Politik
Spuren eines langen Kampfes: Werbeschilder von Newt Gingrich und Mitt Romney.
Spuren eines langen Kampfes: Werbeschilder von Newt Gingrich und Mitt Romney.(Foto: REUTERS)

South Carolina stellt die Weichen neu: Vorwahlen werden zum Kampf

von Sebastian Schöbel

Mit dem Sieg in South Carolina hat Gingrich die Vorwahlen der US-Republikaner wieder spannend gemacht. Nun muss er im "Sunshine State" Florida beweisen, dass er keine Eintagsfliege ist. Ein Blick auf die nächsten Abstimmungen dürfte ihn aber optimistisch stimmen. Doch auch Präsident Obama gehört zu den Gewinnern von South Carolina.

Die Kandidaten auf Twitter

"Danke South Carolina! Helft mir, in Florida den Knockout-Schlag zu landen. Jetzt spenden."
Newt Gingrich

"Ich gratuliere Sprecher Gingrich zu seinem hart umkämpften Sieg in South Carolina."
Mitt Romney

"Drei Wahlen - drei Sieger. Das Rennen um die GOP-Nominierung ist weit offen. Schließt euch mir an!"
Rick Santorum

"Gingrichs Erfolg heißt, dass die Tea Party aufgegeben hat."
Ron Paul, getwittert von Sprecher Jack Hunter

Der 21. Januar 2012 war ein Freudentag für die US-amerikanischen Hoteliers. In Nevada, Maine, Georgia und all den anderen Bundestaaten, in denen noch Vorwahlen ausstehen, werden am Samstagabend wohl die Sektkorken geknallt haben. Denn statt einer deutlichen Führung des bisherigen Spitzenreiters Mitt Romney ist nach drei Abstimmungen die für sie ideale Situation entstanden: kein klarer Favorit in Sicht, der Wahlkampfzirkus zieht weiter durchs Land und mindestens bis März wird das wohl auch so bleiben.

Auch Newt Gingrich war die Zufriedenheit anzusehen, und das will etwas heißen beim Mann mit dem vielleicht größten Ego in diesem Wahlkampf. Weder die Welle an negativen Werbespots seiner Gegner, allen voran von Romney, noch die Ex-Frau plaudert über Gingrich konnten ihn in South Carolina stoppen: 40 Prozent gegenüber Romneys 28 Prozent sprechen eine deutliche Sprache.

Gingrich, der Romney finanziell weit unterlegen ist (siehe Infobox), konnte offenbar die TV-Debatten optimal nutzen, um sich zu empfehlen. Zwei von drei Wählern hätten sich am Samstag wegen seiner rhetorischen Fertigkeiten für ihn entschieden, berichtet die Washington Post. Gingrich hatte zuvor wiederholt mit dem Argument geworben, nur er könne Barack Obama im Rededuell Paroli bieten.

Gingrich ließ sich von seinen Anhängern feiern.
Gingrich ließ sich von seinen Anhängern feiern.(Foto: REUTERS)

Wohl auch deshalb versprach Gingrich seinen Anhängern am Samstag: "Wenn ich euer Kandidat werde, dann fordere ich Präsident Obama zu sieben dreistündigen Debatten heraus". Geplant sind bisher nur drei. Und er fügte selbstbewusst hinzu: "Nicht enttäuscht sein, aber ich habe ihm schon erlaubt, dass er einen Teleprompter nutzen darf."

Vor der wichtigen Wahl in Florida ist damit aus dem erwarteten Durchmarsch Romneys nun ein Zweikampf geworden - mindestens, denn auch Rick Santorum kann sich noch Chancen ausrechnen. Entsprechend aggressiv tritt zurzeit das Romney-Lager in Florida auf: Die Kampagne hat bereits Hundertausende Dollar für Werbezeit ausgegeben. Hinzu kommt die Unterstützung des für Romney arbeitenden Super-PACs "Restore our Future". Der hat allein in den letzten zehn Tagen rund 1,5 Millionen Dollar für Werbung in Florida ausgegeben, berichtete die Zeitung "Orlando Sentinel". Super-PACs sind Lobbygruppen, die in Wahlkämpfen ihren Kandidaten unterstützen, aber formell von ihm unabhängig sind.

