Verschwörungstheorien boomen: Verwirrung um Mubaraks Zustand
Noch in der Nacht gehen erste Meldungen über den Tod Husni Mubaraks über den Äther. Nun kommen Zweifel an seinem angeblich schlechten Gesundheitszustand auf. Erste Stimmen warnen vor einem Ablenkungsmanöver der Generäle.
Fast einen Tag nach den ersten Todesmeldungen kommen immer mehr Zweifel am wahren Gesundheitszustand des ehemaligen ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak auf. Ägyptens verhasster Langzeitmachthaber liegt nach Angaben ägyptischer Medien und Ärzten im Koma. Wie berichtet wurde, hatte Mubarak in der Nacht zum Mittwoch einen Hirnschlag erlitten und war von der Krankenstation des Gefängnisses Tora in ein Militärkrankenhaus in Kairo verlegt worden. Dort sei sein Herz stehengeblieben und er habe wiederbelebt werden müssen.
Seine Ehefrau Suzanne Mubarak und eine Schwiegertochter trafen noch in der Nacht in dem Krankenhaus im Kairoer Außenbezirk Maadi ein. Der Patient sei nicht ansprechbar und habe die Augen geschlossen, sagten Ärzte des Militärkrankenhauses.
Die ägyptische Nachrichtenagentur Mena hatte in der Nacht gemeldet, . Mamduh Schahin, ein Mitglied des in Ägypten herrschenden Obersten Militärrates, wies diese Darstellung später zurück. "Er ist nicht klinisch tot, wie berichtet wurde", sagte der General dem US-Sender CNN. "Sein Gesundheitszustand verschlechtert sich, und er ist in kritischem Zustand", fügte er hinzu.
Verschwörungstheorien über den wahren Hintergrund
Die New York Times berichtet unterdessen, der Anwalt Mubaraks habe verkündet, dass der 84-Jährige im Bad gestürzt sei und sich am Kopf verletzt habe. Der Anwalt soll auch bestritten haben, dass Mubarak im Koma liege. Auch sonst sei sein Zustand nicht übermäßig kritisch.
Die widersprüchlichen Meldungen zu Mubarak beflügeln Verschwörungstheorien aller Art. So äußerten viele Ägypter über Internetdienste wie Twitter den Verdacht, dass die dramatische Wiederbelebungsgeschichte und die Verlegung ins komfortable Militärkrankenhaus in Maadi, wo einst der Schah von Persien seine letzten Tage verbrachte, nur dazu dienten, Mubarak aus dem Gefängnis zu befreien.
Auf dem Kairoer Tahrir-Platz, wo in der Nacht Tausende Anhänger der Muslimbruderschaft und der Anti-Mubarak-Bewegung gegen die Militärführung protestierten, wurden die Nachrichten über den sich dramatisch verschlechternden Gesundheitszustand Mubaraks bejubelt. Der Salafistenprediger forderte daraufhin die Menge auf, sich zu beruhigen. Die Berichte seien eine Lüge, um von einer Machtübernahme durch die Armeeführung abzulenken.
Ergebnis der Präsidentenwahl erst später
Das Drama um den vor 16 Monaten gestürzten Präsidenten fällt mitten in eine Zeit, in der der voll entbrannt ist. Heute sollte die ägyptische Wahlkommission den Sieger der Stichwahl um die Präsidentschaft vom vergangenen Wochenende bekanntgeben. Daraus wird aber nichts, denn angesichts massiver Manipulationsvorwürfe ist der Termin auf unbestimmte Zeit verschoben worden. Sowohl der Kandidat der konservativ-religiösen Muslimbruderschaft, Mohammed Mursi, als auch sein Rivale, Mubaraks letzter Ministerpräsident Ahmed Schafik, reklamieren den Wahlsieg für sich. Einige unabhängige Beobachter sehen Mursi knapp vorne liegen.
Auf beiden Seiten des Suez-Kanals wurden Sicherheitskräfte in Alarmbereitschaft versetzt. Ein Sicherheitsbeamter sagte, man bereite sich auf Ausschreitungen enttäuschter Anhänger des unterlegenen Kandidaten vor.
Ägyptische Medien spekulieren über Begräbnis
Mubarak hatte fast 30 Jahre lang autokratisch über sein Land geherrscht. Massenproteste zwangen ihn im Februar 2011 zum Rücktritt. Anfang Juni wurde er wegen Mitschuld am Tod von mehr als 800 Demonstranten zu lebenslanger Haft verurteilt. Danach wurde Mubarak gegen seinen Willen in die Krankenstation des Gefängnisses Tora bei Kairo verlegt. Schon damals soll er eine Art Nervenzusammenbruch erlitten haben. Die Untersuchungshaft hatte der Ex-Präsident noch relativ komfortabel in einer gut ausgestatteten Militärklinik verbracht.
Der Oberste Militärrat hatte und die Kompetenzen des neuen Präsidenten beschnitten. Das Gremium hatte nach dem Sturz Mubaraks die Regierungsgeschäfte übernommen und zunächst angekündigt, sie nach freien und demokratischen Wahlen an zivile Politiker zu übergeben.
In ägyptischen Medien wird bereits über die Art des Begräbnisses spekuliert, das dem gestürzten Ex-Präsidenten zusteht. Das Internet-Portal Al-Ahram zitierte offizielle Quellen, wonach lediglich eine Beisetzung im Familienkreis möglich sei. Dieser könnten möglicherweise auch Mubaraks Söhne Alaa und Gamal beiwohnen, die wegen Korruptionsverdacht in Untersuchungshaft sitzen.
Quelle: n-tv.de

