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International ist der Fall Sawtschenko umstritten - viele Staaten forderten in den vergangenen Monaten wiederholt die Freilassung der Pilotin.
International ist der Fall Sawtschenko umstritten - viele Staaten forderten in den vergangenen Monaten wiederholt die Freilassung der Pilotin.(Foto: dpa)

Prozess in Russland: Ukrainische Pilotin wegen Mordes verurteilt

Seit mehr als eineinhalb Jahren ist die ukrainische Kampfpilotin Sawtschenko in Russland inhaftiert. Ihr wird der Mord an zwei Journalisten in der Ostukraine vorgeworfen. Jetzt hat ein russisches Gericht Sawtschenko schuldig gesprochen.

Die ukrainische Militärpilotin Nadeschda Sawtschenko ist von einem russischen Gericht des Mordes schuldig gesprochen worden. Das meldet die Agentur Interfax aus dem Gericht in der südrussischen Kleinstadt Donezk nahe der Grenze zur Ukraine.

Sawtschenko ist Hubschrauberpilotin der ukrainischen Armee. Als Mitglied eines Freiwilligenbataillons zog sie in den Kampf gegen die prorussischen Separatisten in der Ostukraine. Moskau wirft ihr vor, 2014 am Tod von russischen Journalisten im Kriegsgebiet beteiligt gewesen zu sein. Die 35-Jährige soll im Juni 2014 dem ukrainischen Militär den Aufenthaltsort der Reporter mitgeteilt haben, woraufhin diese durch Granatbeschuss getötet wurden. Sie habe aus politischem Hass und Feindseligkeit gehandelt, hieß es im Urteil.

Sawtschenko erkennt ihre Verurteilung nicht an. "Das Urteil interessiert sie nicht und hat nichts mit Rechtsprechung zu tun", sagte ihr Anwalt Nikolai Polosow der Agentur Interfax zufolge. Sein Verteidiger-Kollege Mark Fejgin teilte jedoch mit, dass Sawtschenko den Rechtsspruch nicht anfechten will. Das Strafmaß soll erst nach Verlesen der Begründung bekannt gegeben werden - voraussichtlich am Dienstag. Die russische Justiz fordert 23 Jahre Lagerhaft.

Die Pilotin ist seit 20 Monaten Gefangene der Russischen Föderation. Der Prozess ist international massiv kritisiert worden. Unter anderem die Bundesregierung und US-Präsident Barack Obama forderten wiederholt die Freilassung aus humanitären Gründen. Der Gefangenenaustausch ist eigentlich Teil des Minsker Abkommens, das zwischen den Konfliktparteien in der Ostukraine im vergangenen Jahr geschlossen wurde. Russlands Präsident Wladimir Putin lehnt eine Freilassung jedoch ab. "Jegliche Einmischung von außen in die Jurisdiktion unserer Gerichte ist unzulässig", erklärte sein Sprecher nach einem Telefonat zwischen Putin und Obama vor einigen Tagen.

Sawtschenko war aus Protest gegen ihre Inhaftierung mehrfach in den Hungerstreik getreten. Im vergangenen Jahr verweigerte sie 80 Tage lang die Nahrungsaufnahme und beendete ihren Streik erst nach schweren Gesundheitsproblemen.

Quelle: n-tv.de

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