Politik
Der US-Wahlkampf hat schon jetzt über 220 Millionen Dollar verschlungen.
Der US-Wahlkampf hat schon jetzt über 220 Millionen Dollar verschlungen.(Foto: REUTERS)

10 Millionen Dollar für Werbung: Der teure Super-Dienstag naht

von Sebastian Schöbel

Je näher der große Wahltag rückt, desto leerer werden die Konten der Kandidaten. Vor allem Romney gibt deutlich mehr aus als seine Gegner. Noch kann er sich das leisten, seine Kontrahenten müssen hingegen sparsam sein und schicken deswegen ihre Super-Pacs nach vorn.

"Ich brauche SOFORT deine Spende für den finalen Angriff am Super Tuesday", schreibt Ron Paul seinen Anhängern am vergangenen Wochenende. Rick Santorum schenkt jedem, der mindestens 100 Dollar gibt, einen seiner berühmten Pullunder. Und Mitt Romney, der Liebling reicher Großspender, bittet nun sogar schon um kleinste Beträge. "Spende 3 Dollar und nimm automatisch an der Verlosung teil, um Mitts Gast am Wahlabend zu sein", verkündet seine Kampagne.

Die neuesten Umfragen

Georgia (76 Delegierte)

Newt Gingrich: 39 Prozent
Mitt Romney: 23,8 Prozent

Ohio (66 Delegierte)

Rick Santorum: 34 Prozent
Mitt Romney: 31,3 Prozent

Tennessee (58 Delegierte)

Rick Santorum: 37,3 Prozent
Mitt Romney: 23 Prozent 

Virginia (49 Delegierte)

Mitt Romney: 61,5 Prozent
Ron Paul: 22,3 Prozent

Nur Romney und Paul treten an

Oklahoma (43 Delegierte)

Rick Santorum: 41 Prozent
Mitt Romney: 20,5 Prozent

Massachusetts (41 Delegierte)

Mitt Romney: 64 Prozent
Rick Santorum: 16 Prozent

Vermont (17 Delegierte)

Mitt Romney: 34 Prozent
Rick Santorum: 27 Prozent

Quelle: Real Clear Politics

Keine Umfragen für Alaska, North Dakota und Idaho

Der republikanische Vorwahlkampf wird zur kostspieligen Geduldsprobe, und mit dem "Super-Dienstag" steht nun einer der größten Ausgabenposten vor der Tür. Zehn Staaten stimmen gleichzeitig ab, das heißt zehn Werbemärkte, in denen es Radio- oder Fernsehspots zu platzieren gilt. Nach Angaben der Tageszeitung "Boston Globe" haben die Teams der Kandidaten bereits rund 10 Millionen Dollar in die Hand genommen.

Romneys Dollar-Walze rollt

Einsamer Ausgaben-Spitzenreiter ist wieder einmal Mitt Romney. Im vielleicht wichtigsten Bundesstaat am Dienstag, Ohio, hat die Kampagne des Ex-Gouverneurs bereits über 1 Million Dollar ausgegeben. Dazu kommen noch mal 2,4 Millionen Dollar von dem ihn unterstützenden Super-Pac, "Restore our Future". Die Gruppe hat außerdem Werbezeit für 1 Million Dollar in Tennessee und 500.000 Dollar in Oklahoma gekauft. Auch in Georgia, wo Newt Gingrich unbedingt gewinnen muss, hat "Restore our Future" 1,5 Millionen Dollar in die Hand genommen, um den ehemaligen Sprecher des Repräsentantenhauses anzugreifen – mit ähnlich negativen Botschaften wie zuvor in Florida.

Gingrich wiederum konzentriert seine Kraft fast ausschließlich auf seine Heimat Georgia. Sein Super-Pac "Winning our Future" hat insgesamt rund 2,6 Millionen Dollar mobilisiert, 1 Million davon in Georgia.

Der Santorum nahestehende Super-Pac "Red, White and Blue" konzentriert sich ebenfalls auf Ohio, wo der Ex-Senator zurzeit noch hauchdünn vorne liegt. Rund eine halbe Million Dollar sind dort in Werbung geflossen. Insgesamt hat der Pac über 3 Millionen in allen zehn "Super Tuesday"-Staaten ausgegeben.

