Politik
Donald Trump hat es sich bei vielen Briten verscherzt.
Donald Trump hat es sich bei vielen Briten verscherzt.(Foto: AP)

Unterhaus debattiert Einreiseverbot: Warum die Briten Trump nicht lieben

Von Johannes Graf

Donald Trump ist stolz auf seine schottischen Wurzeln. Doch im Land seiner Vorfahren debattieren sie eine Petition: Hunderttausende wollen ihn mit einem Einreiseverbot belegen. Es ist der Höhepunkt eines jahrelangen Missverständnisses.

Was wäre wohl, wenn diese Liebesgeschichte anders ausgegangen wäre? Jahrelang tauscht Mary Anne MacLeod Briefe mit ihrem Liebhaber aus. Sie, eine Fischerstochter von der schottischen Isle of Lewis. Und er, ein Baulöwe aus den USA. 1930 gibt sich Mary Anne einen Ruck und zieht nach New York. Sechs Jahre später heiratet sie den Mann, heißt fortan Trump und bekommt fünf Kinder. Eines davon heißt Donald, ist heute steinreich und schickt sich an, Präsident der USA zu werden. Nur im Heimatland seiner Mutter wollen sie von ihm nichts mehr wissen.

Bilderserie

Denn Donald Trump pflegt das offene Wort. Und das hat ihm auf der Insel jetzt viele Feinde eingebracht. Das britische Unterhaus nimmt sich am 18. Januar drei Stunden Zeit, um über den streitbaren Milliardär zu debattieren. In einer Petition im Internet fordern weit über eine halbe Million Menschen, Trump mit einem Einreiseverbot zu belegen. Der Grund: Der US-Amerikaner habe sich der Hassrede schuldig gemacht. Nach britischem Recht kann das Königreich Menschen in solchen Fällen verbannen. Das müsse für Reiche und Mächtige ebenso gelten wie für Arme und Schwache, heißt es. Auch für Donald Trump.

Suzanne Kelly ist Initiatorin der Petition und seit Jahren eine profilierte Gegnerin Trumps. Sie störte sich dieses Mal konkret an den islamfeindlichen Äußerungen des Immobilien-Tycoons. Nach dem Anschlag eines muslimischen Paares im kalifornischen San Bernardino hatte er Anfang Dezember 2015 gefordert, Muslime vorerst nicht mehr einreisen zu lassen, bis klar sei, was los ist. "Wir haben die Kontrolle verloren", gab er düster von sich. Später ließ er vom Stapel, in manchen Vierteln von London und Paris hätte die Polizei gar keinen Zutritt mehr, weil die muslimische Bevölkerung dort so radikalisiert sei.

Es gibt Präzedenzfälle

Der Aufschrei war, wie so oft, wenn Donald Trump etwas sagt, riesig. Seine republikanischen Mitbewerber um die Präsidentschaft, Demokraten, ausländische Regierungen - alle waren entsetzt. Boris Johnson, Bürgermeister von London und Trump vom Typ her nicht unähnlich, sagte: "London hat eine stolze Geschichte der Toleranz und Vielfalt. Zu behaupten, es gebe Gegenden, die Polizeibeamte wegen radikaler Tendenzen nicht betreten können, ist schlicht lächerlich." George Osborne, Schatzkanzler der Regierung David Camerons, sagte: Trumps Ansichten verstießen gegen die Prinzipien, auf denen die USA gegründet wurden. Cameron selbst ließ mitteilen, dass er Trumps Meinung ausdrücklich nicht teile. Und das Innenministerium bezeichnete sie als "spaltend, falsch und nicht hilfreich".

Hat Donald Trump also sein Gastrecht verwirkt?  Suzanne Kelly sieht sich durch prominente Fälle in der Vergangenheit bestätigt: Box-Bad-Boy Mike Tyson, Rap-Rüpel Chris Brown und die US-TV-Größe Martha Stewart - sie alle dürfen nicht mehr ins Land. Warum also nicht auch einer, der gefährlich am friedlichen Zusammenleben der Religionen zündelt? So weit mag die britische Regierung offenbar nicht gehen. Das Innenministerium stellt in seiner offiziellen Antwort auf die Petition klar, die Einreise in das Vereinigte Königreich sei ein Privileg und kein Recht. Einreiseverbote seien jedoch ernste Schritte und dürften nicht leichtfertig verhängt werden.

Auch wenn Trump also wohl nicht fürchten muss, künftig um London einen Bogen machen zu müssen: Die Geschichte ist der vorläufige Höhepunkt eines Missverständnisses. Der Unternehmer nimmt seine Herkunft nämlich sehr ernst. Wiederholt hat er die Heimat seiner Vorfahren in Schottland besucht. Und er brüstete sich stets damit, ihr auf seine Weise etwas zurückzugeben: mit Investitionen. Er kaufte vor Jahren zwei Grundstück an Schottlands wild-romantischer Küste. Mit Millionen Dollar errichtete er hier Golfplätze und prahlte damit, den strukturschwachen Regionen etwas Gutes zu tun.

Trump droht mit Entzug von Investitionen

Doch viele Schotten sahen das anders. Auch Suzanne Kelly, die nun die Petition gegen Trump auf den Weg brachte. Kaum einer der Anwohner hat etwas von den Golfprojekten Trumps. Einer der Golfplätze entstand inmitten von Sanddünen, Umweltschützer liefen Sturm. Anwohner des entlegenen Küstenstreifens legten sich quer und verweigerten Trump den Verkauf kleinerer Anwesen.

Als die schottische Regionalregierung in Sichtweite des neuen Resorts einen Offshore-Windpark errichten wollte, eskalierte der Streit schließlich. Trump machte sich auch die große Politik in dem Land zum Feind. Den damaligen Ersten Minister Schottlands, Alex Salmond, bezeichnete er als dummen Idioten. Mit den Windrädern zerstöre er Schottlands Natur. Am Ende landete der Fall vor Gericht. Trump verlor. Nach Trumps islamfeindlichen Ausfällen zerschnitt die schottische Regierung das Tischtuch endgültig. Die Zusammenarbeit mit Trump im Wirtschaftsnetzwerk GlobalScot wurde beendet, Trump sei "nicht mehr geeignet", für das Land zu werben. Die Ehrendoktorwürde der Robert-Gordon-Universität in Aberdeen ist dahin.

Da er sich nun von einer halben Million Unterzeichnern der Petition in die Enge gedrängt fühlt, greift er erneut zu seinem Mittel der Wahl: Geld. Genau das will er nämlich von der Insel abziehen, sollte es tatsächlich zu einem Einreiseverbot kommen. Mit einer solchen Entscheidung schaffe Großbritannien einen "gefährlichen Präzedenzfall" und vermittle die "schreckliche Botschaft", freie Meinungsäußerung abzulehnen und an Investitionen aus dem Ausland nicht interessiert zu sein, sagt Trump. Insgesamt stehen umgerechnet 950 Millionen Euro auf dem Spiel. So groß ist die Liebe von Anne MacLeods Sohn zu Schottland dann doch nicht.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen