Politik
Ein Mann trauert am Anschlagsort in St. Petersburg um die Opfer.
Ein Mann trauert am Anschlagsort in St. Petersburg um die Opfer.(Foto: REUTERS)

Bombenanschlag in St. Petersburg: Verdächtiger Kasache ist unter den Toten

Nach dem Attentat auf die St. Petersburger U-Bahn identifiziert der Geheimdienst einen Kirgisen als mutmaßlichen Täter. Ein Student aus Kasachstan, der zunächst als tatverdächtig galt, ist unter den Opfern. Die Zahl der Toten steigt derweil auf 14.

Nach dem Bombenanschlag in der St. Petersburger U-Bahn ist ein zunächst als Verdächtiger gesuchter Mann unter den Toten identifiziert worden. Das meldet die Agentur Interfax unter Berufung auf das kasachische Außenministerium. Die russischen Behörden waren bei den Ermittlungen zunächst einer Spur gefolgt, die zu dem Kasachen als möglichem Täter führte. Auch die Behörden in Kasachstan waren eingeschaltet. Schon am Dienstag wurde jedoch bezweifelt, dass der Student mit dem Anschlag in Verbindung steht, sagte Vize-Geheimdienstchef Nurgali Bilisbekow.

Der Gouverneur von St. Petersburg hatte zuvor bestätigt, dass drei Ausländer unter den Opfern seien. Diese waren seinen Angaben zufolge aus Usbekistan, Tadschikistan und Weißrussland. Nach Angaben des kirgisischen Geheimdienstes ist der Name des Attentäters Akbarschon Dschalilow. Der Russe mit kirgisischer Abstammung sei 1995 in der Stadt Osch geboren worden. Zuvor hatten russische Medien berichtet, der mutmaßliche Täter sei 23 Jahre alt und habe Verbindungen in radikal-islamistische Kreise.

Derweil läuft die Suche nach möglichen Mittätern weiter auf Hochtouren. Aus dem muslimisch geprägten Teil der früheren Sowjetunion haben sich viele junge Männer islamistischen Extremisten in Syrien oder dem Irak angeschlossen. Die zentralasiatischen Staaten und Russland fürchten radikalisierte Rückkehrer.

Zeugin: "Viele hielten sich den Kopf"

Derweil stieg die Zahl der Toten nach offiziellen Angaben auf 14. Wie die russische Gesundheitsministerin Veronika Skworzowa mitteilte, starben elf Menschen direkt am Anschlagsort. Drei weitere Menschen seien in Rettungswagen oder in Krankenhäusern ihren schweren Verletzungen erlegen.

Video

Bilder des staatlichen Fernsehens zeigten unmittelbar nach dem Anschlag einen Waggon der Linie 2 mit herausgesprengter Tür und blutüberströmte Opfer auf dem Bahnsteig. "Ich sah Leute herauskommen, sie waren wie taub, viele hielten sich den Kopf", sagte eine Augenzeugin. Eine zweite Bombe konnte rechtzeitig entschärft werden.

Wenige Stunden später nahmen die U-Bahnen ihren Betrieb wieder auf. Die Metro der Linie 2, auf der es zu der Explosion kam, werde zunächst jedoch nur einige Stationen anfahren, teilte der U-Bahn-Betreiber der Agentur Interfax zufolge mit. Für weitere Ermittlungen bleibe auch eine zweite U-Bahn-Station gesperrt. Auch in der Hauptstadt Moskau patrouillieren zahlreiche Polizisten an den Flughäfen, Bahnhöfen und in den Metro-Stationen.

Stadt ruft eine dreitägige Trauer aus

Russische Sicherheitsbehörden haben nach eigenen Angaben wiederholt Anschlagsversuche auf den öffentlichen Nahverkehr in Moskau vereitelt. 2013 hatte eine Selbstmordattentäterin in einem Bahnhof von Wolgograd mindestens 17 Menschen mit in den Tod gerissen. Nur einen Tag später sprengte sich ein Selbstmordattentäter in einem Bus in die Luft, mindestens 16 Menschen wurden dabei getötet. Im Januar 2011 waren durch einen Selbstmordanschlag am Domodedowo-Flughafen bei Moskau 37 Menschen getötet worden.

Die Stadtverwaltung von St. Petersburg rief eine dreitägige Trauerzeit aus. Zahlreiche Menschen stellten vor den Zugängen der U-Bahn-Stationen der Stadt und auch in Moskau in der Nähe der Kremlmauer Kerzen auf und legten Blumen für die Opfer nieder.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen