfteams. Und er ergänzt: Die Haltung Burtons habe "keinen Platz im politischen Diskurs hier in Charlotte". Dabei ist die Diskussion darüber längst in vollem Gange.

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Quelle: n-tv.de