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Das neu gegründete ECTC soll Informationen über zurückgekehrte Dschihadisten speichern.
Das neu gegründete ECTC soll Informationen über zurückgekehrte Dschihadisten speichern.(Foto: AP)
Dienstag, 24. Mai 2016

Hohe Gefahrenstufe in Europa: Über 1000 Terrorverdächtige festgenommen

Die Terrorbedrohung in Europa ist derzeit enorm hoch. Europol kann im vergangenen Jahr über 1000 Terrorverdächtige festnehmen. Zwei Drittel stammen aus der Dschihadisten-Szene. Über 200 Anschläge sollen 2015 in der EU geplant gewesen sein.

In der EU sind im vergangenen Jahr mehr als 1000 Terrorverdächtige festgenommen worden. Wie ein Spitzenvertreter der europäischen Polizeibehörde Europol im EU-Parlament berichtete, waren darunter 667 Personen, die der Dschihadisten-Szene zugeschrieben werden. Hinzu kamen 168 als Nationalisten oder Separatisten eingestufte Verdächtige. Auf Linksextremisten entfielen demnach lediglich 67 und auf Rechtsextremisten nur 11 Festnahmen.

Insgesamt registrierte Europol im vergangenen Jahr 211 ausgeführte, gescheiterte oder vereitelte Terrorpläne in der EU. Die mit Abstand blutigsten Anschläge verübten zur Terrormiliz Islamischer Staat (IS) zählende Attentäter in Paris. Dort gab es allein bei der Anschlagsserie im November 130 Todesopfer. Insgesamt wurden in der EU im vergangenen Jahr 151 Opfer gezählt.

Die Zahlen stammen aus einem Europol-Bericht zur Entwicklung des Terrorismus in der EU, der in Kürze veröffentlicht werden soll. Sie wurden im Parlament von Manuel Navarrete Paniagua präsentiert, der das neue Europäische Zentrum zur Terrorismusbekämpfung (ECTC) bei Interpol leitet.

Stärke Zusammenarbeit gefordert

Europol geht derzeit von einer hohen Terrorgefahr in Europa aus. Aus diesem Grund wurde in Den Haag das ECTC eingerichtet. 40 bis 50 Spezialisten sammeln dort Informationen von Geheimdiensten und Sicherheitsbehörden und werten diese aus. Die Arbeit des Zentrums hängt von der Bereitschaft der Mitgliedstaaten ab, diese auch zu liefern - und das machen immer noch wenige.

Auch Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) kritisiert immer wieder, dass 90 Prozent der an Europol gelieferten Informationen aus nur fünf Staaten kommen. Grundlegend geändert hat sich auch mit dem ECTC daran noch nichts. "Es ist besser geworden, aber es ist noch viel zu tun", sagte eine EU-Diplomatin.

Das ECTC soll insbesondere Informationen zu zurückkehrenden Dschihad-Kämpfern und Terrorismusfinanzierung zusammentragen. Auch Kenntnisse über Online-Propaganda von Extremisten, Terrorismusfinanzierung und illegalen Waffenschmuggel sollen gebündelt werden. Ziel ist es, das Vertrauen und das Bewusstsein in den für Terrorismusbekämpfung zuständigen Behörden zu erhöhen und bestehende Fähigkeiten zu maximieren, erklärt Europol.

Quelle: n-tv.de

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