Politik
Santorum beim Wahlkampf in Alabama.
Santorum beim Wahlkampf in Alabama.(Foto: REUTERS)

Doppelsieg in Alabama und Mississippi: Santorum feiert im Dixie-Land

von Sebastian Schöbel

Der US-Wahlkampf bleibt spannend: Der konservative Ex-Senator Santorum gewinnt die Vorwahlen im "tiefen Süden" der USA. Spitzenreiter Romney verliert deutlich, am bittersten aber ist das Ergebnis für Mitbewerber Gingrich: Er war hier zum Siegen verdammt.

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"Wir haben es schon wieder getan", rief Rick Santorum seinen Anhängern zu, da waren die Stimmen in Mississippi und Alabama noch gar nicht endgültig ausgezählt. Doch das Ergebnis stand bereits fest: Der konservative Ex-Senator hat die wichtigen Vorwahlen in "Dixie", wie die Region genannt wird, knapp gewonnen.

In Alabama kommt Santorum auf rund 35 Prozent, dicht gefolgt von Gingrich und Romney mit je 29 Prozent. Obwohl die Auszählung in Alabama langsamer voran ging stand hier das Ergebnis früh fest.

Anders in Mississippi. Auch als schon über 90 Prozent der Stimmen ausgezählt waren trennten nur rund 2000 Stimmen Gingrich und Santorum. Erst gegen 4 Uhr deutscher Zeit, fast drei Stunden nach Schließung der Wahllokale, erklärte ihn CNN schließlich zum Sieger. Am Ende lag er mit etwas mehr als 4000 Stimmen vorn.

"Ich bete für Sie"

Ein Wähler in Alabama auf dem Weg zur Abstimmung.
Ein Wähler in Alabama auf dem Weg zur Abstimmung.(Foto: AP)

Seine Siegesrede hielt Santorum mehrere hundert Kilometer weiter westlich, im Bundesstaat Louisiana, wo am 24. März abstimmen wird. "Ich bete für Sie", sei die häufigste Botschaft, die er auf Wahlkampfveranstaltungen höre, so Santorum - ein klarer Verweis auf seine religiös-konservative Überzeugung, die ihm wohl auch den Sieg in Mississippi und Alabama beschert haben dürfte. Rund 80 Prozent der Wähler hier hatten sich vor der Abstimmung zu den streng-konservativen evangelikalen Christen gezählt.

Den Doppelerfolg im Kampf gegen Romney verglich Santorum sogleich mit dem biblischen Duell David gegen Goliath. "Wer sich für mich entschieden hat, hat das gegen alle Widerstände getan", sagte Santorum. Die Behauptung des Romney-Lagers, dass das Rennen um die Delegierten bereits entschieden sei, wies Santorum kampfeslustig zurück. "Wir werden die Nominierung noch vor dem Parteitag gewinnen."

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Santorum nutzte die Nähe zur Golfküste, um Barack Obamas Energiepolitik scharf zu verurteilen. Das Moratorium auf Bohrungen vor der Küste habe nicht nur den Benzinpreis in die Höhe getrieben. "Dieser Präsident hat fast im Alleingang diese ganze Region arbeitslos gemacht." Die Folgen der Ölkatastrophe nach dem Untergang der Förderplattform "Deepwater Horizon", wegen der noch ein Gerichtsverfahren anhängig ist, erwähnte Santorum nicht.

Gingrich macht auf Kumpel

Der Zweitplatzierte Newt Gingrich gratulierte Santorum am Abend zu dessen Erfolgen. "Ich weiß, wie viel er und seine Familie in diesen Wahlkampf gesteckt haben", so der ehemalige Sprecher des US-Repräsentantenhauses. Für Romney, den "handerlesenen Kandidaten der Medienelite", hatte Gingrich hingegen nur Spott übrig. "Wenn du als Spitzenreiter nur Dritter wirst, bist du kein Spitzenreiter."

Mit auffällig Santorum-freundlicher Rhetorik versuchte Gingrich, seinen konservativen Konkurrenten als Partner im Kampf gegen den "Moderaten aus Massachusetts" einzuspannen. "Die beiden konservativen Kandidaten haben 70 Prozent der Stimmen erhalten", so Gingrichs Rechnung.

Was das Wahlergebnis vom Dienstag allerdings erneut zeigt: Gingrich nimmt Santorum konservative Wähler und damit Delegierte ab, und hilft damit vor allem Romney. Die Abstimmungen in Alabama und Mississippi musste Gingrich eigentlich gewinnen, um wenigstens bei seinen vermeintlichen Stammwählern im Süden Stärke nachzuweisen - was ihm aber nach der Niederlage in Tennessee am "Super Tuesday" erneut nicht gelang. Ein frühzeitiges Ende seiner Kampagne schloss er allerdings erneut kategorisch aus.

Kein Vorteil bei Delegierten

Insgesamt gab es in Alabama 50 Delegierte zu gewinnen, in Mississippi 40. Da Santorum, Gingrich und Romney jedoch recht eng beieinander liegen und beide Staaten die meisten Delegierten proportional zum Ergebnis verteilen, wird sich in der Gesamtrechnung nur wenig verändern: Romney führt weiterhin mit rund 480 Delegierten vor Santorum mit rund 230 und Gingrich mit rund 140 Delegierten.

Auch Hawaii und Amerkanisch-Samoa stimmen in der Nacht zum Mittwoch ab. Hawaii, wo Romney als Favorit ins Rennen geht, vergibt 20 Delegierte, Samoa 9.

Quelle: n-tv.de