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Papa George und Bruder George W. waren schon Präsident - zieht Jeb Bush (r.) nach?
Papa George und Bruder George W. waren schon Präsident - zieht Jeb Bush (r.) nach?(Foto: ASSOCIATED PRESS)

"Jeb wäre ein toller Präsident": Verträgt Amerika den dritten Bush?

Von Christian Rothenberg

In zweieinhalb Jahren wählen die Amerikaner. Möglicherweise kommt es dann zu einem geschichtsträchtigen Duell. Der 45. US-Präsident könnte wieder Bush heißen - oder Clinton.

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Wie ist es, der Sohn eines US-Präsidenten zu sein? Jeb Bush denkt kurz nach, dann sagt er: "Wir haben zu Hause nie viel über Politik gesprochen, sondern über normale Dinge wie Sport." Bush sitzt auf einer Bühne, er gibt dem Sender Fox News ein Interview zum 25. Jahrestag der Präsidentschaft von George Bush. Und der Sohn lobt den Vater: "Die Eigenschaften, die er als Präsident bewiesen hat, fehlen diesem Land heute, aber wir brauchen sie."

Möglicherweise hat Bush bald Gelegenheit, selbst in die großen Fußstapfen zu steigen. Vater George wurde 1989 der 41. Präsident der USA, sein älterer Bruder George W. 2001 der 43. John Ellis Bush, kurz Jeb, könnte Nummer 45 sein - vorausgesetzt, er kandidiert. Doch zurzeit spricht viel dafür, dass es 2016 zum zweiten Comeback der Marke Bush kommen könnte.

Jebs Chancen sind vor allem deshalb so gut, weil die Republikaner zweieinhalb Jahre vor der Wahl in einem Dilemma stecken. Zwar stürzt der demokratische Präsident Barack Obama in seiner zweiten Amtszeit von einer Krise zur nächsten. Einen geeigneten Kandidaten schien die "Grand Old Party" bisher jedoch noch nicht zu haben. Chris Christie galt bis zu Beginn des Jahres als aussichtsreicher Anwärter. Doch dann stolperte der Gouverneur von New Jersey über einen Skandal. Er soll absichtlich einen Mega-Stau auf der George-Washington-Brücke verursacht haben.

Eine ungewöhnlich milde Wortwahl

Jeb Bush profitiert am stärksten von "Bridgegate". In Umfragen liegt er inzwischen vor Christie und Rand Paul, Ted Cruz und Paul Ryan, die allesamt Vertreter der ultrakonservativen Tea-Party-Bewegung sind. Viele Republikaner halten Bush für den besten Kandidaten. John Boehner, Sprecher der Republikaner im US-Repräsentantenhaus, sagt: "Jeb Bush würde einen tollen Präsidenten abgeben".

Familenbild im Garten: die Bushs im Jahr 1970 mit Jeb mit Sohn (stehend 2.v.l.), Vater George (3.v.l.) und George W. (2.v.r.).
Familenbild im Garten: die Bushs im Jahr 1970 mit Jeb mit Sohn (stehend 2.v.l.), Vater George (3.v.l.) und George W. (2.v.r.).(Foto: imago stock&people)

Den Bush-Clans muss man davon ohnehin nicht überzeugen. "Ich möchte, dass Jeb eines Tages Präsident wird", erklärte Vater George 2010. "Ich fände es gut, wenn Jeb irgendwann für das Präsidentenamt kandidieren würde" sagte George W. schon 2007. Vorteile hätte eine Kandidatur für den jüngeren Bruder. Die Marke Bush ist im Land bekannt, das obligatorische Netzwerk vorhanden. Hinter den Kulissen ist bereits eine Kampagne angelaufen. Sind Bushs Chancen aus Sicht der Fundraiser nicht hoch genug, versandet sie. Jeb bekundet immerhin zurückhaltende Ambitionen. Er erwäge eine Kandidatur, heißt es aus seinem Umfeld.

Der Mann, der bis 2007 Gouverneur von Florida war, ist ein gemäßigter Republikaner. Hardliner zuckten zusammen, als Jeb illegale Einwanderung als "kein schweres Verbrechen, sondern einen Akt der Liebe" bezeichnete. "Da ist ein Vater, der seine Kinder liebt und sich sorgt, dass sie Essen auf dem Tisch haben", erklärte Bush die Motive der Einwanderer. Eine ungewöhnlich milde Wortwahl für einen Republikaner. Parteistrategen sehen darin Jebs Stärke. Ein solcher Kandidat kann auch demokratisch orientierte Wähler überzeugen. Punkten könnte der 61-Jährige auch in einer Wählergruppe, die nicht zu den Hochburgen der Republikaner zählt: bei den Hispanics. Der Lateinamerikawissenschaftler ist mit einer Mexikanerin verheiratet und spricht fließend Spanisch.

Showdown zwischen den Dynastien

Doch die Marke Bush birgt nicht nur Vorzüge. Jebs älterer Bruder, der die USA in den Irak-Krieg führte, ist noch immer einer der unbeliebtesten Präsidenten. "George W. hat viele Fehler als Präsident gemacht", sagte Jeb vor einigen Jahren. Zumindest die Zeit dürfte ihm in die Hände spielen. Die Erinnerung an George W., der sich inzwischen als Maler betätigt, verblasst.

Nicht nur die Personalie Bush beschäftigt das politische Amerika. Vielleicht steht dem Land ein noch größeres Spektakel bevor. Während das Rennen bei den Republikanern noch offen ist, ist die Lage bei den Demokraten zwar einfacher, aber mindestens ebenso brisant. Denn dort ist Hillary Clinton die Favoritin. Sollte die frühere Außenministerin und First Lady antreten, wäre ihre Kandidatur allerdings so gut wie sicher - und damit auch ein Wahlkampf, der Erinnerungen an 1992 weckt. Damals warf Bill Clinton Jebs Vater George schon nach vier Jahren aus dem Weißen Haus.

Kommt es also erneut zum Showdown zwischen den Dynastien? Umfragen zufolge liegt Clinton zurzeit mit 54 zu 39 Prozent vor Bush. Tendenz sinkend, zugunsten des Republikaners. Jeb sagte vor Kurzem, er wolle sich Ende des Jahres entscheiden. Zwei Faktoren seien für ihn entscheidend. "Kann ich es mit Freude tun?" und "Ist es das Richtige für meine Familie?". Zumindest ein Familienmitglied fremdelt mit der Vorstellung: Mutter Barbara erklärte vor einigen Monaten, sie hoffe Jeb trete nicht an. "Wir hatten genug Bushs. Es gibt doch andere großartige Familien in diesem Land." Kaum vorstellbar, dass sie damit die Clintons gemeint hat. Ausschlaggebend muss ihre Warnung für Jeb jedenfalls nicht sein. George W. Bush trat vor 15 Jahren auch gegen den ausdrücklichen Rat seiner Mutter an.

Quelle: n-tv.de

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