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Ohio entscheidet Rennen gegen Romney: Obama gewinnt US-Präsidentschaftswahl

Barack Obama bleibt Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Das prognostizieren mehrere US-Fernsehsender. Herausforderer Romney kann sich in wichtigen Schlüsselstaaten nicht durchsetzen, Ohio bringt die Entscheidung für den Demokraten. Ein deutscher Beobachter von der CDU kritisiert den Wahlablauf scharf.

In einem Herzschlagfinale hat Barack Obama die US-Präsidentschaftswahl gewonnen. Mehrere US-Medien meldeten dies auf Basis unterschiedlicher Quellen.

Prognosen des US-Fernsehsenders CNN zufolge gewinnt der Republikaner Mitt Romney zwar unter anderen im Schlüsselstaat North Carolina sowie im wichtigen Staat Texas - doch Amtsinhaber Obama holte demnach die für die Demokraten unsicheren Staaten New Hampshire, Pennsylvania, Wisconsin, Nevada und Iowa. Entscheidend war jedoch Ohio - wie bereits in vorangegangenen Wahlen.

Der US-Präsident hat auf dieser Basis derzeit 281 Wahlmänner, sein Rivale 201 - mindestens 270 sind nötig, um ins Weiße Haus einzuziehen.

Obama und Romney, Sieger und Verlierer.
Obama und Romney, Sieger und Verlierer.(Foto: REUTERS)

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Entscheidend für beide Kandidaten war, wie sie in den gut zehn Swing States mit ihren Wechselwählern abschneiden. Zu den wichtigsten "Wechsel-Staaten" zählen Florida, Virginia, Ohio und Colorado. Hier sahen die Meinungsforscher Obama im Vorteil.

Verzögerungen sind nicht ausgeschlossen. Wegen der erwarteten knappen Ergebnisse drohen auch Nachzählungen und juristische Klagen. Dies könnte das Ergebnis im schlimmsten Fall um Tage oder Wochen verzögern.

Enttäuschte Wähler

Gut ein Drittel der US-Wähler sieht einer CNN-Umfrage zufolge die eigene Situation heute schlechter als bei der Wahl Barack Obamas zum Präsidenten vor vier Jahren. Einer am Wählerbefragung zufolge sagten 34 Prozent, ihnen gehe es heute schlechter als 2008. Nur 24 Prozent sagten, ihre Situation habe sich verbessert. Mit 41 Prozent sahen die meisten ihre persönliche Situation kaum verändert.

Der Umfrage zufolge war die Wirtschaft das wichtigste Thema des Wahlkampfs. 40 Prozent der Befragten nannten dabei die Arbeitslosigkeit und 37 Prozent steigende Preise als größte Probleme. Deutlich dahinter liegen mit 13 Prozent hohe Steuern und mit 8 Prozent der Immobilienmarkt.

Der US-Botschafter in Berlin hofft auf einen erneuten Wahlsieg des amtierenden Präsidenten Barack Obama. "Mein Herz ist für Obama, keine Frage", sagte Philip Murphy. In Deutschland können 158.700 US-Bürger ihre Stimme abgeben. Zu den etwa 93.700 wahlberechtigten US-Bürgern kommen weitere 50.000 in Deutschland stationierte US-Soldaten und 15.000 amerikanische Zivilangestellte. In der Regel haben die Auslands-Amerikaner per Briefwahl abgestimmt.

Präsident votierte vorher

Obama hatte seine Stimme schon vor knapp zwei Wochen in seiner Heimatstadt Chicago abgegeben. Er war der erste Amtsinhaber, der vor dem eigentlichen Wahltag votierte. Romney stimmte in seiner Wahlheimat Boston ab. Er fühle sich "sehr, sehr gut", sagte Romney. Auch Obama sagte, er erwarte eine "gute Nacht" für die Demokraten.

In Ohio entschied sich die Wahl.
In Ohio entschied sich die Wahl.(Foto: dpa)

Bis zum Schluss kämpften beide Kandidaten mit aller Härte um unentschiedene Wähler. Obama wurde nicht müde, Romney als Anwalt der Reichen zu brandmarken. Romney prangerte das Versagen des Demokraten in der Wirtschaftspolitik angesichts hoher Arbeitslosigkeit und mauer Konjunktur an.

Der Republikaner setzte sogar noch am Wahltag seine Kampagne fort: Er reiste in die heiß umkämpften Staaten Ohio und Pennsylvania. Obama würdigte den Einsatz seines Kontrahenten. Er gratulierte Romney zu dessen "schwungvollem Wahlkampf" und einem "hart umkämpften Rennen". Schätzungsweise drei Milliarden Dollar (knapp 2,35 Mrd Euro) dürften beide Kontrahenten in die als Schicksalswahl beschworene Auseinandersetzung gesteckt haben.

Harsche Kritik an Ablauf

Der deutsche OSZE-Wahlbeobachter Jürgen Klimke (CDU) kritisierte die Wahlabläufe vor Ort. Die Vertreter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) seien in ihrer Arbeit eingeschränkt worden, sagte der Bundestagsabgeordnete der "Welt". "Wir durften nicht so agieren wie bei Wahlbeobachtungen in anderen Ländern", sagte Klimke.

Der CDU-Politiker beklagte, dass den Wahlbeobachtern die zu besuchenden Wahllokale vorgegeben worden seien. Eine breite Überprüfung sei damit nicht möglich gewesen. Zudem habe er nur eine begrenzte Anzahl an Wahllokalen besuchen dürfen. Kritik übte er auch an den Zuständen in den Wahllokalen. Allein die Frage der Registrierung der Wähler sei oftmals nicht so nachvollziehbar, wie es in Deutschland oder anderen Ländern der Fall sei.

Wahlbeobachter dürften zudem in einigen Wahllokalen nicht fotografieren, kein Handy mitführen und die Leute nicht ansprechen. Klimke monierte auch, dass in manchen Wahllokalen Bilder von Präsident Barack Obama hingen. "Das ist indirekte Wahlbeeinflussung", sagte er. Auch die teils langen Warteschlangen vor den Wahllokalen seien "unzumutbar".

Die OSZE hat nach Angaben Klimkes 80 Wahlbeobachter zur US-Präsidentschaftswahl entsandt. Klimke beobachtet als einer von zwei deutschen Bundestagsabgeordneten die Wahl. Er machte sich in den Staaten Virginia und Maryland sowie Washington D.C. ein Bild von den Wahlabläufen. Zuletzt hatte der Politiker für die OSZE die Parlamentswahl in der Ukraine Ende Oktober beobachtet.

Kongress verändert sich

Gewählt wurde auch der Kongress: alle 435 Abgeordneten und rund ein Drittel des 100-köpfigen Senats. CNN prognostizierte, dass das Repräsentantenhaus in republikanischer Hand bleibt. Die Demokraten behalten demnach die Mehrheit im Senat.

Offiziell begann der Wahltag um fünf Uhr morgens Ortszeit (11 Uhr MEZ) im Bundesstaat Vermont. Die Bürger von Hawaii und Alaska bilden den Abschluss. In Alaska sind die Wahllokale bis 6 Uhr MEZ am Mittwoch geöffnet.

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Quelle: n-tv.de