Politik
Barack Obama wollte Kooperation, bekam aber Gegenwind.
Barack Obama wollte Kooperation, bekam aber Gegenwind.(Foto: REUTERS)

Platz für die Tea Party: Obama war zu friedlich

Der Countdown für die Wahl des US-Präsidenten tickt immer lauter. Das hauchdünne Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Obama und Romney könnte kaum spannender sein. Neueste Umfragen sehen beide gleichauf. Über die Rolle der ultrakonservativen Tea Party, Obamas Straßenkampf und Romneys Stärken berichtet Politik-Kenner Jerry Mayer von der George Mason Universität im Interview mit n-tv.de.

n-tv.de: In den USA sprechen viele über den "Gridlock", den politischen Stillstand in Washington. Die Republikaner blockieren seit Monaten jedes politische Vorhaben des Präsidenten. Obama hatte vor vier Jahren gesagt, er wolle einen neuen Weg beschreiten. Das hieß auch, mit den Republikanern zusammenzuarbeiten und gemeinsame Ziele zu erreichen. War Präsident Obama da zu blauäugig?

Jerry Mayer: Ich denke, Obama hat die Situation damals völlig falsch eingeschätzt. Die Leute um ihn herum haben gesagt, du bist verrückt, du musst populistischer sein, du musst den Gegner attackieren. Aber Obama wollte es weiter mit Kooperation und Verhandlungen versuchen. Das war ein großer Fehler.

Welche Rolle hat die konservative Tea Party in der amerikanischen Politik in den vergangenen Jahren in Bezug auf Präsident Obamas Politik gespielt?

Den größten Effekt, den die Tea Party hatte, war, dass sich die Loyalität innerhalb der Partei auf ein historisch hohes Niveau erhöht hat. Die Republikanische Partei hat weder bei kleinen noch bei großen Themen mit der Regierung von Barack Obama zusammengearbeitet. Denn jeder Republikaner hatte Angst, wenn er Obama unterstützt, wird sich die Tea Party bei der nächsten Gelegenheit rächen und ihn bei den nächsten Vorwahlen rausschmeißen. Und da haben sie nie lange gefackelt.

Wie genau sah so ein Vorgehen aus?

Jerry Mayer von der George Mason Universität nahe Washington.
Jerry Mayer von der George Mason Universität nahe Washington.

Das waren indirekte Drohungen. Wer auch immer sich mit Obama hat sehen lassen, ihm nur indirekt half oder ihn symbolisch umarmte, der war dran. Dann wurde bei der nächsten Vorwahl ein Tea-Party-Aktivist auf die Liste gesetzt. Und der Tea-Party-Vertreter bekam bei der Vorwahl fast immer die meisten Stimmen und gewann. Wenn ein Republikaner Obama half, bedeutete das sofort das Ende der politischen Karriere. Viele sehr bekannte Republikaner sind heute nicht mehr in Washington vertreten.

Wo lagen in diesem Wahlkampf die Stärken von Romney und von Obama?

Mitt Romneys größte Stärke war, dass er seine eigene politische Ausrichtung in den letzten Wochen ändern konnte. Vor seiner Nominierung musste er für viele konservative Themen stehen, heute gilt er als viel moderater. Das ist es spät passiert, aber es ist passiert, und das ist bemerkenswert. Und bisher wurde er dafür auch nicht bestraft. Barack Obamas große Stärke ist der sogenannte Straßenkampf. Sein Team hat es gut verstanden, die Leute zu mobilisieren, die ihn möglicherweise wählen würden. Auch seine Strategie, Mitt Romney sehr früh in TV-Spots anzugreifen, war ein sehr kluger Schachzug. Und das hat vor allem in den bisher noch unentschiedenen Staaten sehr gut funktioniert. Romney ist in diesen sogenannten Swing States nicht so populär, wie er es im Rest der USA ist.

Wer wäre besser für Deutschland? Obama oder Romney?

Ich glaube, es ist egal. Keiner von beiden wird die Beziehungen zu Deutschland, der EU oder der Nato wirklich ändern. Obama ist etwas internationaler orientiert, das kriegt Romney aber auch hin.

Mit Jerry Mayer sprach Hero Warrings

Quelle: n-tv.de