Politik
Rick Santorum hat erst gut 200 Delegierte für den Nominierungsparteitag zusammen. Wie alle anderen Bewerber braucht er am Ende mindestens 1144.
Rick Santorum hat erst gut 200 Delegierte für den Nominierungsparteitag zusammen. Wie alle anderen Bewerber braucht er am Ende mindestens 1144.(Foto: AP)

Vorwahlen in drei US-Bundesstaaten: Werben um Dixie

von Sebastian Schöbel

Kann Romney auch im konservativen Süden gewinnen? Seine Chancen für die Vorwahlen am Dienstag in Alabama und Mississippi sind überraschend gut. Für Gingrich könnte es hingegen das endgültige Ende seiner Kampagne sein: Verliert er nur einen der beiden Staaten, ist sein bestes Argument dahin.

"Mir ist schon klar, dass das hier kein Heimspiel für mich ist", gab Mitt Romney kürzlich in einem Interview mit einem Radiosender aus Alabama zu. Der Präsidentschaftskandidat aus dem Norden ist in Dixie, also im tiefsten Süden der USA, nur Außenseiter – was sein größtes Problem ist, schließlich lebt hier die konservative Basis seiner Partei. Doch das könnte sich am Dienstag ändern: Dann stehen die Vorwahlen in Alabama und Mississippi an, und wenn die Umfragen nicht völlig danebenliegen, könnte Romney eine große Überraschung gelingen.

Umfragen sehen Romney vorn

In Mississippi kommt Romney laut aktuellen Zahlen des konservativen Umfrageinstituts Rasmussen auf 35 Prozent, 8 Prozent vor Rick Santorum und Newt Gingrich. Wie aussagekräftig das ist, lässt sich schwer sagen, denn in einer Umfrage der American Research Group aus dem gleichen Zeitraum liegt Gingrich mit 35 Prozent an der Spitze, gefolgt von Romney mit 31 Prozent und Santorum mit 20 Prozent. Es lässt sich nicht verlässlich voraussagen, wie eng das Rennen in Mississippi ausfallen wird, doch Romney scheint mindestens Chancen auf Platz zwei zu haben, was nach seinen bisher bescheidenen Ergebnissen im Süden ein großer Erfolg wäre.

Auch in Alabama zeichnet sich ein knappes Rennen mit möglicherweise überraschendem Ausgang ab. Aktuelle Umfragen widersprechen sich auch hier teilweise deutlich, im Schnitt aber liegen Gingrich, Santorum und Romney gleichauf – mit einem leichten Vorteil für Romney.

Maisgrieß im Hilton

Mitt Romney liegt derzeit klar vorne.
Mitt Romney liegt derzeit klar vorne.(Foto: dpa)

Für den er allerdings auch hart arbeiten musste. Er habe sich den lokalen Dialekt angeeignet, sagte Romney kürzlich vor Wählern in Mississippi. "Und ich mag Maisgrieß, und solche Sachen. Gleich heute Morgen hatte ich Grieß mit Käse. Lecker." Hätte er es dabei belassen, der Spott über diese ambitionierten Versuche der Anbandelung wäre wohl milde ausgefallen. Doch Romney setzte zum Thema Südstaaten-Frühstück noch eins drauf: "Das Hilton Garden Inn weiß ganz genau, was man mir am Morgen servieren muss." Weiter entfernt als in diesem Nobel-Hotel dürfte Romney von der Lebenswelt seiner Zuhörer nur noch im heimischen Massachusetts sein.

Sein Status als "inoffizieller Südstaatler", den sich Romney selbst verliehen hat, dürfte also weniger ausschlaggebend sein am Dienstag. Wichtiger ist wohl das Geld, das seine Kampagne hier für Werbung ausgegeben hat. Sein Super-Pac "Restore our Future" hat rund 3 Millionen US-Dollar in die Hand genommen, um Romney in Alabama und Mississippi sowie in Louisiana und Illinois (Vorwahlen Ende März) zu helfen. Die Kampagne selbst hat nach eigenen Aussagen im Februar rund 11,5 Million Dollar an Spenden gesammelt, wovon noch knapp 7 Millionen übrig seien – ein Hinweis darauf, wie viel Geld in wenigen Wochen ausgegeben wurde.

