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Die ukrainische Armee hat Donezk im Blickfeld.
Die ukrainische Armee hat Donezk im Blickfeld.(Foto: REUTERS)

Furcht vor russischem Einmarsch: Ukrainische Truppen rücken auf Donezk vor

Die prorussischen Separatisten in Donezk bereiten sich auf eine Erstürmung der ostukrainischen Großstadt durch die Armee vor. Derweil schaut der Westen gebannt auf Russland. Bundeskanzlerin Merkel telefoniert mit Kremlchef Putin.

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Der Kampf um die ostukrainische Stadt Donezk nimmt an Härte zu. Erstmals griff die ukrainische Luftwaffe Ziele nahe des Zentrums der Großstadt an. Bei den Attacken auf Stellungen der Aufständischen starben mindestens drei Zivilisten, wie der Stadtrat mitteilte. Wegen der Gefechte zog die OSZE Beobachter aus Donezk ab.

Derweil wies Russland Vorwürfe des Westens zurück, die Krise in der Ukraine durch einen Truppenaufmarsch an der Grenze weiter anzuheizen. Die Behauptungen seien eine "Irreführung der Weltöffentlichkeit", erklärte das Verteidigungsministerium in Moskau.

In Europa wächst die Furcht vor einem Einmarsch russischer Truppen in den Osten der Ukraine. Die Nato beschuldigte die Regierung in Moskau, die Krise durch den Aufmarsch von rund 20.000 kampfbereiten Soldaten im Grenzgebiet weiter eskalieren zu lassen. Man teile die Sorge, dass Russland unter dem Vorwand eines humanitären oder friedenssichernden Einsatzes Truppen in das Nachbarland entsenden könnte, sagte eine Sprecherin des Militärbündnisses.

Merkel fordert russischen Druck auf Separatisten

Derweil telefonierten Angela Merkel und Wladimir Putin miteinander. Die Bundeskanzlerin appellierte an den russischen Präsidenten, die Separatisten in der Ostukraine zu einem beiderseitigen Waffenstillstand mit Kiew zu drängen. Sie zeigte sich besorgt, dass von Russland aus Nachschub für die Separatisten in den Donbass geliefert werde, wie Vize-Regierungssprecherin Christiane Wirtz mitteilte.

Zugleich begrüßte Merkel in dem Telefonat mit Putin das Treffen der Kontaktgruppe aus Vertretern der OSZE, Russlands und der Ukraine mit Vertretern der Separatisten in der vergangenen Woche in der weißrussischen Hauptstadt Minsk. Übergeordnetes Ziel bleibe die Stabilisierung der Ukraine. Diese müsse selbst über die Gestaltung ihrer Zukunft entscheiden können, sagte Merkel nach Angaben der Sprecherin.

Dem Kreml zufolge fand das Gespräch auf Initiative der Bundesregierung statt. Russland betonte darin erneut die zunehmend schlechte humanitäre Lage in der Ostukraine, teilte die Kanzlei von Putin in Moskau mit.

Keine "kopflose" Erstürmung von Donezk geplant

Am Donnerstag wird Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen zu Krisengesprächen mit der Führung in Kiew erwartet. Die Aufständischen in Donezk warnten die Armee vor einer Offensive. "Die Erstürmung steht unmittelbar bevor, aber wir sind gut darauf vorbereitet", sagte Separatistenführer Sergej Kawtaradse. Immer mehr Frauen und Kinder würden Donezk durch einen Fluchtkorridor verlassen.

Die Armeeführung in Kiew betonte aber, sie plane keine "kopflose" Erstürmung von Donezk oder des benachbarten Lugansk. "Das sind nicht irgendwelche Festungen. Das sind Städte, in denen Menschen leben", unterstrich Andrej Lyssenko vom nationalen Sicherheitsrat. Bei erbitterten Gefechten in der Region beklagte das Militär zahlreiche Opfer. Innerhalb von 24 Stunden seien 18 Soldaten getötet und 54 verletzt worden, sagte Lyssenko.

Auch in der Stadt Gorlowka berichteten die Behörden von einer steigenden Zahl von Toten. In den vergangenen Tagen seien bei Artilleriebeschuss 33 Zivilisten getötet und 129 verletzt worden. Gas- und Wasserversorgung seien zerstört. In Lugansk müssen nach Behördenangaben ebenfalls Zehntausende ohne Strom und Wasser auskommen. Schwierigkeiten gibt es zudem weiter mit der Lebensmittel- und Treibstoffversorgung sowie mit der Müllabfuhr.

Schwere Vorwürfe aus Moskau

Russland warf der ukrainischen Führung erneut den Einsatz von Phosphorbomben gegen Zivilisten im umkämpften Osten des Landes vor. "Eine Bodenprobe hat ergeben, dass die Armee in der Nähe von Slawjansk die verbotenen Brandgeschosse verwendet hat", sagte der Sprecher der Ermittlungsbehörde in Moskau, Wladimir Markin. Der Einsatz sei ein "Kriegsverbrechen". Die russischen Behörden bezogen sich auch auf die Berichte ukrainischer Flüchtlinge. Die Führung in Kiew hatte die Vorwürfe wiederholt als "Verleumdung" zurückgewiesen.

Im Kampf gegen die Aufständischen will der ukrainische Geheimdienst SBU mehr Agenten in die Reihen der militanten Gruppen einschleusen. Damit sollten ihre Aktionen untergraben werden, schrieb Anton Geraschtschenko vom ukrainischen Innenministerium bei Facebook. Es gebe kein effektiveres Mittel zum Kampf gegen den Terrorismus.

Kein Arbeiten an Absturzstelle möglich

Wegen anhaltender Kämpfe im Gebiet des Absturzes von Flug MH17 in der Ostukraine wird die Mission zur Bergung sterblicher Überreste und persönlicher Gegenständen zunächst eingestellt. Das teilte der niederländische Ministerpräsident Mark Rutte in Den Haag mit. Der Einsatz sei für die rund 100 Kräfte aus den Niederlanden, Australien und Malaysia zu gefährlich geworden. Sie solle fortgesetzt werden, wenn die Sicherheitslage dies ermögliche.

Bislang wurden 228 Särge mit Opfern des mutmaßlichen Abschusses der malaysischen Passagiermaschine am 17. Juli in die Niederlande geflogen. Dort laufen die zentralen Ermittlungen zu der Katastrophe, weil die weitaus meisten der insgesamt 298 Toten Niederländer waren.

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Quelle: n-tv.de

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