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Vor dem Kanzleramt demonstrierten Amnesty-Aktivisten gegen die EU-Flüchtlingspolitik.
Vor dem Kanzleramt demonstrierten Amnesty-Aktivisten gegen die EU-Flüchtlingspolitik.(Foto: picture alliance / dpa)

Kritik an Flüchtlingspolitik: Vatikan liest EU die Leviten

Gegen die Pläne der EU, um die Flüchtlingskatastrophe im Mittelmeer zu beenden, hagelt es Kritik von allen Seiten. Der Vatikan sieht im Vorgehen eine "Kriegshandlung". Ein Hollywoodstar findet es einfach nur "widerlich".

Der Vatikan hat Pläne der Europäischen Union zur militärischen Zerstörung von leeren Flüchtlingsbooten der Schlepper scharf kritisiert. Der Präsident des Päpstlichen Migrantenrates, Kardinal Antonio Maria Vegliò, erklärte, eine solche Aktion sei unvereinbar mit dem Völkerrecht und Bombardieren sei eine Kriegshandlung. "Was wollen sie bombardieren?", fügte er hinzu. "Nur die kleinen Boote der Migranten? Wer gewährleistet, dass nicht auch Menschen in der Nähe getötet werden?"

Der Kurienkardinal sagte dem italienischen bischöflichen Pressedienst SIR außerdem: "Solange es Kriege gibt, Diktaturen, Terrorismus und Elend, solange wird es Flüchtlinge geben, die dahin gehen werden, wohin sie gehen können."

Der französische Präsident François Hollande hatte am Donnerstag nach dem Brüsseler EU-Sondergipfel zur Flüchtlingskrise angekündigt, sein Land werde einen Resolutionsentwurf im UN-Sicherheitsrat einbringen, damit dieser einer Zerstörung der Boote in einer Militäraktion zustimme. Zu der Militäraktion soll die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini "umgehend mit Vorbereitungen" beginnen, heißt es in der Schlusserklärung des Gipfeltreffens.

Kritik sogar aus Hollywood

Auch Hilfs- und Menschenrechtsorganisationen verurteilten die EU-Beschlüsse. Als "Gipfel der Schande" bezeichnete etwa die Flüchtlingshilfe Pro Asyl die Ergebnisse des Treffens. "Die EU begeht einen Verrat an ihren Werten und an den Flüchtlingen", erklärte Pro-Asyl-Geschäftsführer Günter Burkhardt. Amnesty International erklärte, der Gipfel habe die Chance verpasst, die "tödlichen Fehler der Vergangenheit" grundlegend zu korrigieren.

Auch bei der UN in New York mussten sich EU-Vertreter scharfe Kritik anhören. Hollywood-Star Angelina Jolie sagte, es sei "widerlich, tausende Flüchtlinge an der Türschwelle des reichsten Kontinents der Welt ertrinken zu sehen." Jolie sprach bei einer Sitzung des UN-Sicherheitsrats in New York. "Niemand riskiert auf diese Art das Leben seiner Kinder, außer in höchster Verzweiflung." Die Schauspielerin sprach in ihrer Aufgabe als Sondergesandte des UN-Flüchtlingskommissars zur Lage der Flüchtlinge aus Syrien.

Die europäische Polizeibehörde Europol bekräftigte unterdessen, dass sie künftig eine "größere Rolle" beim Kampf gegen Schlepper im Mittelmeer spielen wolle. Europolchef Rob Wainwright sagte in Bukarest, entsprechend den Vorgaben des EU-Gipfels sollten Polizeiexperten sich unter anderem in Griechenland und Italien mit dem Problem befassen.

Bei dem bislang tödlichsten Flüchtlingsunglück im Mittelmeer waren in der Nacht zu Sonntag etwa 800 Menschen ertrunken. Der Internationalen Organisation für Migration zufolge ist die Zahl der Toten im Mittelmeer seit Jahresbeginn damit auf mehr als 1750 gestiegen.

Quelle: n-tv.de

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