Präsident zu werden wird immer teurer

Kassensturz der Kandidaten

Mitt Romney
Einnahmen: 32,2 Millionen
Ausgaben: 17,6 Millionen
In der Kasse: 14,7 Millionen

Newt Gingrich
Einnahmen: 2,9 Millionen
Ausgaben: 2,5 Millionen
In der Kasse: 353.000

Rick Santorum
Einnahmen: 1,3 Millionen
Ausgaben: 1,1 Millionen
In der Kasse: 190.000

Ron Paul
Einnahmen: 12,6 Millionen
Ausgaben: 8,9 Millionen
In der Kasse: 3,7 Millionen
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Barack Obama
Einnahmen: 86,2 Millionen
Ausgaben: 27,1 Millionen
In der Kasse: 61,4 Millionen

Stand: Oktober 2010, Alle Angaben gerundet und in Dollar
Quelle: Open Secrets (unabhängiges Forschungsinstitut für Geldströme in der US-Politik)

Und solche Zahlen könnten am Ende den Ausschlag geben: Geld spielt mit jedem weiteren Wahlkampftag eine noch größere Rolle. Da steht Romney bisher besser da als Gingrich und Santorum. Nur Ron Paul kann mithalten, doch der Libertäre ist selbst nach drei soliden Ergebnissen krasser Außenseiter. Mit seinem Sieg in South Carolina hat Gingrich nun aber gute Argumente bei potenziellen Spendern. Schon am Wahlabend wurde zum Beispiel spekuliert, ob der Kasinomillionär Sheldon Adelson weitere Millionen in Gingrichs Kampagne investieren wird. Bereits Anfang Januar hatte er einem pro-Gingrich Super-PAC 5 Millionen Dollar überwiesen.

Mit Florida wartet am 30. Januar die nächste Hürde. Für Newt Gingrich wird es darum gehen, den Schwung aus South Carolina mitzunehmen und erneut bei konservativen Wählern zu punkten. Weniger als ein starker zweiter Platz sollte allerdings nicht dabei herauskommen, sonst dürfte seine Erfolgswelle als gestoppt gelten. Rick Santorum muss seinerseits beweisen, dass er auch weiterhin als konservative Alternative zu Mitt Romney gelten kann - dafür muss er Gingrich Wähler abjagen.

Romney führt zurzeit in den Umfragen im "Sunshine State" mit bis zu 24 Prozent. Doch nach der Pleite in South Carolina muss er sich seinen Favoritenstatus zurückerobern. Das aber schafft nur ein deutlicher Sieg. Die Wählergruppen in Florida sind sehr viel durchmischter, der Anteil an moderaten Republikanern ist höher als in South Carolina. Ein Vorteil für Romney, ein Nachteil für Gingrich. Und Floridas überaus beliebter Ex-Gouverneur Jeb Bush, Bruder von Ex-Präsident George W. Bush, will sich erst nach der Vorwahl für einen Kandidaten aussprechen - ein mächtiger Bonus, der aus dem Spiel genommen wird.

Bis März bleibt es spannend

Wenn Mitt Romney noch ins Weiße Haus einziehen will, muss er sich auf eine lange und schwierige Anreise einstellen. Denn auch die Zeit nach Florida verspricht jede Menge Spannung. Anfang Februar wählen zunächst Maine und Nevada, wobei Gingrich vor allem im letzteren Bundesstaat Chancen hat. Es folgt mit Colorado einer der wichtigen Wechselwähler-Staaten, und Gingrich führt dort bisher deutlich. Hinzu kommt Minnesota. Michigan und Arizona am 28. Februar sind dann wieder Romney-Land. Es folgt Washington (im Westen) und danach der große Tag am 6. März: "Super Tuesday". Insgesamt elf Bundesstaaten stimmen ab, darunter Schwergewichte wie Georgia (gut für Gingrich) und Ohio (gut für Romney). Hier geht Gingrich allerdings mit einem Handicap an den Start: In Virginia, das ebenfalls wählt, hat er es nicht auf die Wahlzettel geschafft.

Bis Anfang März lohnt es sich für die Kandidaten also in jedem Fall, dabei zu bleiben. Lediglich der libertäre Ron Paul könnte eher ausscheiden - um als Kandidat einer Drittpartei anzutreten.

Geschichte spricht gegen Romney

Zumindest aus historischer Sicht ist das Rennen aber schon gelaufen: Seit 1980 hat jeder Gewinner der republikanischen Primary in South Carolina auch die Nominierung für die Präsidentschaftswahl gewonnen. Einen Lichtblick aber gibt es für Romney: Laut einer aktuellen Umfrage liegt er in vier von fünf der wichtigen Wechselwähler-Staaten vor Obama, darunter auch Florida.

Wirklich Angst haben muss der Präsident aber nicht: Wie South Carolina gezeigt hat, sind seine republikanischen Gegner bereit, sich für den Sieg gegenseitig zu zerfleischen. Je länger der Wahlkampf dauert, desto mehr werden sie sich gegenseitig an den Kopf werfen. Den Streit über Romneys Steuererklärung nutzen die Demokraten zum Beispiel bereits in einem neuen Werbespot.

Quelle: n-tv.de