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Sein langer Weg zu Michelle RobinsonObamas Ex-Freundinnen plaudern

04.05.2012, 00:00 Uhr
imagevon Sebastian Schöbel
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Vor Michelle gab es noch andere Frauen in Barack Obamas Leben - zwei haben nun erstmals über ihr Leben mit ihm gesprochen. (Foto: REUTERS)

Wie tickt Obama? Ein US-Journalist will diese Frage in einem neuen Buch beantworten - und hat dafür zwei Ex-Freundinnen des Präsidenten besucht. Die erzählen Details aus Obamas Zeit in New York: über einen jungen Mann zwischen Liebe und Selbstzweifeln.

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Obama mit seinen Großeltern mütterlicherseits, Stanley und Madelyn Dunham. (Foto: Reuters)

Gut aussehend, intelligent und irgendwie geheimnisvoll: So wirkte der junge Barack Obama Anfang der 80er Jahre auf sein Umfeld, als er in New York lebte und mit dem Uni-Abschluss in der Tasche erste Schritte ins Berufsleben unternahm. Das jedenfalls berichten nun erstmals zwei Ex-Freundinnen von damals in einem neuen Buch.

Der anerkannte Journalist und Autor David Maraniss hat sich für "Barack Obama: The Story" mit den beiden Frauen getroffen und exklusive Einblicke in ihre Briefe und Tagebücher bekommen. Ihre Erinnerungen zeichnen das Bild von einem jungen Obama, der schon viel von der Welt gesehen, sich selbst aber noch nicht gefunden hatte.

Die Sommer-Romanze Alex

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Obama als kleiner Junge in einem Familienbild, Aufnahmedatum unbekannt. (Foto: Reuters)

Obamas erste Liebe in New York war Alex McNear. Die beiden lernten sich bereits am Occidental College in Kalifornien kennen, wurden aber erst 1982 ein Paar, als Obama bereits an der Ostküste lebte. Bei einem romantischen Abendessen funkte es heftig, sagt McNear heute. "Ich erinnere mich, wie glücklich ich war, stundenlang mit ihm reden zu können."

Die Romanze dauerte den Sommer über an, danach zog McNear zurück nach Kalifornien. Die beiden führten eine Briefbeziehung über den gesamten Kontinent hinweg, tauschten sich über Literatur und Philosophie aus. Obama zitierte mit Vorliebe aus Romanen, schrieb lyrische Liebesbriefe - und teilte mit McNear die tiefen Selbstzweifel, die an ihm nagten.

Seine Herkunft - Sohn einer weißen Frau aus Kansas und einem schwarzen Mann aus Kenia - lösten bei Obama eine lange und zuweilen schmerzhafte Suche nach der eigenen Identität aus. War er schwarz oder weiß, war er Amerikaner oder ein internationaler Heimatloser? "Tief in eigenen Gedanken versunken" sei er damals gewesen, so Obama heute im Gespräch mit Autor Maraniss. "Die einzige Möglichkeit, mein Gefühl der Isolation zu beschwichtigen ist, alle Traditionen und sozialen Klassen in mir aufzunehmen", so Obama, "sie mir einzuverleiben, sie zu verkörpern."

Die schöne Australierin Genevieve

Ein Weg der Mitte, der 2008 in einem großen Wahlversprechen kulminierte: Obama als ultimativer Mann der Mitte, als Brücke zwischen den vielen Bruchstücken der US-amerikanischen Gesellschaft.

Doch an diesem Punkt war der junge Obama Anfang der 80er Jahre noch lange nicht angekommen. Auch mit seiner nächsten Freundin, der Australierin Genevieve Cook, setzte er seine Identitätssuche fort. Die beiden lernten sich bei einer Weihnachtsfeier 1983 kennen und sollten etwas über ein Jahr zusammenbleiben.

Beide hatten schon an vielen Orten gelebt, waren unter anderem zur etwa gleichen Zeit als Kinder in Indonesien und fanden an diesem Weihnachtsabend ohne Umwege und Mistelzweig zusammen. "Ich bin mir ziemlich sicher, dass wir uns am Mittwoch darauf zum Abendessen trafen", erzählt Cook heute. "Danach haben wir im Schlafzimmer geredet. Und ich blieb. Es fühlte sich unvermeidbar an."

Suche nach Mrs. Right

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Das Hochzeitsfoto von Michelle und Barack Obama. (Foto: Reuters)

In ihrem Tagebuch schwärmt die damals 25-Jährige von ihrem neuen Freund, einem asketischen Läufertyp mit großen Idealen und einer ungewöhnlichen Aura. "Wie alt er schon wirkt, dabei ist er erst 22", notierte Cook im Januar 1984 in ihr Tagebuch.

Doch Obama öffnete sich auch für die schöne Australierin nur sehr zögerlich. "Die sexuelle Wärme ist definitiv da", schreibt sie damals, "aber der Rest hat scharfe Kanten." Seine Distanziertheit und Kühle habe sie verärgert, so Cook. Obama sei liebenswert, aber auch "vorsichtig, kontrolliert, unerreichbar".

Als sie ihm schließlich ihre Liebe gesteht habe er nur "vielen Dank" gesagt, schreibt Maraniss. Obama quälte die Erinnerung an den verstorbenen Vater in Kenia, den er kaum kannte. Und er sprach mit Genevieve Cook viel über seine Suche nach der "richtigen" Frau. Ihr sei klar geworden, was Obama damit meinte: Eine "sehr starke, sehr aufrechte, erfahrene Kämpferin - eine schwarze Frau."

1985 trennte sich das Paar. Cooks Hoffnung, Obamas Kampf mit sich selbst wäre bald überstanden und er könne sich in sie verlieben, blieb unerfüllt. "Die geschmeidige, lebhafte, starke schwarze Frau wartet anderswo", notiert sie am 23. März in ihr Tagebuch. Vier Jahre später traf Obama eine gewisse Michelle Robinson in Chicago.

Maraniss könnte mit "Barack Obama: The Story" eine der bisher besten Biografien über den 44. US-Präsidenten gelungen sein - näher ist Obama bisher jedenfalls kaum ein Schreiber gekommen. Einige Beobachter spekulieren bereits, dass ihm das Buch auch schaden könnte. Schließlich habe Maraniss bereits Ex-Präsident Bill Clinton mit all seinen persönlichen Verfehlungen sehr treffend porträtiert. Nun laufe Obama Gefahr, die Kontrolle über seine eigene Geschichte zu verlieren, schreibt das Nachrichtenportal "Politico". Nicht zuletzt deswegen habe er Maraniss ein langes Interview gegeben.

Die vorab veröffentlichten Auszüge lassen jedoch einen anderen Schluss zu. Die Erinnerungen seiner Ex-Freundinnen vervollständigen das Bild, das Obama von sich selbst in der Autobiografie "Dreams from my father" gemalt hat: ein Mann auf der Suche nach sich selbst, der am Ende vor allem wegen dieser Lebensgeschichte zu einem nationalen Hoffnungsträger wird - zumindest für eine kurze Zeit. Und mehr Facetten dürften auch der Geschichte des Barack Hussein Obama gut tun.

Quelle: ntv.de