Super Pacs übernehmen Wahlkampf

Dass vor allem die Kampagnen von Santorum und Gingrich die gut finanzierten Super-Pacs für sich kämpfen lassen, liegt auch an ihrer schwierigen finanziellen Situation. Denn schon der Vorwahlkampf im Januar war teuer.

Gingrich gab nach Angaben der US-Wahlaufsicht im Februar fast kein Geld für Werbung aus - er hatte nämlich kaum welches. 1,7 Millionen Dollar waren nach den harten Kämpfen im Januar noch in seiner Kasse, Nicht viel, schließlich kostet es ihn schon 1,6 Millionen, seine Kampagne überhaupt aufrecht zu unterhalten. Blieb also nur noch sein Super-Pac "Winning our Future", der dank einer weiteren Cash-Infusion von Kasino-Milliardär Sheldon Adelson im Februar weitermachen konnte.

Was sind Super-Pacs?

Die Abkürzung Pac steht für "Political ActionComittee". Hauptzweck dieser Organisationsform ist es, die Beschränkungfür Wahlkampfspenden zu umgehen. Die Super-Pacs dienen allerdings auch dazu, Verantwortlichkeitenfür schmutzige Wahlkämpfe zu verschleiern: So können die Kandidaten dubiose Spotsgegen die Konkurrenz schalten und dabei selbst die Hände in Unschuld waschen.

Formal dürfen diese Komitees sich nicht mit den Kandidaten,die sie unterstützen, absprechen. Tatsächlich aber sind sie deren mächtigeSchattenkämpfer im Wahlkampf. Ihr Geld kommt von Konzernen und wohlhabendenSpendern.

Santorum griff vor allem für seinen Achtungserfolg gegen Romney in Michigan tief in die Tasche: Über 570.000 Dollar kosteten ihn die beiden Vorwahlen (auch Arizona stimmte ab). Den Januar hatte Santorum zuvor mit nur 1,5 Millionen Dollar in der Wahlkampfkasse beendet. Sein Finanzbericht bei der Wahlbehörde Ende März wird zeigen, ob ihm sein später Aufstieg deutlich mehr Spenden eingebracht hat. Vor dem Super Tuesday bleibt ihm offenbar nichts anderes übrig, als sich - wie Gingrich - auf seinen Super-Pac zu verlassen.

Auch Ron Pauls Spendierhosen saßen im Februar nicht mehr so locker wie noch im Januar. 1,6 Millionen hatte der Libertäre am 31.1. zur Verfügung. Sein Hauptaugenmerk liegt jedoch ohnehin auf dem Sammeln von Delegierten durch eine gut organisierte "Graswurzel"-Organisation, nicht auf großen Werbekampagnen.

Bleibt also Romney. Der hat im Februar etwas mehr als eine Million selbst in die Hand genommen, sein Super-Pac "Restore our Future" hingegen fast 5 Millionen Dollar. Dabei ist Romney keinesfalls bescheidener geworden: Auch beim Ex-Gouverneur hat der teure Januar ein tiefes Loch in die Bücher gerissen. Mit fast 20 Millionen Dollar war er am Neujahrstag gestartet, knapp 7,6 Millionen waren ihm nach 31 Tagen geblieben.

Finanz-Check der Kandidaten

Und inzwischen macht sich ein weiteres Problem bemerkbar: Romneys Abhängigkeit von wenigen reichen Spendern. Die haben bisher die Hauptlast seiner Finanzierung getragen, rund 90 Prozent. Lediglich jede zehnte Spende kam von Menschen, die weniger als 200 Euro geben konnten oder wollten.

Sie aber wird Romney auch brauchen, wenn er im Herbst gegen Obama bestehen will. Der hatte auf solchen Kleinstspenden seinen Erfolg von 2008 gebaut, und auch in diesem Jahr machen sie bereits rund 47 Prozent seiner Spenden aus.

Bilderserie

Quelle: n-tv.de