Dienstag, 06. April 2010
Tödliche Schüsse auf Zivilisten: Video belastet US-Militär
Im Internet taucht ein Bordvideo eines Apache-Kampfhubschraubers auf, das einen Angriff auf Zivilisten 2007 im Irak dokumentiert. Unter den Opfern sind auch zwei Journalisten der Nachrichtenagentur Reuters. Das US-Militär bestätigt die Echtheit des Videos.Im Jahre 2007 sollen bei einem Hubschrauber-Angriff im Irak durch das US-Militär Unschuldige getötet worden sein, darunter auch zwei Journalisten der Nachrichtenagentur Reuters. Dies geht aus einem Bordvideo hervor, das der Whistleblower-Plattform Wikileaks zugespielt wurde, berichtet das "Handelsblatt". Ein hochrangiger Angehöriger des US-Militärs bestätigte zudem die Echtheit des Videos gegenüber Journalisten der Nachrichtenagentur AP.
Das Video, das das Geschehen dokumentieren soll, ist in einer 38-minütigen Originalfassung und in einer zweiten, kürzeren und kommentierten Version auf der Internetseite von Wikileaks veröffentlicht worden. Es zeigt, wie die Kamphubschrauber das Feuer auf eine Gruppe von Männern eröffnen.
Wie dem mutmaßlichen Funkverkehr zu entnehmen ist, hielten die Besatzungen der Apache-Hubschrauber die Gruppe offenbar für bewaffnete Aufständische. Die Kameras der beiden Reuters-Mitarbeiter wurden demnach für Waffen gehalten. Daraufhin eröffnete der Hubschrauber das Feuer. Als später ein Transporter ankommt, um den Verletzten zu helfen, befürchtet die Besatzung, es handele sich um Extremisten, die Waffen aufsammeln und ihre Verletzten in Sicherheit bringen wollen. Sie erhält die Erlaubnis, das Feuer auf den Wagen zu eröffnen. Dabei werden offenbar mehrere Menschen im und um das Fahrzeug herum getötet. Unter den Verletzten sind zwei Kinder. Sie werden später von anrückenden US-Soldaten in Sicherheit gebracht, während der Hubschrauber weiter über dem Ort kreist. "Nun, es ist ihre Schuld, wenn sie ihre Kinder in die Schlacht mitnehmen", sagt eines der Besatzungsmitglieder.
Der US-Militärsprecher Shawn Turner verwies nach Auftauchen des Videos im Internet auf eine Untersuchung des Vorfalls. Demnach war den Soldaten damals nicht bewusst, dass sich Journalisten auf dem Platz befanden. "Wir bedauern den Tod Unschuldiger", sagte Turner. "Aber der Vorfall wurde schnell untersucht und es gab nie einen Versuch, irgendeinen Aspekt dieses Einsatzes zu verheimlichen." Nach seinen Angaben war Thomson Reuters im vergangenen Jahr Material zu dem Vorgang nach vorherigem Antrag überlassen worden. Laut Wikileaks soll das Video aus Militärkreisen stammen und der Webseite zugespielt worden sein.
ppo/rts
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