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Politik

Donnerstag, 26. Februar 2009

Kinderkrebs-Studie: Warten statt Taten

Die atomkritische Ärzteorganisation IPPNW hat der Bundesregierung vorgeworfen, die Ergebnisse einer Studie über den Zusammenhang von Atomkraftwerken und Leukämie bei Kleinkindern zu ignorieren. "Die Studie wurde bereits im Dezember 2007 veröffentlicht", sagte der IPPNW-Arzt Reinhold Thiel gegenüber n-tv.de. "Die einzige Reaktion von Bundesumweltminister Sigmar Gabriel war ein Schieben auf die lange Bank. Ihm ging es offensichtlich nur darum, Zeit zu gewinnen."

Die Studie "Kinderkrebs in der Umgebung von Kernkraftwerken" (KiKK) war vom Mainzer Kinderkrebsregister durchgeführt und vom Bundesamt für Strahlenschutz finanziert worden. Nachdem die Studie am 10. Dezember 2007 öffentlich vorgestellt worden war, beauftragte Gabriel die Strahlenschutzkommission, die Studie zu bewerten. "Ein kurioser Vorgang", so Reinhold Thiel, "immerhin ist das Bundesamt für Strahlenschutz eine Ausführungsbehörde des Bundesumweltministers".

Die KiKK-Studie ergab, dass es einen statistischen Zusammenhang zwischen der Nähe der Wohnung zum nächstgelegenen Kernkraftwerk und dem Risiko gibt, vor dem 5. Geburtstag an Krebs und Leukämie zu erkranken: Je näher ein Kleinkind an einem Kernkraftwerk wohnt, um so höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass es erkrankt.

Monatelanges Prüfen

Am Dienstag fand in Bonn ein "Fachgespräch" der Strahlenschutzkommission zur KiKK-Studie statt. Bereits im Oktober 2008 hatte die Strahlenschutzkommission ihre ersten Auffassungen zur Krebsstudie veröffentlicht. Demnach lasse sich "nicht abschließend bewerten, ob es eine Evidenz für eine erhöhte Rate von Leukämie generell in der Umgebung von Kernkraftwerken gibt". Die Strahlenschutzkommission argumentiert, natürliche Strahlung sei "um mehrere Zehnerpotenzen" höher als die Strahlung von Kernkraftwerken. Sie kommt daher zu dem Schluss: "Die Ursache für die beobachtete Erhöhung der Leukämierate bei Kindern in der KiKK-Studie ist nicht klar."

"Die 'Überprüfung' der Studie durch die Strahlenschutzkommission hat fast ein Jahr gedauert", kritisiert Reinhold Thiel. "Damit dann noch mehr Gras über die Sache wächst, hat man die Veröffentlichung der wissenschaftlichen Begründung mehrfach verschoben." Dahinter stecke die Strategie, das Problem der Kinderleukämie in der Nähe von Atomkraftwerken kleinzureden.

Auch die IPPNW gesteht zu, dass die KiKK-Studie nicht alle Fragen abschließend kläre. Klar sei jedoch der Zusammenhang zwischen Krebserkrankungen von Kindern und der Nähe zu Atomkraftwerken. "Um so wichtiger ist es, nach vorne zu schauen, entsprechende Schlüsse aus dieser Studie zu ziehen und die betroffenen Menschen in der Umgebung von Atomkraftwerken endlich sachgerecht über das erhöhte Krebs- und Leukämie-Risiko der Kinder aufzuklären", fordert der IPPNW-Arzt. Thiel wirft den Behörden "Zensur" und Behinderung der radiobiologischen Forschung vor: Das Mainzer Krebsregister gebe schon seit Jahren kein Datenmaterial uneingeschränkt an Wissenschaftler ab. Zudem seien in den vergangenen zehn Jahren sechs von sieben Lehrstühlen für Strahlenbiologie in Deutschland geschlossen worden.

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