Politik

17.000 NC-Plätze unbesetztUnis im Einschreibe-Chaos

12.04.2011, 17:46 Uhr
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Studenten an der RWTH Aachen. (Foto: dpa)

Die Studienplatzvergabe an den deutschen Hochschulen läuft alles andere als reibungslos. Zum Start des aktuellen Semesters sind fast 17.000 begehrte Studienplätze mit Nummerus Clausus unbesetzt. Nun muss auch noch der Start einer neuen Zulassungsplattform im Internet verschoben werden. Die Probleme dürften im Herbst dramatisch zunehmen.

Das geplante Hochschul-Zulassungssystem im Internet für begehrte Numerus-Clausus-Studienfächer wird für dieses Wintersemester noch nicht zur Verfügung stehen. Dies beschloss die Stiftung "hochschulstart.de". Ein neuer Starttermin wurde nicht genannt. Ursprünglich sollten sich Studienbewerber ab Mitte Mai über die Angebote der Hochschulen über ein Online-Portal der Stiftung informieren - und sich dort auch gleich bewerben können.

"Die Entscheidung ist getragen von dem Grundsatz der Verfahrens- und Rechtssicherheit für die Anwender. Dabei gilt, dass Qualität vor Schnelligkeit gehen muss", heißt es in einer Pressemitteilung des Stiftungsrates, dem Vertreter aller 16 Länder und 16 Hochschulvertreter angehören. Begründet wird die Verschiebung mit "Problemen und Verzögerungen in Teilprojekten", die eine rechtzeitige und stabile Anbindung der Hochschulen für das Wintersemester 2011/12 nicht realisierbar gemacht hätten.

Studienbewerber mit Ausnahme für Medizin und Pharmazie werden sich damit auch in diesem Herbst wieder direkt bei den Hochschulen anmelden müssen. Frei gebliebene Plätze sollen erneut über eine Studienplatzböse vermittelt werden.

Fast sieben Prozent unbesetzt

Wie groß die Probleme bei der Studienplatzvergabe mittlerweile sind, zeigt eine interne Erhebung der Kultusministerkonferenz (KMK). Demnach sind wegen jahrelanger Zulassungsprobleme auch im Wintersemester 2010/2011 fast 17.000 Studienplätze in begehrten Numerus-Clausus-Fächern unbesetzt geblieben. Das sind fast sieben Prozent aller Plätze mit örtlichen Zulassungsbeschränkungen. Betroffen sind vor allem die Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, aber auch Sprachen, Ingenieurwissenschaften sowie Mathematik und Naturwissenschaften.

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Im Herbst droht eine regelrechte Studentenschwemme. (Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb)

Laut KMK-Erhebung konnte im Wintersemester 2010/2011 die Zahl der nach Abschluss aller Nachrückverfahren unbesetzt gebliebenen NC-Studienplätze gegenüber dem Vorjahr "nicht oder jedenfalls nicht relevant gesenkt werden". Im Vorjahr waren "mindestens 18.000 NC-Plätze" frei geblieben. "Für die Studierenden und deren Eltern sowie die Länder und die Hochschulen ist die Situation nicht akzeptabel", heißt es in dem Bericht. Das neue Zulassungssystem im Internet sollte hier eigentlich Abhilfe schaffen.

Kritik an Verschwendung

Insgesamt blieben in diesem Wintersemester von den 240.877 Bachelor- und Master-Studienplätzen mit NC auch nach Ende mehrerer Nachrückverfahren 16.723 Plätze unbesetzt - das sind 6,9 Prozent. Bei den Bachelor-Bewerbern handele es sich um "zumeist junge Schulabgänger, die noch kein Erfahrung mit dem Hochschulsystem haben", heißt es im KMK-Bericht. Sie und ihre Eltern hätten ein Interesse daran, rechtzeitig - möglichst vier Wochen vor Vorlesungsbeginn - Sicherheit über eine Studienzulassung zu erhalten. Eine aufwendige und unüberschaubare Bewerbungssituation könne dagegen von einer Studienaufnahme abschrecken.

Kritisiert wird auch die mit den unbesetzten NC-Studienplätzen verbundene Ressourcen-Verschwendung. Im Interesse der Ausbildung junger Menschen bestehe ein Interesse daran, dass die zur Verfügung gestellten Mittel "zielgerichtet eingesetzt und keine Kapazitäten ins Leere laufen, weil es technische Probleme gab, die Studienplätze zu vergeben".

Im Herbst droht das Chaos

Auf Drängen der Hochschulen hatten die Länder mit Einführung der Bachelor- und Masterstudiengänge seit 2003 immer mehr Mangel-Studienfächer aus dem alten Computer-Verteilungssystem der Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätze (ZVS) herausgenommen. Heute werden nur noch die Plätze Medizin und Pharmazie mit Hilfe dieses ZVS-Systems vergeben - was weitgehend reibungslos läuft.

Andere Studieninteressenten müssen sich direkt bei ihrer Wunschhochschule vor Ort bewerben. Da Mehrfachbewerbungen möglich sind, führt dies häufig zu Mehrfachzulassungen - und damit zur Blockade der begehrten NC-Studienplätze. Sie sind dann häufig auch mit mehreren Nachrückverfahren nicht mehr fristgerecht im laufenden Semester zu besetzen.

In diesem Herbst gilt die Zulassungssituation an den Hochschulen zudem als besonders schwierig. Im Westen werden geburtenstarke Abiturientenjahrgänge erwartet, Bayern und Niedersachsen entlassen zudem wegen der Schulzeitverkürzung doppelte Abiturientenjahrgänge. Auch wird wegen der Wehrpflicht-Aussetzung mit einem weiteren Bewerberandrang gerechnet.

Quelle: dpa