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Der Wirbelsturm kommt zur rechten Zeit: Obama, der Retter, ist da!

Von Christian Rothenberg

Mit Gummistiefeln und Regenjacke bestreitet Barack Obama die letzten Tage des Wahlkampfes. Gegen die Urgewalt eines Hurrikans ist auch der US-Präsident machtlos. Doch "Sandy" beschert Obama die richtigen Bilder zur richtigen Zeit. Und auch der Arbeitsmarkt entwickelt sich kurz vor der Wahl ganz nach Obamas Wünschen.

Überschwemmung in Brigantine, New Jersey.
Überschwemmung in Brigantine, New Jersey.(Foto: Reuters)

Sie sind sich ganz nah. Der Mann mit der blauen Regenjacke drückt die Frau in dem blauen Kapuzenpullover an sich. Seinen Arm hat er liebevoll um ihre Schulter gelegt. Am Ringfinger seiner linken Hand funkelt ein Ring. Er schaut ernst zu Boden, sie ist den Tränen nah. Um die beiden herum stehen Menschen mit gesenkten Köpfen und Gummistiefeln - und andere mit Kameras.

Die Frau, die sich trösten lässt, ist Donna Vanzant. Sie ist Besitzerin von "North Point Marine", einem Jachthafen auf der zu New Jersey gehörigen Insel Brigantine. Doch seit "Sandy" über die USA zog, herrscht in dem beliebten Badeort Ausnahmezustand. New Jersey ist von allen Bundesstaaten am stärksten betroffen. Der Hurrikan hat fast alles zerstört. Von den Booten, mit denen Vanzant seit Jahren ihr Geld verdient, ist kaum etwas übrig geblieben.

"Sandy" mischt sich in den Wahlkampf ein

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Der Mann mit der Regenjacke und dem Ring ist Barack Obama. Die Betroffenheitsmiene begleitet den US-amerikanischen Präsidenten, seitdem sich "Sandy" angekündigt hat. Menschen wie Donna Vanzant trifft er in diesen Tagen überall. Der Wirbelsturm soll bis zu 20 Milliarden Dollar Schaden angerichtet haben. Man kann nicht sagen, dass Obama sich über den Hurrikan freut. Und doch kommt das Unwetter für ihn genauso zur richtigen Zeit. Denn es ist Wahlkampf. In der kommenden Woche wählen die US-Amerikaner – entweder den alten oder einen neuen Präsidenten.

Vor dem Sturm liegt Obama gleichauf mit seinem Herausforderer Mitt Romney. Zwar geht der Präsident aus zwei der drei TV-Duelle als Sieger hervor. Trotzdem bleibt der Republikaner in den Umfragen auf Augenhöhe. Wird der erste schwarze US-Präsident etwa schon nach vier Jahren abgewählt? Sogar ein George W. Bush schaffte es in eine zweite Amtszeit. Aber nach dem Sturm ist nicht vor dem Sturm. Sein Krisenmanagement könnte Obama jetzt die ausschlaggebenden Stimmen bringen. Obama, der Kümmerer, der die Menschen tröstet und umarmt – diese Bilder könnten am Ende die Wahl entscheiden. So wenig dieser Mann im Weißen Haus den Folgen von "Sandy" eigentlich entgegensetzen kann. In Momenten wie diesen zählen die Gesten und die warmen Worte.

Arbeitslosenquote knapp unter der entscheidenden Grenze

Und noch eine weitere Entwicklung gibt dem Präsidenten Rückenwind: Für Oktober wird nur ein minimaler Anstieg der Arbeitslosenquote von 7,8 auf 7,9 Prozent erwartet. Die Daten werden an diesem Freitag veröffentlicht – also kurz vor der Wahl am Dienstag. Kommt es wirklich so, liegen die Zahlen damit unter der magischen Grenze von 8 Prozent. Immer wieder wird derzeit darauf hingewiesen, dass noch nie ein Präsident wiedergewählt wurde, wenn die Arbeitslosenquote über diesem Wert lag.

Der Einbruch von "Sandy" kurz vor der Wahl erinnert an eine ähnliche Situation in Deutschland. Einige Wochen vor der Wahl liegt Gerhard Schröder im Sommer 2002 in Umfragen deutlich hinter seinem Herausforderer Edmund Stoiber. Doch dann kommt die Flut. Im August 2002 wird das Hochwasser an der Elbe zum wahlentscheidenden Ereignis. Schröder macht nicht mehr, als in grüner Regenjacke und schwarzen Gummistiefeln dorthin zu fahren, wo das Wasser am höchsten steht. Die Bilder sind unvergessen. Der Mann, der die Ärmel hochkrempelt und den Geschädigten mit ernster Miene gut zuredet, das kommt gut an. Am Ende holt Schröder die wichtigen Stimmen in den neuen Bundesländern – und gewinnt die Wahl.

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Quelle: n-tv.de