Politik
Varoufakis trat im Sommer zurück.
Varoufakis trat im Sommer zurück.(Foto: AP)

Ein "Opfer" rechnet ab: Varoufakis würde Merkel wählen

Der frühere griechische Finanzminister Varoufakis gibt erstaunliche Einblicke in seine Weltsicht: So sieht er sich als "Opfer" und erklärt, dass er sich Schäuble näher gefühlt habe als irgendeinem anderen Menschen. Und es gibt auch noch überraschendes Lob.

Der frühere griechische Finanzminister Yanis Varoufakis rechnet mit seinen Gegnern ab. In einem Interview mit dem "Stern" erhebt er schwere Vorwürfe gegen seine politischen Gegner und die Medien. "Kein Zweifel, ich war ein Opfer. Es war eine Rufmord-Kampagne".

Als Beispiel führte der einstige Star der griechischen Politik die Troika an. Diese habe erst erklärt, wenn die Griechen Vorschläge veröffentlichen, werde man diese in der Öffentlichkeit zerreißen. Danach habe sie der Presse gesteckt, dass Varoufakis ohne Vorschläge angereist sei. "Es ist unglaublich! Alle haben das einfach übernommen und voneinander abgeschrieben."

Zudem bekundete Varoufakis eine gewisse innere Nähe zu seinem deutschen Widersacher Wolfgang Schäuble. Beide hatten sich in der Euro-Schuldenkrise ein hartes Ringen um den Reformkurs geliefert. "Wolfgang wollte mir noch nicht einmal die Hand geben", erzählte der im Juli zurückgetreten Grieche in ein Art Jahresrückblick dem "Stern". Er habe aber immer Respekt gehabt vor dem deutschen Minister. Sie seien gewesen "wie zwei Boxer, die eine Weile Schläge ausgetauscht haben und sich dann einander näher fühlen als irgendeinem anderen Menschen".

Kritik an Gabriel

Die Flüchtlingspolitik von Kanzlerin Angela Merkel imponiert ihm: "Vielleicht würde ich als Deutscher Merkel wählen", sagte Varoufakis. Sigmar Gabriel dagegen sei der "schlimmste Politiker, den ich getroffen habe". Der SPD-Chef habe geäußert, man werde nicht die "überzogenen Wahlversprechen einer zum Teil kommunistischen Regierung" finanzieren.

Seinen eigenen Premierminister Alexis Tsipras habe er seit August nicht mehr gesehen, sagte Varoufakis. "Ich glaube, er könnte mir nicht in die Augen schauen." Laut Varoufakis gab Tsipras zu früh zu sehr nach. "Dadurch bekamen die Gläubiger das Gefühl, sie könnten uns zerstören." Auch wenn er Tsipras nicht mehr gewählt habe, sollte er ihn treffen, würde er ihn umarmen.

Zugleich erklärte Tsipras, seine Zeit als Minister nicht zu vermissen. "Leute, die so einen Job mögen, sind gefährlich." Als Beispiel führte er Berufspolitiker wie "Schäuble, Gabriel und Tsipras auf. Er selbst sei ein "political animal".

Quelle: n-tv.de

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