Politik

Deutsches GesundheitssystemVertrauen ist futsch

05.08.2009, 16:03 Uhr

Die Mehrzahl der Bundesbürger hat einer Studie zufolge das Vertrauen in die Gesundheitspolitik verloren. 62 Prozent der Bevölkerung und 87 Prozent der Ärzte hätten vom Gesundheitswesen "keinen guten Eindruck", so ein Ergebnis.

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Das waren noch Ärzte! Das war noch Medizin! Hier stand noch die Liebe im Vordergrund! Zwei Klassen? Undenkbar! (Foto: picture-alliance/ dpa)

Die Mehrzahl der Bundesbürger hat einer Studie zufolge das Vertrauen in die Gesundheitspolitik verloren. 62 Prozent der Bevölkerung und 87 Prozent der Ärzte hätten vom Gesundheitswesen "keinen guten Eindruck", ergab eine Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach. Mehr als Hälfte der Bürger wie der Ärzte haben demnach in den vergangenen Jahren Verschlechterungen in der medizinischen Versorgung festgestellt.

Mehr als zwei Drittel rechnen zunehmend mit einer Zwei-Klassen-Medizin. Fast jeder zweite Bürger sorgt sich, ob er künftig noch alle notwendigen Behandlungen bekommen wird, heißt es in der Studie im Auftrag des Finanzberaters MLP. Vier von fünf Bürgern erwarten, dass die Beiträge steigen werden und die Krankenversicherung immer teurer wird.

Zwar bezeichnen derzeit noch rund zwei Drittel der Deutschen die Leistungsfähigkeit des Gesundheitswesens als "gut" oder "sehr gut". Genauso viele fordern jedoch eine umfassende Reform. Bei den Ärzten sind es gar über 80 Prozent. Die überwiegende Mehrheit der Befragten bezweifelt aber, dass die Politik langfristig noch eine gute Gesundheitsversorgung für alle sicherstellen kann.

Ärzte zweifeln

Nahezu jeder zweite Mediziner kann sich nach eigenen Angaben nicht genügend Zeit für seine Patienten nehmen. 86 Prozent erbringen "häufig" oder "gelegentlich" Leistungen, deren Kosten nicht von den Kassen übernommen werden. Fast 60 Prozent der niedergelassenen Ärzte gaben an, schon einmal über einen Ausstieg aus dem Kassenarztsystem nachgedacht zu haben. Auch eine Tätigkeit im Ausland kommt der Erhebung zufolge für immer mehr Krankenhausärzte und junge Mediziner in Betracht.

Der Vizepräsident der Bundesärztekammer, Frank-Ulrich Montgomery, forderte, anstelle der von der Politik eingeleiteten verdeckten Begrenzung von Leistungen müsse es eine ehrliche und offene Debatte über eine Rangliste geben, wie sie auch die Bundesärztekammer fordert. Welche Behandlungen noch erbracht werden, könne nicht zufällig in der Praxis entschieden werden.

Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt erklärte, die Studie bestätige den Wunsch der Menschen nach umfassendem Krankenversicherungsschutz. Notwendig dafür sei eine stabile Finanzierungsgrundlage. Diese könne nur durch eine Bürgerversicherung erreicht werden.

Quelle: rts

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