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Donnerstag, 14. September 2017

"Das Krokodil aufhalten": Ukraine warnt vor Russlands Militärmanöver

An der Nato-Außengrenze probt Russland in den kommenden Tagen den Ernstfall - mit rund 100.000 Soldaten und womöglich auch atomwaffenfähigen Raketen. Das zumindest ist die Befürchtung des Westens. Insbesondere die Ukraine sieht noch eine weitere Gefahr.

Die Ukraine hat das russische Großmanöver "Sapad 2017" mit voraussichtlich rund 100.000 Soldaten als Bedrohung kritisiert, da russische Truppen danach womöglich entlang der Nato-Ostflanke stationiert bleiben würden. "Russland zielt mit dieser Militärübung einerseits darauf ab, die Lage an der Grenze zu den Nato-Staaten zu destabilisieren", warnte Kostjantin Jelisejew, der außenpolitische Berater des ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko.

Putins Sprecher bezeichnet die westlichen Vorwürfe als Hysterie.
Putins Sprecher bezeichnet die westlichen Vorwürfe als Hysterie.(Foto: REUTERS)

Zum anderen sei davon auszugehen, dass die Regierung in Moskau russische Truppen und Waffen möglichst lange nahe der Grenze lassen werde, um sie "künftig für eine potentielle offensive Operation" einzusetzen. Hier teile die Ukraine die Befürchtungen baltischer Staaten. Auch viele deutsche Politiker kritisierten die Militärübung. "Diese Militärübungen sind sehr gefährlich, weil sie nahe der ukrainischen Grenze stattfinden", sagte Jelisejew.

Bereits im Jahr 2008 sei zu beobachten gewesen, wie russische Soldaten aus einem Manöver heraus in Georgien einmarschierten. Nur gemeinsam habe Europa die Möglichkeit, künftige Offensiven Russlands zu stoppen und den Frieden zu erhalten. "Die einzige Chance, das russische Krokodil aufzuhalten, ist, wenn es uns gelingt, die Russen im Donbass zu stoppen und die territoriale Integrität und Stabilität der Ukraine wiederherzustellen".

Russland wirft Westen "Hysterie" vor

Für das Großmanöver "Sapad 2017" wird die russische Regierung nach Schätzungen von Nato-Staaten wohl rund 100.000 Soldaten mobilisieren. Es dürfte damit die größte Militärübung des Landes seit dem Ende des Kalten Krieges werden. Der Westen beobachtet das Manöver aufmerksam: Ein Jahr nach der Vorgänger-Übung "Sapad 2013" eroberte Russland auch mit Hilfe der dort erprobten Taktiken die ukrainische Halbinsel Krim - und löste so eine neue Eiszeit im Verhältnis zur Nato aus.

Auf die Vorwürfe des Westens, die russische Seite sei nicht transparent genug, reagierte der Kreml unwirsch. Der Sprecher des russischen Präsidenten Wladimir Putin, Dmitri Peskow, warf dem Westen vor, "hysterisch" auf das militärische Großmanöver zu reagieren. "Wir glauben, dass die geschürte Hysterie über diese Manöver eine Provokation ist", sagte er. Das Manöver findet bis zum 20. September in Weißrussland, dem westlichen Teil Russlands, der Ostsee und der russischen Exklave Kaliningrad statt.

Quelle: n-tv.de

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