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Bilder des russischen Militärs von einem Angriff in Syrien.
Bilder des russischen Militärs von einem Angriff in Syrien.(Foto: imago/ITAR-TASS)

Russische Luftschläge in Syrien: USA werfen Moskau Zivilisten-Beschuss vor

Die russischen Angriffe auf Ziele in Syrien kosten zahlreiche Zivilisten das Leben. Deshalb ruft US-Außenminister Kerry seinen russischen Amtskollegen Lawrow an. Doch der wiegelt ab.

Die USA haben den russischen Streitkräften vorgeworfen, Luftangriffe auf zivile Ziele in Syrien zu fliegen. Der stellvertretende Sprecher des US-Außenministeriums, Mark Toner, sprach in Washington von "Hunderten getöteten Zivilisten." Es habe unter anderem Angriffe auf medizinische Einrichtungen gegeben.

Außenminister John Kerry habe sich in einem Telefonat mit seinem russischen Amtskollegen Sergej Lawrow besorgt darüber geäußert, hieß es weiter. Nach Angaben von Menschenrechtsgruppen sind bei russischen Luftschlägen in Syrien bisher mehr als 2300 Menschen getötet worden.

Die in London ansässige Oppositionelle syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte teilte mit, unter den Opfern seien viele Zivilisten. Die Organisation gab die Zahl mit 800 an. Berichte von Aktivisten legten nahe, dass medizinische Einrichtungen, Schulen und Märkte getroffen worden seien, erklärte Toner. Ein solches Vorgehen untergrabe die Suche nach einer politischen Lösung.

"Schändliches Versagen"

In der vergangenen Woche berichtete die Menschenrechtsorganisation Amnesty International von russischen Einsätzen mit Streumunition und ungelenkten Bomben in Wohngegenden. Moskau wurde in deren Report zudem "schändliches Versagen" vorgehalten, zivile Todesopfer bei den Attacken einzuräumen.

Moskau wies die Vorwürfe erneut zurück. Russland und eine US-geführte Koalition fliegen getrennt voneinander Luftangriffe auf Ziele in Syrien. Washington wirft Moskau vor, auch gemäßigte Kräfte ins Visier zu nehmen. Das russische Verteidigungsministerium erklärte, es grenze ans "Absurde", wenn solch "schwere Anschuldigungen" erhoben würden, indem sich die USA auf vorgebliche Nichtregierungsorganisationen stützten.

Zugleich prangerte das Ministerium das "absolute Schweigen" zu den vielen zivilen Opfern durch US-Luftangriffe in Syrien an. Den Angaben zufolge griff die russische Luftwaffe seit dem 28. Dezember 424 "terroristische Ziele" in Syrien an, darunter insbesondere ein Gebäude in der Nähe der IS-Hochburg Rakka, in dem ein Treffen lokaler IS-Führer stattgefunden habe. Alle seien "eliminiert" worden.

Die überraschend scharfe Kritik an Russland kommt wenige Tage vor dem geplanten Beginn der Verhandlungen zwischen Vertretern des syrischen Staatschefs Baschar al-Assad und einer Delegation der Opposition. Unter Vermittlungshilfe Moskaus und Washingtons sollen die Gespräche im Januar 2016 stattfinden. Ziel sind eine Übergangsregierung, Wahlen und eine neue Verfassung binnen 18 Monaten in dem seit 2011 von einem Bürgerkrieg gezeichneten Land.

Quelle: n-tv.de

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