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Der Netzausbau zählt zu den größten Herausforderungen der Energiewende.
Der Netzausbau zählt zu den größten Herausforderungen der Energiewende.(Foto: picture alliance / dpa)

Die "Nebenkosten" der Energiewende: Verteilnetze belasten zusätzlich

Dass der Ausbau der großen Stromtrassen gewaltige Kosten für die Verbraucher verursachen wird, ist hinlänglich bekannt. Laut einer Studie kommen aber weitere Milliarden durch den Umbau niederer Netzebenen hinzu. Die Grünen warnen allerdings vor Panikmache.

Alle reden über neue Stromautobahnen, die Deutschland braucht. Doch ein ganz entscheidender Faktor für die Energiewende sind die unteren Netzebenen. Um im Bild zu bleiben: die Land-, Kreis- und Gemeindestraßen im deutschen Stromnetz. Eine Studie sieht hier einen enormen Ausbaubedarf, damit nicht Solar- und Windparks zwangsweise abgeschaltet werden müssen.

Nach Berechnungen der Deutschen Energieagentur (Dena) werden in diesen kleineren Verteilnetzen bis 2030 bis zu 193.000 Kilometer neue oder umgebaute Leitungen benötigt, was Investitionen von 27,5 bis hin zu 42,5 Milliarden Euro erfordern würde. Die Dena hob hervor, dass die Kapazität schon jetzt nicht mehr reiche, um regional überschüssigen Strom aus erneuerbaren Energien abzutransportieren. Ein Beispiel: 2011 verdreifachte sich wegen der Netzengpässe die zwangsweise Abschaltung von Windparks.

Mit Bürgerprotesten ist nicht zu rechnen

Die Verteilnetze sind Mittel- und Niederspannungsnetze, die meist im Besitz von kleineren kommunalen Versorgern sind. Je nach Leitungsart bedeutet der Ausbau eine Ausweitung des bestehenden Netzes zwischen vier und 24 Prozent.  Genauso wie die großen Stromautobahnen einige Regionen besonders hart treffen, müssen bei den Verteilnetzen einzelne Netzbetreiber besonders viel leisten. Die Bundesnetzagentur müsse daher dafür sorgen, dass diese auskömmliche Renditen erwirtschaften könnten, sagte Dena-Chef Stephan Kohler. Entsprechend müssten Regelungen zur Verteilung der Umlagen angepasst werden. Insgesamt sei der Ausbau aber zu stemmen, da sich Kosten und Bauzeit auf 18 Jahre verteilten. Zudem hat die Dena bei den Investitionskosten nicht zwischen ohnehin anfallenden Kosten für Erneuerung und Ausbau der Netze und zusätzlichen für die Energiewende unterschieden.

Anders als bei den großen Stromtrassen ist bei den Stromlandstraßen laut der halbstaatlichen Agentur kaum mit Bürgerprotesten zu rechnen, da die Kabel gewöhnlich unter der Erde verlaufen. Nach Angaben von Dena-Chef Kohler werden die Kosten für den Ausbau aber über eine Netzumlage an die Verbraucher weitergegeben.

Kritik an der Studie ließ da nicht lange auf sich warten. Der Grünen Energie-Politiker Oliver Krischer bemängelte, dass die Dena-Studie mit Horrorazahlen operiere. "Es ist nicht seriös, die Kosten der Weiterentwicklung und Optimierung des Verteilnetzes derart zu dramatisieren." Die Verteilnetzbetreiber hätten seit Jahren viel zu wenig in die Modernisierung der Netze investiert, das habe nichts mit der Energiewende zu tun. "Die Dena operiert mit über 20 Jahre aufaddierten Horrorzahlen. Aufs Jahr betrachtet reden wir von 1,5 bis 2,3 Milliarden Euro und das ist die Größenordnung, die auch früher in Verteilnetze investiert wurde", so Krischer.

Quelle: n-tv.de

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