Politik
Mit einem Autokorso durch Erbil feiern die Menschen ihren mutmaßlichen Wahlerfolg.
Mit einem Autokorso durch Erbil feiern die Menschen ihren mutmaßlichen Wahlerfolg.(Foto: dpa)
Dienstag, 26. September 2017

Deutliches Ergebnis erwartet: USA rügen kurdisches Referendum

Trotz internationaler Kritik stimmen die nordirakischen Kurden über ihre Unabhängigkeit ab. Nach ersten Prognosen ist das Votum der Menschen eindeutig. Auf den Straßen von Erbil feiern sie nach der Abstimmung ausgelassen.

Das US-Außenministerium ist "zutiefst enttäuscht" über die Entscheidung der kurdischen Regionalregierung im Nordirak, ein Unabhängigkeitsreferendum durchzuführen. Die Abstimmung werde das Verhältnis der Kurden zum Irak wie auch zu den Nachbarländern "deutlich verkomplizieren", hieß es in einer Mitteilung des Ministeriums.

Zwar werde das Referendum das Verhältnis der Vereinigten Staaten zu den Bewohnern der Kurdengebiete im Nordirak nicht ändern. Aber es werde die Instabilität in der Region erhöhen und das Elend der Bevölkerung verschlimmern. Die Kurden sind wichtiger Verbündeter der USA im Kampf gegen den sogenannten Islamischen Staat.

Bei dem umstrittenen Unabhängigkeitsreferendum im Nordirak zeichnete sich wie erwartet eine überwältigende Mehrheit für eine Abspaltung vom Rest des Landes ab. Die Wahlkommission in der regionalen Hauptstadt Erbil rechnete nach ersten Auszählungen damit, dass mehr als 90 Prozent der Wähler für die Unabhängigkeit gestimmt haben. Die vorläufige Wahlbeteiligung lag bei mehr als 72 Prozent. Das endgültige Ergebnis will sie innerhalb von drei Tagen verkünden.

Ein Offizieller präsentiert einen Wahlzettel.
Ein Offizieller präsentiert einen Wahlzettel.(Foto: REUTERS)

Die nordirakischen Kurden hatten das Referendum trotz scharfer internationaler Kritik durchgeführt. Nach der Abstimmung feierten die Menschen ausgelassen auf den Straßen. Durch die kurdische Hauptstadt Erbil fuhren hupende Autos, teilweise brach der Verkehr zusammen. Menschen tanzten auf den Bürgersteigen und schwenkten rot-weiß-grüne kurdische Fahnen. Immer wieder stieg Feuerwerk auf, Freudenschüsse waren zu hören.

Das Referendum ist jedoch rechtlich nicht bindend. Die irakische Zentralregierung erklärte, es sei nicht verfassungsgemäß. Vize-Präsident Nuri al-Maliki sagte, "das Referendum sei eine Kriegserklärung an die Einheit des irakischen Volks". Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan drohte mit einem Stopp des kurdischen Ölexports und einer militärischen Intervention im Nordirak nach dem Vorbild des türkischen Einmarsches in Syrien. Das Referendum nannte er "null und nichtig".

Traum der Unabhängigkeit

Der Nachbar Iran schloss nach dem Luftraum nach offiziellen Angaben auch die Landgrenze zu den Kurden-Gebieten. Allerdings gab es unterschiedliche Berichte dazu, ob ein Grenzübergang weiterhin geöffnet blieb. Die Türkei und der Iran fürchten Auswirkungen auf die Autonomiebestrebungen ihre eigenen kurdischen Minderheiten.

Für viele Kurden würde sich mit der Unabhängigkeit ein langgehegter Traum erfüllen. Sie verweisen darauf, dass sie lange von der Zentralregierung unterdrückt und bekämpft worden seien. Vor allem der Giftgasangriff in dem Ort Halabdscha und die Tötung Zehntausender Menschen im Nordirak unter Ex-Langzeitherrscher Saddam Hussein haben sich in das kollektive Gedächtnis der Kurden eingebrannt.

Quelle: n-tv.de

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