Druck auf Gingrich

Was sind Super-Pacs?

Die Abkürzung Pac steht für "Political ActionComittee". Hauptzweck dieser Organisationsform ist es, die Beschränkungfür Wahlkampfspenden zu umgehen. Die Super-Pacs dienen allerdings auch dazu, Verantwortlichkeitenfür schmutzige Wahlkämpfe zu verschleiern: So können die Kandidaten dubiose Spotsgegen die Konkurrenz schalten und dabei selbst die Hände in Unschuld waschen.

Formal dürfen diese Komitees sich nicht mit den Kandidaten,die sie unterstützen, absprechen. Tatsächlich aber sind sie deren mächtigeSchattenkämpfer im Wahlkampf. Ihr Geld kommt von Konzernen und wohlhabendenSpendern.

Die Versuche Santorums nehmen sich dagegen fast bescheiden aus. Dessen Super-Pac hat etwas über eine halbe Million Dollar für Werbung in Alabama und Mississippi ausgegeben. Gewinnen kann er wohl nicht: Gingrich, der aus dem benachbarten Georgia kommt, ist hier stärker. Allerdings kann ihm Santorum Delegierte abjagen und sich erneut als konservative Alternative zu Romney empfehlen.

Auch deswegen wirbt das Santorum-Lager zurzeit intensiv um die Aufgabe von Mit-Bewerber Gingrich. "Die Wähler könnten sich dann zwischen Santorum, einem echten Konservativen, und Romney, einem berechnendem Konservativen, entscheiden", sagte Stuart Roy, Berater des pro-Santorum Super-Pacs "Red, White and Blue". Santorums selbst legte am Sonntag nach. "Gingrich kann so lange im Rennen bleiben, wie er will, aber wir haben eine größere Chance, einen Konservativen zu nominieren, wenn er uns das Duell mit Romney ermöglicht."

Gingrich nennt Romney "schwach"

Gingrich schoss sofort zurück. "Ich bleibe im Rennen, weil ich glaube, dass es unmöglich sein wird für einen moderaten Kandidaten, die Wahl zu gewinnen", sagte Gingrich in Alabama mit Bezug auf Romney. Der sei der schwächste republikanische Spitzenreiter im Vorwahlkampf seit Leonard Wood 1920. Wood unterlag später beim großen Nominierungsparteitag gegen Warren G. Harding.

Er will auf keinen Fall aufgeben: Newt Gingrich.
Er will auf keinen Fall aufgeben: Newt Gingrich.(Foto: AP)

Seine eigenen Chancen am Dienstag schätzt Gingrich gewohnt selbstbewusst ein. "Wir werden beide Staaten gewinnen, denke ich", so Gingrich auf Nachfrage von Fox News. Sollte ihm das allerdings nicht gelingen, wäre Gingrichs letztes Argument dahin. Nach Siegen in South Carolina und Georgia präsentiert er sich als Romney-Alternative mit starkem Zuspruch im Süden, wo die Republikaner traditionell am stärksten sind. Nach dieser Logik dürften nun allerdings weder Alabama noch Mississippi an Romney oder Santorum fallen. Genau danach sieht es nun aber aus. Wohl auch deswegen schob er auf Fox News vorsichtshalber gleich hinterher: "Ich will das ein für alle Mal feststellen: Wir gehen nach Tampa." Dort findet im August der Nominierungsparteitag der Republikaner statt.

Die Kampagne von Barack Obama hat sich aus der Schlacht um den Süden dagegen eher herausgehalten. Weder Alabama noch Mississippi sind Staaten, die Obama im Herbst gewinnen kann. 2008 verlor er hier deutlich gegen John McCain, und in seiner Strategie für 2012 spielen lediglich Florida, North Carolina und Virginia eine Rolle – die aber gehören nicht zu den republikanischen Hochburgen im "tiefen Süden".

Ganz anders Obamas Heimat Hawaii, wo am Dienstag ebenfalls gewählt wird. Hier haben seine republikanischen Gegner so gut wie keinen Wahlkampf betrieben. Aus gutem Grund: 2008 stimmten 72 Prozent der Inselbewohner bei der Hauptwahl für den Demokraten.

Quelle: n-tv.de