Politik

Erfolgreiche Schlammschlacht: Romney wieder vor Gingrich

von Sebastian Schöbel

Nach seinem Sieg in South Carolina sah es kurz so aus, als könne Gingrich auch im "Sunshine State" gewinnen. Doch eine Welle negativer Werbung und jede Menge Widerstand von der republikanischen Elite lässt ihn in Florida schwächeln. Romney führt inzwischen deutlich.

Umfrage

Herman Cain hält noch zu ihm - ausgerechnet Cain. Der Pizza-Pate, Tea-Party-Liebling und an Vorwürfen sexueller Belästigung gescheiterte Ex-Präsidentschaftskandidat Cain stellte sich in dieser Woche demonstrativ hinter Newt Gingrich. Eine zweischneidige Hilfe, schließlich erinnerte sie daran, dass auch Gingrich es mit der ehelichen Treue nicht immer ganz genau nahm.

Sarah Palin verteidigte Gingrich am Samstag gegen den Vorwurf, er sei kein Fan des beliebten Ronald Reagan gewesen. Eine "stalinistische Umschreibung der Geschichte" sei das, klagte Palin an - wohlgemerkt, die Kritik richtete sich nicht gegen die Demokraten, sondern gegen ihre eigene Partei, die Republikaner.

Denn die geht nach Gingrichs Sieg in South Carolina offenbar in die Anti-Newt-Offensive: Kaum ein Tag vergeht, an dem sich kein führendes Mitglied der Partei gegen Gingrich ausspricht. Zuletzt äußerte sich Bob Dole, der 1996 als republikanischer Präsidentschaftskandidat gegen Bill Clinton unterlag, in der konservativen "National Review". "Wenn Gingrich nominiert wird, dann wirkt sich das negativ auf alle republikanischen Kandidaten für Posten in den Gemeinden, Bundesstaaten und der Hauptstadt aus."

Historiker von Vergangenheit eingeholt

Nicht beliebt, aber aus Sicht der Republikaner offenbar das kleinere Übel: Mitt Romney.
Nicht beliebt, aber aus Sicht der Republikaner offenbar das kleinere Übel: Mitt Romney.(Foto: dpa)

Vor allem Gingrichs Zeit als Mehrheitsführer im Repräsentantenhaus gerät immer wieder in den Fokus. Damals wurde er zu einer Strafzahlung von 300.000 Dollar verurteilt, weil er gegen die Ethikregeln des Kongresses verstoßen hatte. Auch mit seinem Führungsstil war er immer wieder angeeckt. Nach seinem Ausscheiden aus dem Kongress war der gelernte Historiker Gingrich einer der unbeliebtesten Politiker seiner Generation.

Die Unterstützung von politischen Randfiguren wie Palin und Cain unterstreicht daher immer deutlicher Gingrichs Abseitsstellung in der eigenen Partei. Die hat sich - trotz einiger Bauchschmerzen - mit Romney abgefunden.

Gingrich hingegen stellt auf stur: Er werde bis zum Nominierungsparteitag im Rennen bleiben, egal wie die Wahl in Florida ausgeht. "Warum fragen Sie nicht Gouverneur Romney, was er tut, falls er verliert?"

Romney flutet Florida

Danach sieht es zurzeit allerdings nicht aus. Der Vorsprung, den Gingrich in Umfragen noch vor wenigen Tagen hatte, ist zum Rückstand geworden. Romney führt in Florida aktuell mit rund 8 Prozentpunkten vor Gingrich.

Dabei zeigt sich erneut, wie anfällig Wähler für negative Wahlkampfwerbung sind. Noch Anfang der Woche meldete das renommierte Institut Gallup, dass Gingrich Romney in der bundesweiten Befragung von Republikanern überflügelt habe. Dann überschwemmte das Romney-Lager, das seine Attacken bisher auf US-Präsident Barack Obama konzentriert hatte, Floridas TV-Stationen mit Anti-Gingrich-Spots. Darin wurde unter anderem an Gingrichs schmachvollen Abgang aus dem Kongress erinnert. Und er habe als Berater des Immobilienriesen Freddie Mac 1,6 Millionen Dollar verdient, "während Familien in Florida alles verloren". Freddie Mac gilt als einer der Hauptschuldigen in der Immobilienkrise, die das Land bis heute fest im Griff hat.

Gingrich kann sich gegen Romneys gut finanzierte Wahlkampfmaschine kaum zur Wehr setzen, ihm fehlt das Geld. Allerdings hat die Polit-Lobbyorganisation "Winning Our Future" bereits angekündigt, eine  Fortsetzung des Anti-Romney-Films "King of Bain" zu veröffentlichen. "Blutgeld" soll sich mit Romneys angeblich illegalen Geschäften im Gesundheitssektor befassen. Kritiker werfen der Pseudo-Dokumentation schon jetzt vor, die Fakten zu verdrehen. Auch von "King of Bain" musste sich Gingrich später distanzieren.

Quelle: n-tv.de