Politik
Jens Spahn sammelt derzeit Erfahrungen im Finanzministerium. Der Mann, der die CDU weniger spießig und gleichzeitig konservativer machen will, fühlt sich aber zu Höherem berufen.
Jens Spahn sammelt derzeit Erfahrungen im Finanzministerium. Der Mann, der die CDU weniger spießig und gleichzeitig konservativer machen will, fühlt sich aber zu Höherem berufen.
Mittwoch, 02. November 2016

"Der Streit in der Union nervt": Warum Jens Spahn burkaphob ist

Jens Spahn ist 36, CDU-Finanzstaatssekretär und Mitglied des Partei-Präsidiums. Der Mann, der für den britischen Guardian "auf Merkel folgen könnte", ist modern-liberal und wertkonservativ zugleich, ist schwul und burkaphob. Genau das also, was die CDU derzeit braucht. Im Gespräch mit Louis Klamroth erklärt er, was die Union besser machen sollte.

CDU-Präsidiumsmitglied Jens Spahn hat keine Freude mehr am monatelangen Streit zwischen beiden Unionsparteien in der Flüchtlingsfrage. "Es ist phasenweise sehr ermüdend, das ist wohl wahr", sagte der Finanzstaatssekretär in der neuen Sendung "Klamroths Konter", die exklusiv auf n-tv.de zu sehen ist. Er verstehe gut, dass viele mittlerweile ein Stück genervt seien von der Auseinandersetzung zwischen CDU und CSU, sagte Spahn und fügte hinzu: "Ich bin es genauso."

"Eigentlich hätten wir das vor zehn, zwölf Monaten mal miteinander klären und eine gemeinsame Sprache finden sollen", sagte der 36-Jährige weiter. Mit Blick auf die von Bayerns Ministerpräsident und CSU-Chef Horst Seehofer geforderte Obergrenze für aufzunehmende Flüchtlinge sagte Spahn: "Am Ende ist es Wortklauberei. Weil wir alle gemeinsam wissen: Wir können nicht unbegrenzt Menschen aufnehmen, sonst überfordern wir die Gesellschaft".

"Klamroths Konter"

Louis Klamroth, 27, studierte Politologie in Amsterdam und London. In einem früheren Leben war er Hauptdarsteller des Films "Das Wunder von Bern". Die probono Fernsehproduktion präsentiert seine wachen, beherzten Interviews in Zusammenarbeit mit n-tv.de.

Aufgezeichnet wird die Sendung in der imponierenden Schaltzentrale des Heizkraftwerkes Berlin, das bis 1997 die "Hauptstadt der DDR" mit Energie und Wärme versorgte. Heute birgt der Koloss an der Köpenicker Straße den legendären Club "Tresor".

Wichtig sei es deshalb jetzt für die Union, eine doppelte Botschaft zu transportieren, so Spahn: "Wir wissen, dass  das, was vor zwölf Monaten passiert ist, eine Ausnahme war und dass wir nicht unbegrenzt aufnehmen können."  

"Ich möchte keiner Burka begegnen müssen"

Erneut bekräftigte Spahn, er sei burkaphob. "Wenn ich durch Berlin, durch München, durch Bad Godesberg oder Dinslaken gehe, dann möchte ich keiner Burka begegnen", so Spahn. Er fühle sich unwohl in der Anwesenheit von Vollverschleierten. "Ich schaue Menschen gerne ins Gesicht", so Spahn. Dies sei im Übrigen keine besonders konservative Haltung, sondern eine zutiefst liberale.

Video

Wer meine, seine Frau sei in einer Burka besser aufgehoben, der sei hier einfach im falschen Land. "Es ist niemand gezwungen, in Deutschland zu leben", sagte Spahn. Das Argument, die Burka betreffe doch fast niemanden und es gebe maximal ein paar hundert Vollverschleierte hierzulande, lässt Spahn nicht gelten. "Ich wundere mich manchmal ein bisschen, dass die, die sonst immer bis zum Binnen-I alles gendern wollen, die für Frauen-Quoten im Aufsichtsrat kämpfen, die einen guten und wichtigen Kampf für die Emanzipation der Frauen in Deutschland gemacht haben, dann bei Themen wie Vollverschleierung, Zwangsheirat, Kinderehe, immer relativieren." Sicher sei ein Burka-Verbot ein Stück weit ein Symbol, aber dies sei ja nichts schlechtes, so Spahn. Es zeige vielmehr, welche Haltung die Gesellschaft einnehme, welche Erwartungen man an ein Zusammenleben stelle. Letztlich sei  es Ausdruck der Freiheit dieser Gesellschaft.    

Große Koalition ist Mist

Darüber hinaus warb Spahn bei n-tv.de für ein neues Regierungsbündnis nach der Bundestagswahl 2017. "Ich möchte eines jedenfalls nicht: nochmal Große Koalition", sagte er. "Die Große Koalition ist auch für die Demokratie Mist" Zur Begründung verwies er auf das Fehlen einer wirklichen Alternative. "Schauen Sie sich Bundestagsdebatten an - langweilig." Deswegen, so Spahn, sei Schwarz-Grün etwas, "was möglich sein muss".

Quelle: n-tv.de

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